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Luxleaks: Zweifel an Ermittlungen gegen Halet
Wirtschaft 1 2 Min. 14.10.2016 Aus unserem online-Archiv

Luxleaks: Zweifel an Ermittlungen gegen Halet

Der Ex-PWC-Mitarbeiter Raphaël Halet ist einer der drei Angeklagten im Luxleaks-Prozess.

Luxleaks: Zweifel an Ermittlungen gegen Halet

Der Ex-PWC-Mitarbeiter Raphaël Halet ist einer der drei Angeklagten im Luxleaks-Prozess.
Premières Lignes
Wirtschaft 1 2 Min. 14.10.2016 Aus unserem online-Archiv

Luxleaks: Zweifel an Ermittlungen gegen Halet

Laurent SCHMIT
Laurent SCHMIT
Ein Bericht auf France 2 wirft neue Fragen auf zum Vorgehen von PWC gegen seinen damaligen Mitarbeiter Raphaël Halet. Möglicherweise kam es zu Verfahrensfehlern auf Seiten der französischen Polizei und Justiz.

(las) - Die französische Gendarmerie hat laut der Fernsehsendung "Envoyé Spécial" interne Ermittlungen im Kontext der Hausdurchsuchung beim damaligen PWC-Mitarbeiter Raphaël Halet angestoßen. Dieser hatte 16 Steuererklärungen von internationalen Konzernen an den Journalisten Edouard Perrin weitergegeben.

Die Inspection Générale de la Gendarmerie Nationale (IGGN) untersuche die Umstände der Hausdurchsuchung. Laut "Envoyé Spécial" haben die Polizisten Raphaël Halet unter falschen Vorwänden zu seinem Haus gelockt, obwohl er im Krankenhaus lag.

Mögliche Verfahrensfehler

Eine Richterin am "Tribunal de Grande Instance" in Metz hatte PWC erlaubt, alle Computer und Smartphones in Halets Besitz und darauf gespeicherte E-Mails zu beschlagnahmen. Die bei der Beschlagnahmung anwesenden PWC-Vertreter - darunter ein IT-Experte - erhielten damit den Beweis, dass Raphaël Halet eine Quelle der Luxleaks-Dokumente war.

Die Polizisten hätten dabei ihre Kompetenzen überschritten, lautet der Anfangsverdacht der IGGN. Dazu kommt, dass die richterliche Anordnung explizit Korrespondenz mit einem Journalisten erwähnt. Das werfe Fragen auf zur Rechtmäßigkeit des Vorgehens, denn damit wurde der Quellenschutz ausgehebelt, so "Envoyé Spécial". 

PWC nutzte die Informationen, um Halet mit einer Schadensersatzforderung von 10 Millionen Euro unter Druck zu setzen. Halet unterschrieb daraufhin am 2. Dezember 2014 einen Text, in dem er PWC seine Kooperation bei der Aufklärung und komplette Verschwiegenheit zusicherte.

Ein Porträt von Raphaël Halet

Am 13. Oktober sendete "Envoyé Spécial" auf France 2 ein umfassendes Porträt des Whistleblowers. Bisher stand vor allem der andere Ex-PWC-Mitarbeiter Antoine Deltour im Rampenlicht der Medien.

Es sei die Geschichte über den Journalisten Edouard Perrin und seine Quelle Raphaël Halet, erzählte der Journalist Benoît Bringer auf France Inter. Im Mai 2012 sendete "Cash Investigations" den ersten Bericht von Perrin über die Steuertricksereien internationaler Konzerne. Raphaël Halet verstand über diesen Weg, welchen Zweck die Dokumente hatten, die er täglich bei PWC scannte und organisierte. Ende Mai kontaktierte Halet den französischen Journalisten Perrin zum ersten Mal.

Das Porträt eines "ganz gewöhnlichen Franzosen", der Teil einer großen Geschichte war - das ist das Ziel des Journalisten Benoît Bringer. Jemand, der empört war, von dem was er erlebte und unter großen Risiko etwas daran ändern wollt.

Benoît Bringer arbeitet genau wie Edouard Perrin für die Produktionsfirma "Premières Lignes". Da er nicht an den Recherche Perrins beteiligt gewesen sei, habe er dennoch einen Blick von außen, sagte Bringer France Inter.

Zweiter Luxleaks-Prozess im Dezember

Der Berufungsprozess wird voraussichtlich zwischen dem 12. und dem 21. Dezember stattfinden. Die angeklagten Ex-PWC-Mitarbeiter Antoine Deltour und Raphaël Halet hatten Einspruch gegen das Urteil vom 29. Juni in erster Instanz erhoben. Anfang August legte der Staatsanwalt generell Berufung ein.

Somit wird im Dezember auch über das Vorgehens Perrins geurteilt, der im ersten Urteil freigesprochen worden war. Deltour und Halet waren im Juni zu Haftstrafen von jeweils zwölf und neun Monaten mit Bewährung verurteilt worden.


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