Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Macron greift Autobranche mit Milliarden unter die Arme
Wirtschaft 3 Min. 26.05.2020

Macron greift Autobranche mit Milliarden unter die Arme

Ein Renault-Werk in Flins-sur-Seine.

Macron greift Autobranche mit Milliarden unter die Arme

Ein Renault-Werk in Flins-sur-Seine.
Foto: AFP
Wirtschaft 3 Min. 26.05.2020

Macron greift Autobranche mit Milliarden unter die Arme

Die Corona-Krise trifft die Autobranche mit voller Wucht. Frankreich will seine Unternehmen retten und nimmt viel Geld in die Hand. Und Präsident Macron strebt eine Top-Stellung für seine Hersteller in Europa an.

(dpa) - Frankreich will seine Autobranche mit einem Hilfspaket von mehr als acht Milliarden Euro stützen. Davon werde über eine Milliarde Euro fließen, um die wegen der Corona-Krise eingebrochene Nachfrage wieder in Schwung zu bringen. Das kündigte Staatschef Emmanuel Macron am Dienstag nach einem Besuch des Zulieferers Valéo im nordfranzösischen Ort Étaples an.

„Die weltweite Automobilbranche ist in einer tiefen Krise“, resümierte der 42-Jährige. Im Gegenzug für die Unterstützung will er die Branche für eine ökologische Wende in die Pflicht nehmen. Frankreich solle innerhalb von fünf Jahren bei sauberen Fahrzeugen die „führende Herstellernation“ in Europa werden, kündigte er mit Blick auf E-Autos und Hybridfahrzeuge an, die mit Strom und Benzin fahren.


ARCHIV - 07.02.2020, Niedersachsen, Hannover: Ein Schriftzug leuchtet auf einem Verkaufsgeschäft und Service Center des Herstellers für Elektrofahrzeuge, Tesla. Der US-Elektroautobauer Tesla hat das erste Quartal trotz der Corona-Pandemie überraschend mit schwarzen Zahlen abgeschlossen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Trotz Krise: Tesla überrascht mit Quartalsgewinn
Während der Rest der Branche unter der Corona-Krise leidet, geht es für den E-Autobauer bergauf. Die größten Belastungen dürften aber erst noch bevorstehen.

Staatliche Anreize für den Kauf von Neuwagen werden erhöht. So solle die Hilfe für den Kauf eines E-Autos auf 7.000 Euro steigen - bisher sind es 6.000 Euro. Auch das Umsteigen von Alt- auf Neufahrzeuge soll belohnt werden. „Es gibt 400.000 unverkaufte Fahrzeuge“, sagte der Staatschef, der zuvor in Paris mit Branchen- und Gewerkschaftsvertretern zusammengekommen war. Auch in Deutschland wird über zusätzliche Kaufprämien für Autos debattiert.

Macron und die Regierung in Paris stehen unter erheblichem Handlungsdruck. Die Branche beschäftigt im Land rund 400.000 Menschen. Der französische Automarkt war im April wegen der Corona-Krise und der strengen Ausgangsbeschränkungen um knapp 90 Prozent eingebrochen. Es wird mit einer nur langsamen Erholung gerechnet.

Der Staatschef forderte einen nationalen Schulterschluss, um die nach seinen Worten beispiellose Krise zu meistern. Dazu müssten Hersteller, Zulieferer, Staat und Beschäftigte zusammenarbeiten. Es müsse hochwertige Produktion ins Land geholt werden. „Wir alle haben ein einziges Ziel: für Beschäftigung und Industrie im Automobilsektor zu kämpfen, überall in Frankreich.“ Macron wies auch auf den geplanten EU-Wiederaufbauplan hin, der weitere milliardenschwere Hilfen für die kriselnde Branche bringen soll.

Wir alle haben ein einziges Ziel: für Beschäftigung und Industrie im Automobilsektor zu kämpfen, überall in Frankreich.

Emmanuel Macron

In Frankreich macht der Hersteller Renault erhebliche Sorgen - der Konzern braucht einen staatlich garantierten Kredit von fünf Milliarden Euro.

Renault wird sich aber trotz der Probleme der deutsch-französischen Allianz für eine gemeinsame Batteriezellenfertigung anschließen, wie Macron ankündigte. Er hatte zu Jahresbeginn beim Startschuss für eine Pilotfertigung im südfranzösischen Nersac von einem „Airbus der Batterien“ gesprochen. Die Europäer wollen sich damit unabhängiger machen von Lieferanten aus Asien.

Ein Gemeinschaftsunternehmen umfasst bisher den Peugeot-Hersteller PSA, dessen Tochter Opel und Saft - dies ist ein Tochterunternehmen des französischen Energiegiganten Total. Nach früheren Angaben von Opel-Chef Michael Lohscheller wird Deutschlands größtes Werk für Batteriezellen in Kaiserslautern entstehen. Es sollen dort 2.000 Arbeitsplätze geschaffen werden.


28.01.2020, Großbritannien, Dover: Lastwagen stehen am Hafen für Fähren an, während Großbritannien sich darauf auf den Brexit vorbereitet. Großbritannien will am Freitag (31.01.2020) als erstes Land die Europäische Union verlassen. Foto: Gareth Fuller/PA Wire/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
"Gütertransport ist systemrelevant"
Den Spediteuren kommt in der Krise eine wichtige Aufgabe zu - die Situation für Unternehmen und Fahrer bleibt aber schwierig.

Renault wird an diesem Freitag seinen milliardenschweren Sparplan präsentieren, der laut Medien auch Werksschließungen umfassen dürfte. Renault hat sich bisher noch nicht dazu geäußert. Macron verband das grüne Licht für den geplanten Milliardenkredit an den Hersteller mit Zusagen von Renault für zwei Werke in Nordfrankreich.

Am Mittwoch wollen sich Spitzenvertreter der Autoallianz, zu der außer Renault auch die japanischen Hersteller Nissan und Mitsubishi zählen, zur zukünftigen Zusammenarbeit äußern. Das Autobündnis war nach dem Fall von Topmanager Carlos Ghosn in eine schwere Krise geraten. Ghosn war Ende 2018 wegen Vorwürfen in Japan festgenommen worden und später unter dubiosen Umständen in den Libanon geflohen. Die Allianz lag nach früheren Angaben beim Absatz 2019 mit rund zehn Millionen Autos weltweit hinter den Branchenriesen VW und Toyota.

Wie in Japan im Vorfeld verlautete, wollen die drei Konzerne die Idee einer Fusion begraben und sich stattdessen darauf konzentrieren, die Allianz wieder auf Vordermann zu bringen. Auch Nissan geht es nicht gut - am Donnerstag wird der Konzern seine Jahresbilanz vorlegen, und die dürfte düster aussehen. Nissan hatte zuletzt wegen schwacher Verkäufe erstmals seit elf Jahren einen Quartalsverlust eingefahren und bereits im vergangenen Sommer mitgeteilt, 12.500 der rund 140.000 Arbeitsplätze abbauen zu wollen. Nach einem unbestätigten japanischen Medienbericht erwägt Nissan nun, sogar 20.000 Jobs zu streichen. Das Unternehmen trug lange erheblich zu den Gewinnen von Renault bei. Renault schrieb bereits 2019 rote Zahlen.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Carlos Ghosn als Renault-Chef zurückgetreten
Carlos Ghosn galt als einer der schillerndsten Manager der Auto-Branche. Nach zwei Monaten Untersuchungshaft in Japan ist der 64-Jährige nun auch bei Renault in Frankreich nicht mehr zu halten.
(FILES) This file photo taken on September 30, 2014 shows French Renault car maker CEO Carlos Ghosn giving a press conference during the inauguration of a new production plant in Sandouville. - Renault boss Carlos Ghosn has handed in his resignation, France's economy minister said on January 24, 2019 ahead of a board meeting at which the French car maker is to appoint his successor. (Photo by CHARLY TRIBALLEAU / AFP)
Renault: "Absatz um mehr als 40 Prozent steigern"
Renault tritt aufs Gaspedal: Mit seinem neuen Strategieplan bis 2022 gibt Konzernchef Ghosn ambitionierte Wachstumsziele vor. Um sich zu behaupten, setzen die Franzosen auf das Bündnis mit Nissan und Mitsubishi.
Renault-Nissan Chairman and CEO Carlos Ghosn looks on during a press confrence on the Renault strategic plan "Drive the Future 2017-2022", at la Defense business district, in Paris, on October 6, 2017. / AFP PHOTO / ERIC PIERMONT