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Luxemburger Gesellschaft in Finanzskandal involviert
Wirtschaft 19.02.2018

Luxemburger Gesellschaft in Finanzskandal involviert

Die CSSF hat sämtliche Auszahlungen der ABLV-Bank Luxemburg untersagt.

Luxemburger Gesellschaft in Finanzskandal involviert

Die CSSF hat sämtliche Auszahlungen der ABLV-Bank Luxemburg untersagt.
Foto: Lex Kleren
Wirtschaft 19.02.2018

Luxemburger Gesellschaft in Finanzskandal involviert

Pol SCHOCK
Pol SCHOCK
Der Zentralbankchef Lettlands ist festgenommen worden. Gleichzeitig steht die drittgrößte Bank mit Ableger in Luxemburg wegen unsauberer Praktiken unter Verdacht. Ein Zusammenhang besteht wohl nicht.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die lettische Bankenaufsicht aufgefordert, sämtliche Auszahlungen der ABLV-Bank zu untersagen. Die drittgrößte Bank Lettlands, die auch seit 2012 eine Tochtergesellschaft in Luxemburg führt, steht im Zentrum eines Geldwäsche-Skandals. Die USA werfen dem Institut vor, ihren Kunden zu ermöglichen, die Sanktionen der Vereinten Nationen gegen Nordkorea zu unterlaufen. Die CSSF, die Luxemburger Finanzaufsichtsbehörde, hat bereits reagiert und sämtliche Zahlungen der ABLV-Bank Luxemburg untersagt, wie sie in einem Schreiben mitteilt.

Laut einem Bericht des Financial Crimes Enforcement Network des US-Schatzamts gibt es zudem Gründe zur Annahme, dass die Bank Geldwäscherei zum Geschäftsmodell gemacht hat. So würden etwa 90 Prozent der ABLV-Kunden von der Bank selbst als Hochrisikoklienten eingeschätzt, es handle sich überwiegend um Briefkastenfirmen in intransparenten Jurisdiktionen. ABLV-Chef Ernests Bernis wies die Vorwürfe in Riga jedoch zurück und sprach von einer „vorsätzlichen Diffamierungskampagne“.

Lettischer Finanzplatz im Zwielicht

Der Vorfall fällt zeitlich zusammen mit der Festnahme von Lettlands Notenbankchef Ilmars Rimsevics. Gegen ihn werden Korruptionsvorwürfe erhoben. Er soll Bestechungsgelder von mehreren Hunderttausend Euro angenommen haben. Bereits am Freitag waren Wohnung und Büro des 52-jährigen Notenbankchefs durchsucht worden. Außerdem wurde er rund sieben Stunden lang verhört. Zu den genauen Vorwürfen wollten weder Rimsevics Anwalt noch Vertreter der Regierung Stellung beziehen. Der Chef der lettischen Antikorruptionsbehörde, Jekabs Straume, erklärte allerdings die Festnahme des Notenbank-Chefs hänge nicht mit der ABLV Bank zusammen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Lettlands Bankensektor in die Schlagzeilen gerät. 2008 musste die lettische Regierung während der weltweiten Finanzkrise die schwer angeschlagene Parex Bank teilweise verstaatlichen, um sie vor einem Kollaps zu retten. Vor vier Jahren griff die lettische Bankenaufsicht bei drei Banken des Landes ein, da sie in einen Korruptionsskandal in Moldawien verwickelt waren. Es soll dabei um betrügerische Zahlungen von rund einer Milliarde Dollar gegangen sein.

(mit Bloomberg und Reuters)


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