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Luxemburger müssen mehr für Strom und Gas zahlen
Wirtschaft 3 Min. 15.10.2019

Luxemburger müssen mehr für Strom und Gas zahlen

In das Luxemburger Stromnetz muss investiert werden.

Luxemburger müssen mehr für Strom und Gas zahlen

In das Luxemburger Stromnetz muss investiert werden.
Foto: Gerry Huberty
Wirtschaft 3 Min. 15.10.2019

Luxemburger müssen mehr für Strom und Gas zahlen

Marco MENG
Marco MENG
Ökostromproduktion im Großherzogtum deckt erstmals mehr als zehn Prozent des nationalen Bedarfs.

Zum ersten Mal deckt die erneuerbare Stromproduktion in Luxemburg mehr als zehn Prozent des nationalen Stromverbrauchs. Das teilte das Institut luxembourgeois de régulation (ILR) am Montag bei der Vorlage des Jahresberichts über die Entwicklung des Strom- und Gasmarkts des Landes mit. 

Das gesteckte Ziel für 2020 von elf Prozent erneuerbarer heimischer Energieproduktion am nationalen Verbrauch ist also in greifbarer Nähe. Und das, obwohl der Konsum ebenfalls über die letzten Jahre hinweg angezogen hat: von 6 300 Gigawattstunden 2014 auf 6 600 im letzten Jahr.

Rund 13 Prozent des Stromverbrauchs entfallen auf Privathaushalte und etwa 60 Prozent auf die Industrie, der Rest auf die übrige Wirtschaft und Verwaltung. Sowohl die Erzeugung von Strom aus Wind- und Solarkraft als auch aus Biomasse wurde 2018 gesteigert, alles in allem um 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 

Von 2014 mit 392 Gigawattstunden, so Claude Hornick, Chef de Service für den Energiebereich beim ILR, nahm die erneuerbare Energieproduktion im Land demzufolge im vergangenen Jahr auf 688 Gigawattstunden zu. 


Wi , Inauguration Installation Photovoltaique , centre de Tri Poste , Bettemburg , Sonnenenergie , Photovoltaik , eneuerbare energie , Foto: Guy Jallay/Luxemburger Wort
Energie vom eigenen Dach
Enovos und Post Luxembourg haben am Freitag die neue Photovoltaikanlage des Verteilungszentrums in Bettemburg eingeweiht.

 Insgesamt deckt Luxemburg 15 Prozent seines Stromverbrauchs durch Eigenproduktion, der Rest wird überwiegend aus Deutschland (63 Prozent, rund 4 130 Gigawattstunden) ins Creos-Netz eingespeist. Aus Belgien kamen 2018 etwa 386 Gigawattstunden Strom, während umgekehrt dorthin 147 Gigawattstunden exportiert wurden. Aus Frankreich kamen 1 300 Gigawattstunden. 

Der gesamte Stromverbrauch im Land wird laut ILR zu 75 Prozent durch erneuerbare Energiequellen gedeckt. 

Preise gestiegen

Die Behörde stellt in ihrer Analyse des Strom- und Gasmarktes fest, dass für Privathaushalte insgesamt der Strompreis im letzten Jahr um fünf Prozent gegenüber 2017 gestiegen ist, der Preis für Gas um sechs Prozent

Umgekehrt für Unternehmen: Sie zahlten 2018 fünf Prozent mehr für Gas und sechs Prozent mehr für Elektrizität. Konsumenten können sparen Der Strompreis setzt sich aus den Komponenten Netztarife, Steuern und vom Lieferanten bestimmten variablen Preis zusammen. Letzterer ist von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich und bietet laut ILR für die Konsumenten Einsparpotenzial. 

Privathaushalte können dazu das Vergleichstool „calculix.lu“ nutzen. Bemerkenswert ist, dass der von Lieferanten abhängige variable Faktor des Preises sowohl bei Strom wie auch bei Gas für Luxemburger Unternehmen sich zuletzt ungünstig entwickelte und höher ist als in Belgien und Deutschland. Der variable Teil der Kosten macht bei Strom 45 Prozent, bei Gas 70 Prozent des Gesamtpreises aus. 

"Angebot und Nachfrage müssen intelligenter aufeinander abgestimmt werden".
"Angebot und Nachfrage müssen intelligenter aufeinander abgestimmt werden".
Lux Tapella, Direktor des ILR

 Durch niedrigere Netzgebühren und Steuern bleiben die Gesamtstromkosten für Betriebe in Luxemburg aber weiterhin unter den Preisen der Nachbarländer. Dennoch lohne, wie das ILR hinweist, ein Preisvergleich der verschiedenen Anbieter. Im Vergleich zu anderen Ländern wechselten letzten Jahr nur einer von Tausend Luxemburgern den Stromanbieter. Im EU-Durchschnitt beträgt die Wechselrate mehr als sieben Prozent. 

Während das Sparpotenzial im Gegensatz zum Ausland für Luxemburger Haushalte eher marginal ist – etwa hundert Euro im Jahr für einen Vier-Personen-Haushalt, wie Luc Tapella, Direktor des ILR, sagt – so können die Unternehmen durchaus zusammen einen zweistelligen Millionenbetrag einsparen. 

Investitionen in Infrastruktur 

 Der Stromverbrauch im Land wird, nicht zuletzt wegen der Elektromobilität, steigen, so das ILR. Um die Netzstabilität bei steigendem Bedarf zu gewährleisten, muss investiert werden. Damit es nicht dazu kommt, dass die Elektrizitätsinfrastruktur überlastet wird, wenn alle abends ihr Elektroauto aufladen wollen, bedarf es intelligenter Netze – und einer engeren Abstimmung von Angebot und Nachfrage aufeinander. 

 „Bislang war es so“, sagt Tapella, „dass die Stromproduktion sich nach dem Verbrauch richtete. In Zukunft muss es so sein, dass vor allem dann Strom verbraucht wird, wenn er da ist.“ Sofern das möglich ist. Ausbau der Netze bedeute aber nicht, dass doppelt so viele Strommasten nötig seien, meint Tapella.

Netzausbau heiße vielmehr intelligentere Netze und intelligenteren Stromverbrauch. Dabei helfen sollen die intelligenten Strom- und Gaszähler, die in Luxemburg laut Gesetz bald eine Quote von 95 respektive 90 Prozent erreichen sollen. Sie übermitteln allerdings noch nicht alle notwendigen Daten, so das ILR. 

Wenn nun aber tatsächlich der Gebrauch von Elektroautos in Luxemburg rasant ansteigt und dadurch der Strombedarf, wird dann nicht auch infolgedessen der Strompreis zulegen? Der hiesige Strombedarf bleibt gemessen am Gesamtmarkt gering, so das ILR, was heißt, der Luxemburger Bedarf allein wirkt sich auf den Strompreis an den Börsen kaum aus. 


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