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Luxemburger Ehrenkonsul kauft Real
Wirtschaft 2 Min. 19.02.2020

Luxemburger Ehrenkonsul kauft Real

Wladimir Jewtuschenkow, hier mit Ehefrau Natalja, letzten September in Luxemburg: seine SCP Group legt für Real 300 Millionen Euro auf den Tisch.

Luxemburger Ehrenkonsul kauft Real

Wladimir Jewtuschenkow, hier mit Ehefrau Natalja, letzten September in Luxemburg: seine SCP Group legt für Real 300 Millionen Euro auf den Tisch.
Foto: Marie De Decker
Wirtschaft 2 Min. 19.02.2020

Luxemburger Ehrenkonsul kauft Real

Marco MENG
Marco MENG
Jewtuschenkows SCP Group übernimmt die deutsche Handelskette mit 34.000 Beschäftigten - die fürchten nun um ihre Arbeitsplätze, denn dem Investor geht es um die Immobilien, nicht um die Geschäfte.

Wie der deutsche Metro-Konzern und die Luxemburger Investmentgesellschaft SCP gemeinsam mitteilen, übernimmt SCP von Metro alle Anteile an der Handelskette Real. 

Verwaltungsratschef der SCP (ehemals „Sistema Capital Partners“) ist Felix Jewtuschenkow, Sohn des Luxemburger Ehrenkonsuls und Gründers des russischen Konzerns Sistema, Wladimir Jewtuschenkow. 

Teil der Sistema-Gruppe ist auch die Luxemburger East-West United Bank (EWUB). Deren Aufsichtsratschef ist Luxemburgs ehemaliger Wirtschaftsminister Jeannot Krecké. 

Für das Digitalgeschäft von Real, die stationären Warenhäuser mit 276 Filialen, 80 Immobilien und verbundenen Unternehmen zahlt Jewtuschenkow 300 Millionen Euro. Der Kaufpreis liegt damit knapp 200 Millionen unter dem, der noch vor ein paar Monaten im Gespräch war. 

Die Geschäfte an der fast 300 Standorten will der Käufer nicht  selbst betreiben, sondern weiterverkaufen.
Die Geschäfte an der fast 300 Standorten will der Käufer nicht selbst betreiben, sondern weiterverkaufen.
Foto: dpa

Grund für die Veräußerung: Metro will wieder ein reines Großhandelsunternehmen werden. Nach dem Verkauf von Galeria Kaufhof und der Ausgliederung von MediaMarkt und Saturn wurde monatelang um Real gerungen. Die Hypermarktkette hatte im Geschäftsjahr 2018/19 für tiefrote Zahlen bei Metro gesorgt.  

Angst um Filialschließungen und Stellenabbau 

„Alle rund 34 000 Real-Mitarbeiter werden mit ihren bisherigen Verträgen zu den bestehenden Konditionen übernommen“, wird mitgeteilt. Langfristig werde die Mehrheit der Real-Standorte weiterbetrieben, „entweder unter der Marke Real oder unter dem Banner anderer Einzelhändler.“ 

Tatsächlich sollen die Real-Filialen an andere deutsche Einzelhändler wie Kaufland, Globus oder Edeka verkauft oder teilweise in kleinere Flächen für alternative Nutzungen aufgeteilt werden. 

Geplant sei, einen Kern von 50 Märkten 24 Monate lang unter der Flagge von Real weiter zu betreiben. Was nach diesen 24 Monaten geschehen soll, bleibt offen. Für jeden Standort werde der neue Eigentümer mögliche Optionen prüfen. Dass verschiedene Standorte schon bald geschlossen werden, liegt auf der Hand. 


Wirtschat, interview Sergey Pchelintsev, EWUB Bank, Foto: Chris Karaba/Luxemburger WORT
"Wir sind eine einzigartige Kombination"
Die East-West United Bank versteht sich als Brücke zwischen Europa und den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Noch zu Zeiten des Kalten Krieges gegründet, feiert die Bank ihr 45. Jubiläum.

Die SCP-Gruppe geht davon aus, dass das zunächst für etwa 30 Standorte der Fall sein wird. SCP und Metro betonen dabei, Ziel sei, dass die Mehrheit der Mitarbeiter weiterbeschäftigt oder bei Marktverlagerungen von potenziellen neuen Betreibern übernommen werden. Mit dem Real-Gesamtbetriebsrat gibt es eine Vereinbarung, wonach Mitarbeiter, die aus betrieblichen Gründen ihren Arbeitsplatz verlieren, eine Abfindung erhalten sollen. 

Marjorie Brabet-Friel, die die Geschäfte der SCP Group leitet, sagt dazu: „Wir werden versuchen, Ladenschließungen und Entlassungen so weit wie möglich zu vermeiden.“ 

Klar ist indes, dass SCP keine Einzelhandelsgeschäfte betreiben will, sondern dass es dem Käufer um die Immobilien geht. „Zur Neupositionierung der Immobilienobjekte wird die SCP Group eine Partnerschaft mit der x+bricks Group eingehen, einem deutschen Investor, der sich auf nahrungsmittelverankerte Immobilien konzentriert“, heißt es. X+bricks ist eine Gründung von SCP. Sie kauft Immobilien und vermietet sie an Handelsunternehmen weiter. 

Um Abnehmer der Real-Geschäfte zu finden, hat SCP den ehemaligen Kaufland-Chef Patrick Kaudewitz engagiert. 

Auslandsinvestitionen zum Kapitalerhalt 

Der Erwerb von Real durch Jewtuschenkows SCP wurde bei der Europäischen Kommission zur Genehmigung eingereicht, auch der Verwaltungsrat von Sistema muss noch zustimmen, da die Hauptfinanzierung über den russischen Konzern läuft. 

Der Kauf der Real-Immobilien ist Teil der Strategie, die viele russische Oligarchen umtreibt: das Vermögen zu retten und an die nächste Generation zu übertragen.

Sistema-Gründer Wladimir Jewtuschenkow, 71 Jahre alt, dessen Vermögen von Forbes auf 2,4 Milliarden US-Dollar geschätzt wird, hat in Luxemburg mehrere Unternehmen: neben der EWUB, in deren Verwaltungsrat seine Ehefrau Natalja sitzt, auch drei Redline-Capital-Gesellschaften mit Jewtuschenkows Tochter Tatjana (43) im Investmentkomitee oder die besagte Beteiligungsgesellschaft SCP mit Sohn Felix (41) als Oberhaupt.


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