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Luxenergie: Mit Holz den Kirchberg heizen
Wirtschaft 4 Min. 29.09.2017

Luxenergie: Mit Holz den Kirchberg heizen

22.000 Tonnen CO2 jährlich spart das Biomasse-Kraftwerk ein.

Luxenergie: Mit Holz den Kirchberg heizen

22.000 Tonnen CO2 jährlich spart das Biomasse-Kraftwerk ein.
Foto: Gerry Huberty
Wirtschaft 4 Min. 29.09.2017

Luxenergie: Mit Holz den Kirchberg heizen

Laurent SCHMIT
Laurent SCHMIT
Holzpellets werden zur Hauptenergiequelle des Wärmenetzes in Kirchberg. 22.000 Tonnen CO2 werden mit der neuen Anlage eingespart. Doch langfristig ist das Potenzial der Biomasse begrenzt, um die erneuerbare Energie voranzubringen.

Von Laurent Schmit

Mit seinen vier Schornsteinen und der Betonfassade ist es eines der nüchternsten Gebäude in Kirchberg, aber dennoch eines der wichtigsten: Das Heizkraftwerk von Luxenergie sorgt für wohlige Wärme beim Konzert in der Philharmonie und der gemütlichen Schwimmrunde in der Coque.

Aber nicht nur das: Das Fernwärmenetz versorgt von der Nummer 23 an der Avenue John F. Kennedy einen Großteil der Gebäude im Viertel mit jährlich 76.000 Megawattstunden Wärme pro Jahr. Quasi nebenbei produziert es auch noch 22.400 Megawattstunden Strom pro Jahr.

Dabei wäre es fast ganz anders gekommen. Ende der 1980er Jahre war ein Kohlekraftwerk in Dommeldingen geplant, um den Kirchberg mit Energie zu versorgen, erzählte der Verwaltungsratspräsident Romain Becker 2010. Luxenergie entschied sich schließlich doch für Blockheizkraftwerke, die mit Erdgas betrieben wurden. 2002 ging das heutige zentrale Kraftwerk an der Hauptachse in Betrieb. „Diese Wärme-Kraft-Kopplung wurde damals vom Staat bezuschusst“, erzählt der Administrateur-délégué von Luxenergie Paul Weis. Zwar sei diese Form der Energieproduktion sehr effizient, aber stoße dennoch hohe Mengen an CO2 aus, so Weis weiter.

Der neue Ofen, der pro Stunde knapp drei Tonnen Holzpellets verbrennt.
Der neue Ofen, der pro Stunde knapp drei Tonnen Holzpellets verbrennt.
Foto: Gerry Huberty

„Es ist möglich“

Unter dem neuen Wirtschafts- und Energieminister Etienne Schneider änderten 2012 die Bedingungen: Wärme-Kraft-Kopplung wird seitdem nur noch gefördert, wenn dazu erneuerbare Energie verwendet wird, in den meisten Fällen Biomasse. „Diese Anlage zeigt, dass es möglich ist“, rechtfertigte Schneider gestern bei der Einweihung seine damalige Entscheidung. Es helfe, das Ziel von 11 Prozent an erneuerbarer Energie bis 2020 zu erreichen, zu dem sich Luxemburg verpflichtet habe, so der Minister. „Wir werden dieses Ziel sicher erfüllen und sind bereits dabei über 2020 hinaus zu planen“, betonte er.

Bei Luxenergie hat man sich mit dem Ende der Förderung von Gas-Blockheizkraftwerken noch nicht ganz abgefunden. Die Regierung solle sich das noch einmal überlegen, meinte der Verwaltungsratspräsident Romain Becker. Tatsächlich liefert der Pelletofen nur die nötige Energie, um die Grundlast zu decken. Gasbetriebene Blockheizkraftwerke und Gasbrenner springen zu Stoßzeiten ein – etwa im Winter.

Deutlich über 50 Prozent der künftig produzierten Energie kommt von den in Roost produzierten Pellets, betonen die Verantwortlichen. Das kommt auch dem Kunden, sprich der Stad Luxemburg entgegen, die das Wärmenetz betreibt. „Das neue Kraftwerk passt zu unseren Bemühungen, bis 2030 die CO2-Emissionen der Stadt um 40 Prozent zu senken, erklärte Bürgermeisterin Lydie Polfer.

Die Anlage ist nun ausgelegt, um auch die noch im Ausbauplan vorgesehenen Gebäude auf dem Kirchberg mit Wärme beliefern zu können, betont Weis.

Investition von 21 Millionen Euro

In Kirchberg investierte Luxenergie 21 Millionen Euro in die Erweiterung der Biomasseanlage. Dafür erhielt das Unternehmen einen staatlichen Zuschuss. Für jede mit den Holzpellets produzierte Strom- und Wärmeeinheit fließt weiteres Geld.

Die Pläne von Luxenergie begrenzen sich allerdings nicht auf den Kirchberg, auch wenn es ein Meilenstein in der Geschichte des Unternehmens sei, wie Becker betonte. Weitere mit Biomasse betriebene Wärmekraftwerke sind in Bettemburg, Niederkorn und Rodange geplant, so Weis. Bis 2020 seien zusätzlich zwei Projekte in Vorbereitung. In vielen Fällen geht es dabei um ein zentrales Kraftwerk, das neu entstehende Wohnviertel mit Wärme versorgt – statt dass jedes einzelne Haus eine eigene Heizung hat.

Das war die Herausforderung, als Luxenergie um 1990 in Kirchberg begann: „Jede Bank wollte ihre eigene Heizung“, erzählt Becker. Nur langsam habe man die Kunden überzeugen können.

Energieholz hat seine Grenzen

Ein Viertel des hierzulande geschlagenen Holzes wird zur Energiegewinnung genutzt, erklärt der Manager des „Wood Clusters“ von Luxinnovation, Philippe Genot. Ein weiteres Viertel gilt als Qualitätsholz, das etwa im Bauwesen zum Einsatz kommt. Die restliche Hälfte ist sogenanntes Industrieholz, das für Spanplatten oder die Papierproduktion genutzt werde.

Das Spannende: Der Anteil des Energieholzes lag vor zehn Jahren bei lediglich zehn Prozent, erklärt Genot. Zu einem Boom trugen mehrere Faktoren bei. Einerseits wurde der Holzofen in Privathäusern wieder attraktiver zu Zeiten von hohen Ölpreisen. Der Staat machte bei den Gemeinden viel Werbung, damit diese Hackschnitzelanlagen einrichten.

Dazu kommen die größeren Anlagen: Luxenergie startete 2006 mit einer ersten Biomasseanlage in Erpeldingen. Kiowatt eröffnete 2012 in Roost eine Anlage mit 14 Megawatt Gesamtleistung. Kronospan betreibt ein Kraftwerk mit einer Gesamtleistung von 40 Megawatt. Kiowatt und Kronospan befeuern ihre Anlagen jeweils mit Altholz oder Holzabfällen aus der Produktion.

Das Kraftwerk in Kirchberg wird dagegen mit jährlich 22 000 Tonnen an Holzpellets gespeist. Luxenergie bezieht die kleinen, gepressten Stäbchen von Kiowatt. Der Rohstoff sind Sägemehl und Hackschnitzel, die bei der Durchforstung anfallen. Das Holz stammt ursprünglich aus Wäldern Luxemburgs und der Grenzregion, betont der Administrateur-délégué von Luxenergie Paul Weis. Luxenergie hält 50 Prozent der Anteile von Kiowatt, die andere Hälfte kontrolliert das belgische Unternehmen Groupe François.

as Kraftwerk in Kirchberg wird einen hohen Anteil der Pelletproduktion von Kiowatt verschlingen: 22.000 von insgesamt 55.000 Tonnen. Es werde schwierig, mehr Pellets mit lokalem Holz zu produzieren, meint Weis. Doch trotz des neuen Kraftwerks bleibe ein großer Spielraum für weitere Anlagen, so Weis weiter.

Viele Wälder liegen in Hanglagen in denen die Nutzung selten wirtschaftlich ist. Auch abseits der Pelletproduktion sieht die Verwaltung mittlerweile davon ab, den Anteil des Energieholzes weiter zu erhöhen. „Der Markt soll sich bestenfalls nahe den heutigen Verhältnissen stabilisieren“, meint Philippe Genot. Ansonsten bestehe das Risiko, dass der Druck auf die Wälder zu hoch werde, warnt der Forstexperte.