Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Luxemburg lanciert elektronischen Frachtbrief
Wirtschaft 3 Min. 19.04.2018 Aus unserem online-Archiv

Luxemburg lanciert elektronischen Frachtbrief

Erstmals wurde in Luxemburg ein elektronischer Frachtbrief signiert.

Luxemburg lanciert elektronischen Frachtbrief

Erstmals wurde in Luxemburg ein elektronischer Frachtbrief signiert.
Foto: Chris Karaba
Wirtschaft 3 Min. 19.04.2018 Aus unserem online-Archiv

Luxemburg lanciert elektronischen Frachtbrief

Der neue elektronische Frachtbrief ersetzt nicht nur Dokumente aus Papier, sondern erleichtert und beschleunigt vor allem die Abwicklung der Beförderungen, weil diese digital stattfindet.

(aa) - Seit März 2018 gilt im Großherzogtum der sogenannte elektronische Frachtbrief (e-CMR). Am Donnerstag wurde im Cargocenter des Flughafens erstmals ein solches Dokument ausgestellt - für einen Transport des  Speditionsunternehmens Arthur Welter aus Leudelingen für die Frachtfluggesellschaft Cargolux vom Findel zum Flughafen Schiphol bei Amsterdam. Signiert wurde das Dokument von Umweltstaatssekretär Camille Gira.

Bislang beteiligen sich 17 Staaten

Luxemburg hatte Ende 2017 das entsprechende Protokoll der  Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen (UNECE) unterzeichnet. Außerdem gibt es ein Pilotprojekt zusammen mit den anderen beiden Benelux-Staaten. Damit kann das elektronische Dokument nun für Straßengütertransporte zwischen aktuell 17 Ländern verwendet werden: Luxemburg, Niederlande, Frankreich, Spanien, Dänemark, Estland, Lettland, Litauen, Slowenien, Tschechien, Slowakei, Türkei, Russland, Moldawien, Bulgarien, Schweiz und Iran.

Der elektronische Frachtbrief ersetzt nicht nur Dokumente aus Papier, sondern erleichtert und beschleunigt vor allem die Abwicklung der Beförderungen.
Der elektronische Frachtbrief ersetzt nicht nur Dokumente aus Papier, sondern erleichtert und beschleunigt vor allem die Abwicklung der Beförderungen.
Foto: Chris Karaba

Spediteure, Fahrer und Sendungsempfänger verwenden Frachtbriefe (CMR) basierend auf der Internationale Vereinbarung über Beförderungsverträge auf Straßen von 1956, die Informationen über die versendeten Waren, den Transporteur und Empfänger enthalten. Bisher wurden diese in Papierform ausgegeben. Das soll sich nun ändern.  René Gloden von der Spedition Arthur Welter beschreibt das wie folgt: "In der Praxis wird ein Transportauftrag den wir in digitaler Form von einem Kunden erhalten, in Echtzeit auf den Bordcomputer oder das Smartphone des Fahrers übermittelt. Bei der Abholung der Ware unterschreiben Fahrer und Absender sicher auf dem Smartphone."

Der elektronische Frachtbrief ersetzt nicht nur Dokumente aus Papier, sondern erleichtert und beschleunigt vor allem die Abwicklung der Beförderungen, weil diese digital stattfindet. Dadurch sollen durchschnittlich 4,50 Euro pro Sendung eingespart werden. "Mit der Umstellung auf den digitalen Frachtbrief können Transportunternehmen und ihre Kunden die Verwaltungs- und Umweltkosten für die 400 Millionen e-CMRs, die in der EU im Umlauf sind, deutlich senken", sagte Camille Gira.

Bei einer Einsparung von 4,5 Euro pro ausgestelltem Frachtbrief könne dies für Europa zudem 1,8 Milliarden Euro an Effizienzgewinnen bedeuten, sagte Camille Gira. Auch die Umwelt soll profitieren. "Mit der Umstellung auf den elektronischen Frachtbrief könnten 166.000 Bäume, 15.000 Paletten Papier und 600 Papier transportierende Lastwagen eingespart werden", so Camille Gira.

Patrick Silverio von LuxairCargo veranschaulichte das zeitliche Einsparpotenzial anhand der Rekordtonnage 2017 des Cargocenters von rund 938.000 Tonnen. 780.000 Tonnen davon seien entweder per Lastwagen an- oder abtransportiert worden, was ungefähr 125.000 Lastwagen entspreche und etwa 150.000 konventionellen CMR-Frachtbriefen. Wenn Mitarbeiter mit jedem Frachtbrief heutzutage drei Minuten beschäftigt seien, um ihn manuell zu prüfen, abzustempeln oder abzuzeichnen entspreche das 450.000 Minuten oder 7.500 Arbeitsstunden oder mehr als 900 Arbeitstagen.


Die Logistik steht vor disruptiven Umwälzungen: Wird es Luxemburg gelingen, den Wandel nicht nur zu meistern, sondern sogar voranzugehen und Umweltaspekte und wirtschaftlichen Erfolg damit zu verknüpfen?
Luxemburg will Spitzenplatz verteidigen
Im internationalen Leistungsindex für Logistik listete die Weltbank das Großherzogtum zuletzt auf Rang zwei. Als Frachtdrehscheibe hat Luxemburg einiges erreicht und verfolgt weitere Ambitionen. Allerdings gilt es dabei vielfältige Herausforderungen zu meistern.

Die fortschreitende Digitalisierung wird in der Logistik-Branche als entscheidend dafür angesehen, dass Luxemburg weiterhin seinen Spitzenplatz im internationalen Leistungsindex der Weltbank behaupten kann. "Mit der Einführung des elektronischen Frachtbriefes gehört Luxemburg zu den führenden Ländern, die die Digitalisierung von Transportdokumenten ermöglichen, was die Akzeptanz elektronischer Transportdokumente in ganz Europa beschleunigen wird", so Malik Zeniti, Geschäftsführer des luxemburgischen Clusters for Logistics.

In Luxemburg haben Unternehmen nun die Möglichkeit die elektronische Variante zu verwenden. Verpflichtend ist dies nicht. Noch nehmen auch nicht alle Länder in der Europäischen Union daran teil. So beispielsweise auch Deutschland nicht. Allerdings hat die neue Regierung im Nachbarland bereits signalisiert, das UNECE-Protokoll in dieser Legislaturperiode ebenfalls ratifizieren zu wollen. Belgien hat das Protokoll auch noch nicht ratifiziert, ist aber durch das Benelux-Pilotprojekt bereits mit an Bord.