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Marketing mit Pokemon Go: Surfen auf dem Hype
Pokémon Go verhilft Unternehmen zu Aufmerksamkeit.

Marketing mit Pokemon Go: Surfen auf dem Hype

Reuters
Pokémon Go verhilft Unternehmen zu Aufmerksamkeit.
Wirtschaft 3 Min. 06.08.2016

Marketing mit Pokemon Go: Surfen auf dem Hype

Linda CORTEY
Linda CORTEY
Phänomene wie Pokémon-Go sind eine Goldgrube für Firmen, die sichtbar sein wollen.Werbeexperten versuchen, den Wirbel um die Pokémon-monster anhand moderner Medien zu nutzen.

Von Stephan Polet

Stolz präsentierte die Versicherungsgesellschaft Axa den Pikachu vor ihrem luxemburgischen Hauptsitz in einem Foto auf Facebook. Alle Pokémon-jäger wurden eingeladen, sich das kleine Monster zu schnappen. Dazu die Aufforderung vorsichtig zu sein und beim Einfangen des Pokémons auf den Straßenverkehr zu achten. Die Versicherungsfirma war sichtlich nicht an Jagdunfällen interessiert.

Mit einem Screenshot machte die Versicherungsfirma auf das Pokemon vor ihrem Hauptsitz aufmerksam.
Mit einem Screenshot machte die Versicherungsfirma auf das Pokemon vor ihrem Hauptsitz aufmerksam.
DR/Axa

Das Pikachu war natürlich nicht real. Das Foto war ein Screenshot aus dem Spiel Pokémon-Go, das zur Zeit Wellen schlägt. Die Anzahl der Reaktionen war demnach wesentlich höher als bei anderen Veröffentlichungen von Axa auf dem sozialen Netzwerk.

Hundert Millionen Mal heruntergeladen

Der Zeitpunkt war nicht zufällig gewählt: Der Facebook-Post kam einen Tag vor der offiziellen Markteinführung des Spiels in Luxemburg. Doch viele hatten

Mit einem Screenshot machte die Versicherungsfirma auf das Pokemon vor ihrem Hauptsitz aufmerksam
DR/Axa
sich die Anwendung bereits auf Umwegen beschafft.

Über hundert Millionen Spieler haben die App heruntergeladen. Etliche jagen Pokémon-Go, genauso viele ärgern sich drüber, aber (fast) jeder kennt es.

Bei so viel Aufmerksamkeit war es nur eine Frage der Zeit bis die ersten Unternehmen den Hype nutzen würden. „Newsjacking“ wird dieses Phänomen genannt, erklärt Jeremy Coxet von der Werbeagentur Vanksen. Ziel ist es auf einem populären Thema zu „surfen“ und so einen Teil der Aufmerksamkeit auf die eigene Sache zu lenken.

Ein prominentes Beispiel liefert die Natur- und Umweltschutzorganisation WWF. Sie startete kürzlich eine Kampagne zum Thema Artenschutz, wobei sie die Aufmachung von Pokémon-Go imitierte. Mit dem Unterschied dass die Pokémons durch bedrohte Tierarten ersetzt wurden. Daneben steht die Aufforderung der Tierschützer „Save 'em all“, eine Anspielung auf den Pokémon-Slogan „Gotta catch 'em all“.

Digitale Lauffeuer erzeugen dank sozialer Medien

In Zeiten, in denen soziale Medien eine immer wichtigere Rolle spielen, wird es zum „Heiligen Gral“ jeder Marketingabteilung einen sogenannten Hashtag bei Twitter zu erfinden der zum „Trending Topic“ wird. Ein Beispiel ist die französische Handelskette Monoprix die mit ihrem #pokemonop, durch die riesige Anzahl an Usern die den Hashtag benutzten, auf natürlichem Weg zum „Trending Topic“ wurde.

Somit spart das Unternehmen auch Geld. Wer auf künstliche Weise zum „Trending Topic“ werden will, muss Twitter zwischen fünf bis zehn Millionen Euro zahlen.

Die französische Handelskette wurde vom eigenen Erfolg überrascht. Die Pokémonjäger-Starterkits, auf die sie mit dem Hashtag aufmerksam machen wollten, waren schnell verteilt. Viele enttäuschte Kunden gingen mit leeren Händen nach Hause.

Eine derart groß angelegte Aktion zu dem Thema gab es in Luxemburg nicht. Doch auch hier wissen Unternehmen, wenn auch auf diskretere Art, die Pokémania zu nutzen. Die Bank Bil machte zum Beispiel seine Facebookfans auf den Pokestop (Ort an dem Pokémons gefangen werden) neben ihrem Hauptgebäude aufmerksam. Mit virtuellen Ködern, die man im Spiel kauft, kann man Pokémons zu einem bestimmten Pokestop locken. Einen Pokémon eine halbe Stunde anzulocken kostet einen Euro: Für die Bank eine vernachlässigbare Summe.

Doch das blosse Aufsehen reicht nicht jedem. Viele Restaurant- und Kaffeebetreiber im In- und Ausland setzen die Köder ein.Die Hoffnung ist, dass die digitalen Jäger ihrem Hobby bevorzugt sitzend und bei einem Bier oder einer Tasse Kaffee frönen - teilweise mit beachtlichem Erfolg.

Die Halbwertszeit von Hypes ist unklar

Für Marketingspezialisten stellt sich die Frage wann der Hype vorbei sein wird und ein weiteres Herumreiten auf dem Thema kontraproduktiv würde. Aurélien Luiselli und Julien Renault von der Kommunikationsagentur Binsfeld haben Pokémon-Go noch nicht abgeschrieben.

Beide glauben dass viel von den Entscheidungen abhängen wird die Niantic (der Entwickler von Pokémon-Go) treffen wird. „Sie müssen den richtigen Mittelweg finden“ meint Julien Renault und bezieht sich dabei auf die möglichen Versuche von Niantic Werbung im Spiel zu erlauben. Wenn diese zu exzessiv zugelassen werde, werde das Spiel an Attraktivität verlieren. Dann ist der Hype schnell vorbei.