Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Luxemburger will Lotus auf Touren bringen
Wirtschaft 6 Min. 13.04.2015 Aus unserem online-Archiv
Interview mit CEO Jean-Marc Gales

Luxemburger will Lotus auf Touren bringen

Interview mit CEO Jean-Marc Gales

Luxemburger will Lotus auf Touren bringen

Wirtschaft 6 Min. 13.04.2015 Aus unserem online-Archiv
Interview mit CEO Jean-Marc Gales

Luxemburger will Lotus auf Touren bringen

Der Autobauer Lotus ist bekannt für seine rasanten und puristischen Sportwagen, aber auch für seine Millionendefizite. Seit knapp einem Jahr sitzt der 52-jährige Jean-Marc Gales am Steuer der britischen Edelschmiede.

Von Andreas Adam

Der Autobauer Lotus aus Hethel in der englischen Grafschaft Norfolk ist bekannt für seine rasanten und puristischen Sportwagen, aber auch für seine Millionendefizite. Seit knapp einem Jahr sitzt der 52-jährige Luxemburger Jean-Marc Gales am Steuer der britischen Edelschmiede. In den kommenden Jahren soll er das Unternehmen profitabel machen.

Herr Gales, Großbritanniens Autoindustrie erlebt eine Renaissance, wie sie vor Jahren kaum jemand für möglich gehalten hätte. Was lief früher falsch, und was wird jetzt anders gemacht?

Jean-Marc Gales: "Wir haben uns vorgenommen, dass wir im Finanzjahr 2016, das am 1. April 2015 begonnen hat, einen positiven Cash-Flow schreiben, und im Finanzjahr 2017, das am 1. April 2016 beginnt, wollen wir profitabel werden."
Jean-Marc Gales: "Wir haben uns vorgenommen, dass wir im Finanzjahr 2016, das am 1. April 2015 begonnen hat, einen positiven Cash-Flow schreiben, und im Finanzjahr 2017, das am 1. April 2016 beginnt, wollen wir profitabel werden."
Foto: Lotus

Es gab einige Dinge, die da falsch liefen, nehmen sie z. B. den sehr starken Einfluss der britischen Gewerkschaften in den siebziger und achtziger Jahren. Auch gab es den Versuch, die englischen Marken unter einem Dach zu bündeln, was British Leyland hieß. Die Synergien waren damals jedoch sehr bescheiden. Was immer blieb, ist die hohe Attraktivität der hiesigen Marken, und das war es auch, was Investoren wie z. B. Tata oder BMW und Volkswagen angezogen hat. Außerdem sind die englischen Arbeitskräfte hervorragend ausgebildet. Die Basis war also immer vorhanden. Ein gutes Gefühl für Design und Markenpflege haben die Engländer auch immer gehabt. Kombiniert mit Investitionen aus Indien, aus Deutschland, aus Japan und mit der doch sehr stringenten Art und Weise, wie in diesen Ländern Automobilprogramme durchgezogen werden, führte das zum Erfolg. Was auch geholfen hat, ist, dass wir es hier mit Premiummarken zu tun haben. Da ist es einfacher, einen höheren Preis zu verlangen und das ganze zum Erfolg zu führen. Nichtsdestotrotz ist diese Renaissance bemerkenswert.

Nach Stationen bei VW, Fiat, GM, Daimler und PSA sind Sie seit Mai 2014 CEO der Automarke Lotus, die sich im Besitz von Proton bzw. DRB-Hicom aus Malaysia befindet. Inwiefern ist Lotus typisch für die britische Autoindustrie?

Lotus ist für mich immer noch die typischste britische Automarke.

Lotus ist für mich immer noch die typischste britische Automarke, weil wir Fahrzeuge herstellen, in denen man relativ wenige Komponenten unserer Muttergesellschaft findet. Wenn sie dagegen einen Bentley nehmen oder einen Rolls Royce, da werden sie VW-Teile bzw. BMW-Teile finden. Bei uns gibt es relativ wenige Proton-Komponenten, weil unsere Fahrzeuge doch sehr unterschiedlich sind. Allerdings werden wir auch Synergien schaffen müssen. Das ist ganz klar. Aber unsere Fahrzeuge stehen für den klassischen, typischen, englischen Sportwagen. Wir haben nur eine einzige Produktionsstätte. Die ist in England, und wir haben auch die komplette Entwicklung hier in England, in Norfolk.

Lotus konnte im Finanzjahr 2014 sein Minus auf gut 70 Millionen Pfund halbieren. Das war noch vor ihrem Eintreffen. Warum verliert Lotus soviel Geld? Mit welchem Ergebnis rechnen Sie zum Ende des Finanzjahres 2015?

Wir bauen also inzwischen mit weniger Mitarbeitern mehr Autos.

Lotus verliert zu viel Geld und hat zu viel Geld in der Vergangenheit verloren, weil wir – vereinfacht ausgedrückt – zu wenige Autos verkauft und zu viel Geld für die Entwicklung und Herstellung dieser Fahrzeuge ausgegeben haben. Wir haben im Finanzjahr 2014, das bis zum 31. März 2014 dauerte, 1296 Autos verkauft, und wir hatten gut 1 200 Mitarbeiter an Bord. Das konnte auf Dauer nicht gut gehen. Daher haben wir zwei Dinge getan: Erst einmal mehr Autos verkauft. Im Finanzjahr 2015, das am 31. März 2015 endete, waren es mehr als 2 000 Fahrzeuge. Gleichzeitig wurden die Kosten der Fahrzeuge um zehn Prozent gesenkt. Wir haben die Belegschaft um 260 Mitarbeiter reduziert. Wir bauen also inzwischen mit weniger Mitarbeitern mehr Autos. Wir haben die Anzahl der Händler weltweit gesteigert. Es sind heute 36 mehr als im Mai 2014. Damals hatten wir keinen Händler in Paris, keinen in London, keinen in Abu Dhabi, keinen in Monaco, keinen in Hamburg, keinen in Berlin. In all diesen Städten gibt es heute einen Lotus-Händler. Deshalb sind wir auch zuversichtlich, dass wir das Ergebnis dieses Jahr deutlich verbessern können. Wir haben uns vorgenommen, dass wir im Finanzjahr 2016, das am 1. April 2015 begonnen hat, einen positiven Cash-Flow schreiben, und im Finanzjahr 2017, das am 1. April 2016 beginnt, wollen wir profitabel werden.

Und im kürzlich beendeten Finanzjahr 2015? Wenn Sie erst in Zukunft von positiven Ergebnissen ausgehen, wird es 2015 wohl noch im negativen Bereich bleiben, oder?

Die Ergebnisse des kürzlich beendeten Finanzjahres 2015 werden zum Ende dieses Kalenderjahres veröffentlicht. Ich kann es derzeit leider noch nicht genau beziffern. Wir gehen davon aus, dass 2015 noch negativ sein wird, aber dennoch bereits deutlich besser als das letzte Jahr ausfallen wird. Im Finanzjahr 2016 wollen wir über 3 000 Autos verkaufen. 2017 werden wir versuchen, bei über 3 000 zu bleiben.

Als Sie ein halbes Jahr im Amt waren, wurden bei Lotus bereits Arbeitsplätze abgebaut. Wie soll sich die Mitarbeiterzahl weiter entwickeln?

Wir haben derzeit 975 Mitarbeiter. In den nächsten Monaten werden wir in der Produktion weitere 150 Mitarbeiter aufbauen, um die Zahl der Fahrzeuge von 2 000 auf 3 000 steigern zu können. Das sind natürlich andere Mitarbeiter als die zuvor abgebauten. Abgebaut wurde im Verwaltungs-, Engineering- und Designbereich. Wir bauen jetzt in der Produktion auf.

Welche Modellpolitik verfolgen Sie bei Lotus?

Ein Lotus soll immer, wenn es darum geht von A nach B zu kommen, das schnellste Fahrzeug sein – in seiner Preisklasse. Jeder zukünftige Lotus der herauskommt – das haben wir mit dem neuen Evora bewiesen – wird leichter sein und schneller. Der Evora hat nun 400 statt 345 PS und wiegt 22 Kilo weniger. Genau das werden wir mit den anderen Fahrzeugen machen. In den nächsten Monaten und Jahren werden sehr viele Neuigkeiten von Lotus kommen. Wir werden den Exige überarbeiten und auch den Elise. Und wir planen noch einige Überraschungen. Alle diese Fahrzeuge werden von der Fahrdynamik in ihrer Klasse absolut einzigartig sein. Andererseits arbeiten wir auch daran, das tägliche Leben mit diesen Autos zu vereinfachen, wie z. B. ein einfacherer Ein- und Ausstieg. Im Evora wird es nun ein Heizungs- und Klimatisierungssystem geben, das zu den besten seiner Klasse gehört. Ein Lotus benötigt dies nicht unbedingt, aber viele unserer Kunden wünschen das.

Könnte Porsche ein Vorbild für Lotus sein? Die Stuttgarter haben ihr Produktportfolio um SUVs, 4-Türer Coupés und sogar Dieselaggregate erweitert. Einige sprechen von Sakrileg, aber der Erfolg gibt der Firma irgendwie recht.

Unsere Sportwagen werden immer das bleiben, was sie sind.

Unsere Sportwagen werden immer das bleiben, was sie sind. Sie werden puristisch bleiben, dabei schneller und leichter werden. Das ist unsere Marken-DNA. Daher werde ich nicht irgendwelche Optionen oder Themen einführen, die für das schnelle Fahren nicht unbedingt notwendig sind. Wir denken allerdings über ein SUV nach. Weshalb? Weil es weltweit ein großer Markt ist. Weltweit. Weil es ein sehr stark wachsender Markt ist und weil es ein Markt ist, der zur Marke Lotus passen würde. In dem Sinne, dass es bisher noch kein leichtes und puristisches SUV gibt. Wenn wir ein SUV bauen würden, dann wäre es leichter und schneller als andere. Innerhalb der kommenden 12 Monate werden wir sicherlich eine Entscheidung darüber treffen.

Wie macht sich der Einfluss der malaysischen Eigentümer bei Proton bemerkbar? Welche Vorgaben haben Sie? Gibt es gemeinsame Produkte, Technologietransfers, positive Skaleneffekte?

Wir haben natürlich ganz klare finanztechnische Vorgaben, die jeder Shareholder macht, wie den positiven Cash-Flow für 2016 und die Profitabilität im Finanzjahr 2017. Der Produktplan, den ich vor acht Monaten vorgelegt habe, hat man eindeutig befürwortet. Dass also Lotus weiterhin eine englische Marke bleibt mit leichten, fahraktiven Fahrzeugen, die hier gebaut werden. Da lässt man mir freie Hand. Auf der anderen Seite ist Proton natürlich auch ein Autohersteller. Und es gibt Komponenten, die interessant sind für uns, weil es Skaleneffekte gibt. Weshalb sollte ich z. B. für einfache Teile wie einen Motorhaubendämpfer zehn oder 15 Pfund zahlen, wenn ich ihn über Proton für 5,5 Pfund bekommen kann? Da macht sich der Einfluss dann positiv bemerkbar. Genauso wie sie in einem Lamborghini eben auch Volkswagenteile finden, finden sie dann nachher im Lotus auch Protonteile, die aber unseren Markenkern nicht betreffen und ihn nicht beschädigen.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Der Luxemburger Lotus-Geschäftsführer verrät im deutschen Automobilmagazin Auto Motor und Sport, welche Autos er am liebsten fährt.
Mit Lotus verfolgt Jean-Marc Gales auch das Ziel, dass "die Autos zu Klassikern werden".
Interview mit CEO Jean-Marc Gales
Um die britische Sportwagenschmiede Lotus stand es vor zwei Jahren nicht zum Besten, als der Luxemburger Jean-Marc Gales das Steuer übernahm. Sein Ziel ist es, Lotus endlich profitabel zu machen.
Der Luxemburger Jean-Marc Gales kann auf eine fast 30-jährige Karriere in der Autoindustrie zurückblicken. Nach Stationen bei VW, Fiat, GM, 
Daimler und PSA ist er seit Mai 2014 CEO der Sportwagenschmiede Lotus des malaysischen Konzerns DRB-Hicom/Proton.
Der japanische Autoriese Toyota muss erneut massenweise Autos in die Werkstätten zurückrufen. In Europa sollen 1,2 Millionen Autos betroffen sein. Ursache ist ein defektes Modul für die Fensterheber.