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Makerfest: Das ist doch ein Kinderspiel
Wirtschaft 35 4 Min. 12.12.2017 Aus unserem online-Archiv

Makerfest: Das ist doch ein Kinderspiel

Das „Makerfest“ wird zwei Mal jährlich von dem „Service National de la Jeunesse“ (SNJ) und dem „Service de Coordination de la Recherche et de l'Innovation pédagogiques et technologiques“ (Script) organisiert.

Makerfest: Das ist doch ein Kinderspiel

Das „Makerfest“ wird zwei Mal jährlich von dem „Service National de la Jeunesse“ (SNJ) und dem „Service de Coordination de la Recherche et de l'Innovation pédagogiques et technologiques“ (Script) organisiert.
Foto: Anouk Antony
Wirtschaft 35 4 Min. 12.12.2017 Aus unserem online-Archiv

Makerfest: Das ist doch ein Kinderspiel

Mara BILO
Mara BILO
In Luxemburg stehen zu wenig qualifizierte Arbeitskräfte zur Verfügung, kritisierte die Handelskammer letzte Woche. Das „Makerfest“ versucht, das Übel bei der Wurzel zu packen und Schüler für Technik zu begeistern.

Eine angeregte Stimmung herrscht an diesem Montagmorgen im Forum Geesseknäppchen in Hollerich. Rund 600 Schüler und Erzieher nehmen dort an den 35 Workshops des „Makerfestes“ teil. Heute, am zweiten und letzten Tag der Veranstaltung, werden noch mal genauso viele Teilnehmer erwartet.

Das „Makerfest“ – vom Englischen „make“, das „machen“ bedeutet – wird zwei Mal jährlich von dem „Service National de la Jeunesse“ (SNJ) und dem „Service de Coordination de la Recherche et de l'Innovation pédagogiques et technologiques“ (Script) organisiert. Die Veranstaltung soll Kindern und Jugendlichen die Gelegenheit geben, digitale Tools zu testen. Zu diesem Zweck werden eine Reihe von Ausstellungen, Workshops und Demonstrationen aus dem Bereich der digitalen Kreativität organisiert. „Wir wollen einen positiven Einstieg in die Technologien ermöglichen“, erklärt Eric Krier, vom SNJ. „Es ist uns wichtig, dass die Kinder Freude und Spaß am Entdecken von Techniken haben. Um uns herum wimmelt es ja nur von elektronischen, mechanischen und Informatikprodukten.“

Louis Goniva (13 Jahre alt), Henri Ahola (14) und Atreyam Sharma (16) interessieren sich für Informatik und nutzen ihre Freizeit, um digitale Tools zu testen. Beim „Makerfest“ bringen sie Altersgenossenen bei, wie man einen Roboter programmieren kann. „Wir haben für diesen Workshop eigens einen Roboter angefertigt, der aus Lego-Teilen besteht. Dank einer einfach zu bedienenden grafischen Benutzeroberfläche können wir ihn dann programmieren“, erklären die drei. „Das „Makerfest“ gibt den Schülern auch die Gelegenheit, sich gegenseitig zu helfen“, kommentiert Krier.

Solche experimentelle Laboratorien gibt es in Luxemburg schon in etwa 20 Sekundarschulen, sowie drei Grundschulen. Knapp zehn Schulen nehmen auch am „Makerfest“ in Hollerich teil und organisieren eigene Ateliers. „Die Veranstaltung gibt Erziehern die Möglichkeit, weitere Einsichten und Inspiration für ihre persönlichen Workshops zu gewinnen“, sagt Krier. „Wir wollen, dass Erzieher und Lehrer sich über ihre Ideen austauschen.“ Danach sollen dann diese Arbeitsmethoden landesweit verbreitet werden.

Förderung der MINT-Fächer

Die Veranstaltung ist offen für Schulklassen, Gruppen aus den Maisons relais und private Besucher. „Alle Altersgruppen sind hier vertreten“, betont Krier. „Es gibt kaum Ateliers, für die man zu jung oder zu alt ist. Lehrer und Erzieher dürfen zuschauen, aber die Kinder sind diejenigen, die heute in den unterschiedlichen Ateliers anpacken müssen.“

Die Abschlüsse in einer MINT-Fachrichtung, das heißt Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, sind seltener als in anderen Fächern, laut Indikatoren der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). In Luxemburg waren es 2014 sogar weniger als 20 Prozent. Damit liegt das Großherzogtum weit unter dem OECD-Durchschnitt von 27 Prozent.

Weniger als 20 Prozent der Schüler in Luxemburg entscheiden sich für einen Beruf in einem MINT-Bereich.

Diese Feststellung macht auch Krier: „Im Vergleich zu anderen Ländern, wenden sich wenige Kinder in Luxemburg technischen Berufen zu.“ Laut OECD liegt die Beschäftigungsquote der Absolventen von MINT-Fachrichtungen im Allgemeinen höher als bei Absolventen der Geisteswissenschaften, Künsten, Sozialwissenschaften, Journalistik und Informationswissenschaft. So deckt sich die Wahl der Studenten nicht mit der Nachfrage des Arbeitsmarkts. In diesem Kontext versucht das „Makerfest“, die Kinder und Jugendlichen spielerisch für solche Berufszweige zu sensibilisieren. Die Veranstaltung bietet eine Orientierungshilfe für Kinder und Jugendliche bei der Planung ihrer weiteren Schullaufbahn an. „Es nehmen hier auch viele Jugendliche teil, die sich nicht unbedingt sicher sind, in welcher Berufsbranche sie später arbeiten wollen“, erklärt Krier. „Aber auch diejenigen, die später nicht Programmierer werden wollen, sollen die Möglichkeit haben, zu verstehen, wie unterschiedliche Bereiche zusammenwirken und wie man das enorme Potenzial der digitalen Tools im Berufsleben nutzen kann.“

Das Interesse an den MINT-Fachrichtungen nimmt allerdings in den vergangenen Jahren zu, so die OECD. Das scheint die junge Besucherschaft des „Makerfestes“ zu bestätigen.

Gegen Vorurteile ankämpfen

Frauen sind in den MINT-Bereichen nur schwach betreten und in den Bereichen Bildung, Kunst, Geisteswissenschaften, Sozialwissenschaften, Journalismus, Informationswissenschaften, Gesundheit und Wohlergehen überrepräsentiert, zeigen Angaben der OECD. Das ist im „Makerfest“ anders. „Es sind sehr viele Mädchen dabei. Über die Hälfte unserer Teilnehmer sind Mädchen“, sagt Christian Moll, der einen der Workshops leitet.

Das „Makerfest“ versucht, festgelegte Vorurteile aufzuräumen, bestätigt Krier. „Die Trennung zwischen den Berufsbereichen, die traditionell Männern vorbehalten werden, und den Berufsbereichen, die Frauen vorbehalten werden, sollte es nicht mehr geben. Im Gegenteil! Wir haben festgestellt, dass Mädchen viel schneller verstehen, welche Aufgaben durchzuführen sind, und dass sie viel schneller technische Rätsel lösen können“, betont Krier. Besonders im Grundschulalter sei es wichtig, Mädchen dazu zu ermutigen, sich mit technischen Tools zu beschäftigen, weil es diese Trennung noch nicht gäbe, sagt er weiter. „Wir hoffen wirklich, dass wir über die Jahre eine Veränderung sehen werden.“

Einer der 35 Workshops beschäftigt sich auch nur damit, auf die Repräsentation der Mädchen in solchen Berufsbranchen aufmerksam zu machen. Die Initiative „Girls in Digital“ – Mädchen im Digitalen –, die von der Nichtregierungsorganisation „Women in Digital Empowerment“ (WIDE) organisiert wird, ermutigt Frauen, einem Beruf im Bereich der Informationstechnologien nachzugehen.

„Wir arbeiten mit erwachsenen Frauen, aber auch mit jüngeren Mädchen, die noch zur Schule gehen“, erklärt Paula Grzegorzewska. „Wir wollen eine Gemeinschaft aufbauen, die verschiedene Karrieremöglichkeiten in Informationstechnologien entdecken kann. Wir suchen immer nach Teilnehmern, die an unseren Aktivitäten teilnehmen wollen!“


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