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Luxemburger Börse: Transparenz als Geschäft
Wirtschaft 2 Min. 20.04.2016 Aus unserem online-Archiv

Luxemburger Börse: Transparenz als Geschäft

Der CEO Robert Scharfe und der Verwaltungsratpräsident Frank Wagener blicken auf ein erfolgreiches Jahr 2015 zurück.

Luxemburger Börse: Transparenz als Geschäft

Der CEO Robert Scharfe und der Verwaltungsratpräsident Frank Wagener blicken auf ein erfolgreiches Jahr 2015 zurück.
Foto: Guy Jallay
Wirtschaft 2 Min. 20.04.2016 Aus unserem online-Archiv

Luxemburger Börse: Transparenz als Geschäft

Laurent SCHMIT
Laurent SCHMIT
Die Luxemburger Börse ist keine traditionelle Börse, denn Aktien werden dort nur sehr wenige gehandelt. Neben einer starken Position bei den Wertpapieren, etabliert die Börse sich als Dienstleister des Finanzplatzes, um die zahlreichen Berichtspflichten einzuhalten.

Von Laurent Schmit

Die Reaktionen auf "Panama Papers" lassen eine weitere Verschärfung der Transparenzregeln erwarten. Für die Finanzwelt bedeutet das vor allem eins: mehr Aufwand und damit mehr Kosten. Doch die schlechte Nachricht für Banken und andere Akteure ist eine gute Nachricht für die Luxemburger Börse. Denn die "Bourse de Luxembourg" positioniert sich erfolgreich als Dienstleister, der "Informationen sammelt, verarbeitet und verteilt", wie es der CEO Robert Scharfe erkärte.

Diese neue Rolle der Börse spiegelt sich auch in den Ergebnissen von 2015, die die Börse nach ihrer Generalversammlung am Mittwoch vorstellte. Nach dem sehr guten Resultat 2014 stieg der Gewinn um 16 Prozent auf 12,6 Millionen Euro. Der Umsatz stieg 2015 um 5 Prozent auf 45 Millionen Euro. Die 100-prozentige Tochtergesellschaft Fundsquare trug zu diesem Wachstum wesentlich bei. Deren Umsatz stieg um 2,1 Millionen Euro, was einem Zuwachs von 22 Prozent gegenüber 2014 entsprach.

Neben Informationen zu Fonds bietet Fundsquare seit letztem Jahr seinen Kunden an, die FATCA-Berichtspflichten zu übernehmen, das heißt den amerikanischen Behörden die Informationen von US-Kunden am Luxemburger Finanzplatz zu übermitteln. Die Börse hat mit diesem Service in Luxemburg einen Marktanteil von 70 Prozent. Im Entstehen ist eine Lösung im Bereich "Know your customer". Dabei geht es um die Verhinderung von Geldwäsche - womit man wieder bei "Panama Papers" ist. Anstatt dass jede Bank selbst eine Lösung entwickle, sei es effizienter, die Ressourcen zu bündeln, erklärte Scharfe.

Unabhängig und flexibel

Das Mandat des Verwaltungsratspräsidenten Frank Wagener wurde am Mittwoch um weitere drei Jahre verlängert. Auch die Strategie der Luxemburger Börse bleibt in der Kontinuität: "Wir werden ein unabhängiger Akteur bleiben", betonte Wagener, trotz Entwicklungen wie der Fusion zwischen der Londoner und Frankfurter Börse. "Für einen flexiblen Akteur mangelt es nicht an Geschäftsgelegenheiten", ergänzte Wagener.

Die Luxemburger Börse kann sich dabei auf seine langjährige internationale Erfahrung stützen. Heute sind es 3.000 Emittenten aus über 100 Länder, die an der Luxemburger Börse ihre Wertpapiere anbieten. 2015 wurden 10.991 neue Wertpapiere gelistet, ein Wachstum von drei Prozent.

Kampf gegen Klimawandel finanzieren

Den Investoren möglichst alle benötigten Informationen zu Verfügung zu stellen: So versteht der CEO Robert Scharfe die Rolle der Luxemburger Börse. Das gilt nicht nur für vielfältige Berichtspflichten, sondern auch um neue Standards zu entwickeln.

Ein Beispiel sind die "Green Bonds", bei deren Notierung die Luxemburger Börse einen Marktanteil von 50 Prozent hat. "Bisher bestehen keine Kriterien, was als 'grünes' Wertpapier gelten kann", erklärte Scharfe. Die Luxemburger Börse beteilige sich deshalb maßgeblich an der Erstellung von Standards auf internationaler Ebene. Gerade für Staats- und Pensionsfonds sind solche Kriterien für ihre Investitionen wichtig.

Während ab 2007 vor allem Entwicklungsbanken wie die Europäische Investitionsbank oder die deutsche KFW-Bank in den Green Bonds aktiv waren, werden sich nun nach der Klimakonferenz Cop21 auch private Initiativen entwickeln, erwartete Scharfe. "Um das Ziel der 1,5 Grad zu erreichen, braucht es sehr hohe Investitionen", ergänzte er. 2016 soll das Volumen der grünen Wertpapiere um 100 Milliarden Euro steigen.


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