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Luxemburger Banken öffnen Kundendaten für die Konkurrenz
Wirtschaft 4 Min. 13.03.2019

Luxemburger Banken öffnen Kundendaten für die Konkurrenz

Die Banken müssen künftig mit Drittanbietern aus ganz Europa kooperieren und ihnen gegenüber ihre Kundendaten öffnen.

Luxemburger Banken öffnen Kundendaten für die Konkurrenz

Die Banken müssen künftig mit Drittanbietern aus ganz Europa kooperieren und ihnen gegenüber ihre Kundendaten öffnen.
Guy Wolff
Wirtschaft 4 Min. 13.03.2019

Luxemburger Banken öffnen Kundendaten für die Konkurrenz

Nadia DI PILLO
Nadia DI PILLO
Luxemburger Finanzinstitute müssen Kundendaten für die europäische Konkurrenz öffnen – die Testphase beginnt am heutigen Mittwoch.

Man stelle sich vor, Facebook würde alle finanziellen Angelegenheiten seiner Kunden regeln – zum Beispiel den günstigsten Stromanbieter auswählen, Theater- oder Konzertkarten beschaffen und dann die anfallenden Kosten direkt und ohne Umweg vom Kundenkonto einziehen. Noch ist das Zukunftsmusik – all diese Möglichkeiten stecken jedoch in der Idee des „Open Banking“, das nun mit der EU-weit gültigen Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 in die heiße Phase geht.

„Die Richtlinie verpflichtet Banken dazu, von Sommer 2019 an durch die Einrichtung von Schnittstellen Drittanbietern Zugriff auf die Kontodaten ihrer Kunden zu gewähren. Willigt der Kunde aktiv ein, können andere Anbieter Kontoinformationen abfragen oder Zahlungen auslösen“, erklärt Jacques Pütz, Geschäftsführer der Firma Luxhub.

Bereits in drei Monaten müssen die Schnittstellen der Banken für Drittanbieter zur Verfügung stehen und voll einsatzfähig sein.

Um die Herausforderungen der Zahlungsdienstrichtlinie auch in Luxemburg bewältigen zu können, haben sich im Frühjahr 2018 Spuerkeess, Raiffeisenbank, Post und BGL BNP Paribas zusammengetan und die Firma Luxhub gegründet. Ziel ist es, die Richtlinie optimal umzusetzen. Aufgebaut wurde eine neue Plattform namens Luxhub Marketplace –, die insgesamt 22 in- und ausländische Banken aus fünf europäischen Ländern nutzen werden, um mit Drittanbieter, den Third Party Providers (TPPs) bestmöglich vernetzt zu sein.

Jacques Pütz, Geschäftsführer der Firma Luxhub.
Jacques Pütz, Geschäftsführer der Firma Luxhub.
Chris Karaba / Luxemburger Wort

„Mit diesem Gemeinschaftsprojekt helfen wir den Banken, den Anforderungen der Richtlinie gerecht zu werden. Wir ermöglichen damit die bessere Zusammenarbeit zwischen der Fintech-Branche und eher traditionellen Geldhäusern.“

Die Konkurrenz, die auf die heimischen Banken zukommt, ist nicht zu unterschätzen. Die Bank sucht sich nicht den Partner aus, die Fintechs suchen sich die Bank aus. Das ist eine große Herausforderung.

Testphase startet am heutigen Mittwoch

Die gesetzlich vorgeschriebene Testphase startet am heutigen Mittwoch. Mit „Luxhub Marketplace“ hat die Firma eine Testumgebung eingerichtet, die es Drittanbietern ermöglicht, die geöffneten Schnittstellen zu integrieren.

„Fintechs können so die Kompatibilität ihres eigenen Systems mit der Schnittstelle der Bank verknüpfen und bei Bedarf optimieren“, erklärt Jacques Pütz, denn: Für diesen Check müssen Drittanbieter eine Genehmigung einer europäischen Finanzaufsicht haben oder den Antrag dafür gestellt haben.

Bei diesen Drittanbietern kann es sich um Unternehmen der Finanztechnologie handeln oder auch andere Banken. Die größte Angst haben die Geldinstitute vor der Konkurrenz durch Nichtbanken, etwa die sogenannten Unternehmen wie Google, Facebook, Amazon oder Apple – auch die können künftig in das Finanzgeschäft mit Privatkunden einsteigen.

Banken verlieren Datenmonopol

Einziges Hindernis: Um die Schnittstellen der Banken nutzen zu dürfen, müssen Drittanbieter in einem der europäischen Länder als Finanzdienstleister akkreditiert sein. „Nur dann bekommen die Drittanbietern zum Beispiel von der CSSF einen sogenannten Passport und damit den Zugang zur Luxhub-Plattform.“

Die praktische Folge: So können dann zum Beispiel portugiesische oder lettische Fintechs ganz unmittelbar und an der jeweiligen Hausbank vorbei mit Privatkunden ins Geschäft kommen. Neue Konkurrenz, die die Luxemburger Banken fürchten – auch weil sie Monopol und Kontrolle über ihren jeweiligen Kundenstamm verlieren. Denn: Die Banken müssen künftig mit Drittanbietern aus ganz Europa kooperieren und ihnen gegenüber ihre Kundendaten öffnen; verweigern Geldhäuser die Zusammenarbeit, droht Ärger mit der Aufsichtsbehörde.

„Die Konkurrenz, die auf die heimischen Banken zukommt, ist nicht zu unterschätzen. Die Bank sucht sich nicht den Partner aus, die Fintechs suchen sich die Bank aus. Das ist eine große Herausforderung.“

Ebenso wie Drittanbieter können auch Banken beispielsweise die Daten anderer Banken für neue Produktangebote nutzen. „Das bringt eine ganz neue Dynamik in die Konkurrenz zwischen Banken und verschiedenen Zahlungsanbietern. Es geht darum, wer die beste Kundenerlebnis anbietet. Die Banken müssen neu denken und neue Finanzdienstleistungen anbieten“.

Die neue EU-weit gültige Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 wird also auch der Behäbigkeit mancher Institute ein Ende machen. Der Vorteil liegt laut Pütz auf der Hand: „Der Kunde rückt wieder in den Mittelpunkt“ – stand er doch bislang oft am Ende der Kette. Anders die künftig konkurrierenden Fintech-Unternehmen: Sie orientieren sich am Kundenbedarf und haben eine enorme Innovationskraft.

Innovationen und neue Produkte

Jacques Pütz ist davon überzeugt, dass die Richtlinie langfristig Innovationen und neue Produkte und Services möglich machen wird: „Der Kunde kann bei dieser Geschichte nur Gewinner sein“. Wichtig für alle Endkunden der Banken: Deren Daten dürfen nur dann weitergegeben werden, wenn der Kontoinhaber dem ausdrücklich zugestimmt haben. Sind die Daten einmal freigegeben, kann ein Unternehmen Finanzdienste beispielsweise über eine App anbieten. So könnte es etwa Endkunden möglich gemacht werden, eine Gesamtübersicht über all seine Konten, die bei unterschiedlichen Banken geführt werden, zu bekommen. Darüber hinaus kann das Unternehmen auch Zahlungen durchführen. Etwa dann, wenn der Kunde im Internet einkauft und über keine Kreditkarte verfügt.

„Wenn eine Kunde bei einem Drittanbieter einen Kreditantrag stellt, können dort zentral die gesamten Bankdaten abgefragt und so die Bonität geprüft werden.“ „Es wird jetzt alles ganz schnell gehen. Die neuen Player stehen längst in den Startlöchern und werden sich sehr schnell den Zutritt zum Luxemburger Markt verschaffen“, da ist Jacques Pütz sicher.

Für die Luxemburger Banken heißt das: traditionelle Wege verlassen oder zumindest in Frage stellen. Vor allem innovativ denken. Denn, so prognostiziert Jacques Pütz : „Wer sich jetzt nicht ganz schnell neu aufstellt, wird stark unter Druck kommen.“


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