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Masken, Seife, Streaming: Jede Krise hat ihre Gewinner
Wirtschaft 3 Min. 16.03.2020 Aus unserem online-Archiv

Masken, Seife, Streaming: Jede Krise hat ihre Gewinner

Masken, Seife, Streaming: Jede Krise hat ihre Gewinner

Foto: dpa
Wirtschaft 3 Min. 16.03.2020 Aus unserem online-Archiv

Masken, Seife, Streaming: Jede Krise hat ihre Gewinner

Pierre LEYERS
Pierre LEYERS
Die Corona-Pandemie hat für die gesamte Wirtschaft ernste Folgen – einigen Unternehmen aber nützt die Notlage.

Ganze Länder sind abgeriegelt, Urlaubsflüge werden auf unbestimmte Zeit storniert, Restaurants, Theater, Konzertsäle und Kinos sind geschlossen. Der Elektronikindustrie gehen die Teile aus, ganze Lieferketten brechen zusammen. Viele Unternehmen stehen angesichts der Corona-Pandemie vor einer akuten existenziellen Bedrohung. Viele, aber nicht alle. Es gibt auch Gewinner.

Privatjets im Aufwind

Die Luftfahrt könnte zum ganz großen Verlierer der Corona-Krise werden. Die Luxair reduziert ihren Flugplan auf ein Minimum, alle Flüge nach Italien sind gestrichen. Weltweit erwarten die Fluggesellschaften einen Verlust von 113 Milliarden Dollar in ihrem Passagiergeschäft. Nicht die gesamte Luftfahrtbranche stürzt ins Minus: Die Sorge der Flugpassagiere vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus sorgt für steigende Nachfrage bei Privatjetanbietern. Der Luxemburger Privatjetverwalter Luxaviation, größter Anbieter von Geschäfts- und Privatflugzeugreisen außerhalb der USA nach Netjets von Warren Buffett, könnte bald zu den Nutznießern der Krise gehören.


Lokales, Coronavirus, Covid-19, Cactus Howald, Foto: Chris Karaba/Luxemburger Wort
Hamsterkäufe: "Keine Engpässe bei der Belieferung"
Die Bilder der leeren Supermarktregale gehen gerade durchs Netz: Viele Menschen hierzulande sind dabei, ihren Vorrat aufzustocken. Die Regierung ist derweil um Beruhigung bemüht - laut Mittelstandsminister Lex Delles sind keine Engpässe zu fürchten.

Desinfektionsmittel gefragt

Die wohl offensichtlichsten Gewinner der Krise sind die Hersteller von Desinfektionsmitteln. Noch ehe es in Luxemburg mit den Hamsterkäufen so richtig los ging, waren die Regale mit Produkten zum Waschen und Desinfizieren ausverkauft. Derzeit ist noch nicht abzuschätzen, welchen Umsatzplus die Krise Herstellern wie Sagrotan oder Clorox bescheren wird. Alles hängt davon ab, wieweit sie dem allgemeinen Abwärtsstrudel der Wirtschaft widerstehen können, denn auch sie sind angewiesen auf zunehmend fragile Lieferketten.

Gründlich Hände waschen: Hersteller von Sprays, Tüchern und Gels zur Desinfektion sind gefragt.
Gründlich Hände waschen: Hersteller von Sprays, Tüchern und Gels zur Desinfektion sind gefragt.
Foto: dpa

Tyvek für Schutzanzüge

Eine Branche, die deutlich zu den Profiteuren der Krise gehört, hat sich auf den Schutz der Atemwege spezialisiert. Atemmasken und Schutzanzüge sind derzeit äußerst gefragt. Am Eingang zahlreicher Apotheken in Luxemburg prangt derzeit ein Schild, das zeigt, dass keine Atemmasken mehr vorhanden sind.

Tyvek, der in Contern von Dupont hergestellte Vliesstoff aus Kunststoff ist derzeit hoch im Kurs. Luxemburg ist einer der Produktionsstandorte des Chemiekonzerns, wo das Material für Schutzanzüge hergestellt wird. Dupont produziert in der Regel 200 Millionen Schutzanzüge im Jahr. Wegen der Coronakrise dürften es jetzt deutlich mehr werden. Die Krise könnte somit zur Festigung des Luxemburger Standorts von Dupont beitragen.

Gefrahte Ware: Schutzmasken der Kategorie FFP3 des deutschen Herstellers Moldex-Metrie.
Gefrahte Ware: Schutzmasken der Kategorie FFP3 des deutschen Herstellers Moldex-Metrie.
Foto: AFP

Videokonferenzen boomen

Sogar die Finanzminister der Eurozone nutzen sie bei ihrem mit Spannung erwarteten Treffen am Montag. Wegen der zahlreichen Reisebeschränkungen begegnen sich die Minister im virtuellen Raum per Videokonferenz. Technische Lösungen, die verhindern, dass Leute physisch an einem Ort zusammenkommen müssen, boomen derzeit. Dazu gehören die elektronische Durchführung von Aktionärsversammlungen, aber auch Online-Lernplattformen. Videokonferenz-Dienste wie Zoom verzeichnen einen regen Nachfrageschub. Viele Unternehmen nutzenden Instant-Messaging-Dienst Slack, um ihre Mitarbeiter zu vernetzen. Angesichts von Homeoffice und abgesagten Dienstreisen könnte der Dienst zu den großen Profiteuren der Corona-Virus-Krise gehören.


Der Päsident der Handelskammer, Luc Frieden, bietet den Betrieben eine "pragmatische, schnelle und wirksame" Hilfe an.
Wegen Corona-Virus: Kreditbürgschaft für Betriebe
Die Luxemburger Handelskammer kommt Unternehmen zu Hilfe - bei finanziellen Engpässen bietet sie eine Garantie an.

Impfstoff schnellstmöglich gesucht

Auf die Sektoren Pharma und Biotech richten sich derzeit die Blicke der Investoren. Der Wettlauf um den Impfstoff hat sogar schon zu diplomatischen Spannungen zwischen Deutschland und den USA geführt. Anlass zum Streit gibt die Tübinger Impfstoff-Firma CureVac.

US-Präsident Donald Trump versuche, deutsche Wissenschaftler mit hohen finanziellen Zuwendungen nach Amerika zu locken oder das von CureVac hergestellte Medikament exklusiv für sein Land zu sichern, berichtet die „Welt am Sonntag“. Da die Entwicklung eines Impfstoffes aber wohl noch ein Jahr dauern wird, sind auch Medikamente hoch im Kurs. An der Spitze der Forschung nach wirksamen Medikamenten stehen das US-Pharmaunternehmen Gilead Sciences und die japanische Firma Takeda. Die Aktien beider Unternehmen befanden sich zumindest bis zum Börsencrash vergangene Woche im absoluten Höhenflug.

Das Rennen um den Impfstoff hat begonnen. Das Pharmaunternehmen, das ihn als erstes entwickelt, wird beträchtliche Gewinne machen.
Das Rennen um den Impfstoff hat begonnen. Das Pharmaunternehmen, das ihn als erstes entwickelt, wird beträchtliche Gewinne machen.
Foto: LW-Archiv

„Stay at home“ heißt die Lösung

Die wahren Gewinner der Coronakrise sind Netflix und Co. Börsenanalysten haben für die Aktien der Streamingdienste ein neues Wort geschaffen: Es sind „Stay at home stocks“, Aktien von Unternehmen, die den Zwangsaufenthalt zuhause angenehmer machen. Der Aufwind könnte sich jedoch mittelfristig in das Gegenteil umkehren. Zahlreiche Produktionen wurden wegen der Virusgefahr gestoppt. So gab Netflix bekannt, dass man bei allen aktuell laufenden 70 Seriendrehs in Nordamerika eine Pause einlegt. Davon betroffen sind unter anderem die vierte und letzte Staffel von Stranger Things und die fünfte Staffel von Lucifer. Im kommenden Herbst dürfte somit das Serienangebot etwas dürftig werden.

Der Börsenhandel blüht

Wenn die Börsen in den Keller rauschen, bedeutet das nicht, dass es den Aktienhändlern schlecht geht. Im Gegenteil: Wenn Kurse stark schwanken, werden mehr Transaktionen abgewickelt. Auf die Händler warten satte Provisionen. 


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