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"Mal schauen, ob Xavier Bettel einen Doppeldiskurs hält?"
Wirtschaft 1 2 Min. 10.02.2015 Aus unserem online-Archiv
Drei Fragen an Denis Robert

"Mal schauen, ob Xavier Bettel einen Doppeldiskurs hält?"

Denis Robert, ein kreativer Tausendsassa: Journalist, Schriftsteller, Essayist, Regisseur und Künstler. Hier auf einem Bild aus dem Jahr 2011 bei der Eröffnung einer Ausstellung seiner Kunstwerke über die okkulte Finanzwelt in Luxemburg.
Drei Fragen an Denis Robert

"Mal schauen, ob Xavier Bettel einen Doppeldiskurs hält?"

Denis Robert, ein kreativer Tausendsassa: Journalist, Schriftsteller, Essayist, Regisseur und Künstler. Hier auf einem Bild aus dem Jahr 2011 bei der Eröffnung einer Ausstellung seiner Kunstwerke über die okkulte Finanzwelt in Luxemburg.
FOTO: MANUEL DIAS
Wirtschaft 1 2 Min. 10.02.2015 Aus unserem online-Archiv
Drei Fragen an Denis Robert

"Mal schauen, ob Xavier Bettel einen Doppeldiskurs hält?"

Denis Robert war in der Luxemburger Banken- und Finanzwelt ein geächteter Journalist. Nun kehrt er zurück mit dem Kinofilm "L'enquête" von Vincent Garenq über die Affaire Clearstream. Seine Eindrücke über das, was er empfunden hat, als er den Film zum ersten Mal sah.

Denis Robert hat mit seinen Recherchen den Film von Vincent Garenq inspiriert. Drei Fragen an den französischen Journalisten, der in der Luxemburger Banken- und Finanzwelt stets geächtet war.

1. Denis Robert, was ist Ihre Reaktion auf den Film? Haben Sie das Gefühl, Sie seien irgendwie rehabilitiert oder gerächt worden?

Keine Rache, nein. Ich habe mich noch nie von Rachegelüsten antreiben lassen. Meine Arbeit wurde 2011 rehabilitiert, als der Oberste Gerichtshof ein allgemeines Interesse für meine Recherchen anerkannte und die 22 Punkte der Verleumdung, die Clearstream mir angekreidet hatte, zurückwies. Der Film ist ein sehr guter Thriller, der den Ereignissen treu geblieben ist. Ich bin nicht mehr in einer Logik des Kampfes, sondern der Erklärung. Ich besuchte ein Dutzend Avant-Premieren in den letzten zwei Wochen, und ich stelle fest, dass die Kinos prall gefüllt und die Debatten heftig sind. Die Leute verstehen diesen Wirrwarr nicht.

2. Der Film erscheint nach LuxLeaks (das Interview wurde kurz vor der Bekanntgabe von SwissLeaks geführt, Anm. d. Red.), wobei sich das Publikum vermutlich mehr denn je Fragen über die internationale Finanzwelt stellt.

Genau. In diesem Zusammenhang finde ich es erstaunlich, dass die Luxemburger Justiz weiterhin die Klage gegen den jungen Whistleblower Antoine Deltour, der LuxLeaks ins Rollen gebracht hat, aufrecht hält. Man sollte die Klage gegen ihn fallen lassen oder ihn freisprechen angesichts der aktuellen Diskussion über die Tax-Rulings. Die Parallelen zwischen LuxLeaks und der Clearstream-Affäre sind auffällig. Mein Informant, Florian Bourges, war ebenfalls 28 Jahre alt und wurde von derselben Kraft getrieben, nicht die der Erpressung und des Geldes, sondern der Auflehnung gegen die okkulten Finanzgeschäfte.

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3. Stellen Sie fest, dass sich Dinge verändert haben seit den Recherchen, die Sie Anfang 2000 geführt haben?

Ja, doch. Ich stelle fest, dass Luxemburg sich weiter entwickelt. Die alte Garde hat den Platz verlassen, das Land wurde internationalem Druck ausgesetzt. Es wird daher vielleicht aufhören, ein Paradies für multinationale Konzerne zu sein und andere Nationen zu plündern. Mal schauen, ob der neue Luxemburger Ministerpräsident einen Doppeldiskurs hält. Aber Xavier Bettel ist klug, und ich denke, er wird die richtigen Entscheidungen treffen. Ich will aber hier keine Politik machen. Nicht einmal Aktivismus. Ich sage nur meine Meinung. Ich will weiterhin meinen Beruf als Regisseur ausüben. Ich habe gerade an einem 90-minütigen Film über François Cavanna und "Charlie Hebdo" mitgearbeitet (Cavanna war französischer Journalist und Gründungsmitglied der satirischen Zeitung „Hara Kiri“, dem Vorläufer von „Charlie Hebdo“). Ich werde auch andere Projekte als Schriftsteller, Künstler und vielleicht sogar als Drehbuchautor in Angriff nehmen.

Interview: Pierre Sorlut / Übersetzung: mt


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