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Luxemburg kauft fair
Wirtschaft 2 Min. 11.07.2020

Luxemburg kauft fair

Fast jeder in Luxemburg kennt inzwischen dieses Label.

Luxemburg kauft fair

Fast jeder in Luxemburg kennt inzwischen dieses Label.
Foto: Fairtrade Luxembourg
Wirtschaft 2 Min. 11.07.2020

Luxemburg kauft fair

Marlene BREY
Marlene BREY
Eine Umfrage zeigt: Das blau-grüne Label wird immer beliebter. Ob es deswegen auch tatsächlich öfter im Einkaufswagen landet, bleibt fraglich.

Fast alle Einwohner Luxemburgs – nämlich 96 Prozent – haben schon von fairem Handel gehört. Die meisten kennen das blau-grüne Fairtrade-Label von Schokolade, Kaffee und Bananen. Und immer mehr kaufen auch fair ein. 

Das sind die Ergebnisse einer Umfrage, die das Institut TNS Ilres gemeinsam mit „Fairtrade Lëtzebuerg“ am Freitag vorgestellt hat. Zwischen dem 7. und dem 22. April befragten die Studienmacher 1.000 Einwohner. Die Zahlen zeigen es deutlich: Fairtrade ist auf dem Vormarsch. 


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Ein Label kennen und wissen, was dahinter steckt, das sind zwei verschiedene Dinge. In der Umfrage gaben aber sieben von zehn Befragten an, dass ihr Wissen darüber, was fairer Handel ist, „sehr gut“ sei. Für viele hat das nach eigenen Angaben auch Konsequenzen: 74 Prozent der Befragten gaben an, Produkte mit dem Fairtrade-Label zu kaufen oder zu konsumieren. 

Alles im grünen Bereich 

TNS Ilres fragte auch nach der Qualität der Produkte mit dem Fairtrade-Label. Bei den Antworten sahen die Verantwortlichen „sehr viel Grün“, wie Tommy Klein vom Umfrageinstitut sagt. Die meisten Käufer bewerten die Produkte damit als „sehr gut bis exzellent“. 

Eigentlich, so Klein, achten Konsumenten in Luxemburg vor allem auf die Qualität und den Preis. Bei Fairtrade-Produkten sei die ausgezeichnete Qualität dagegen nur ein schöner Nebenaspekt. Was wirklich zählt: 57 Prozent der Befragten gaben an, dass sie faire Preise für die Produzenten wollen. Bei den über 55-Jährigen war dies sogar für 73 Prozent entscheidend. Die Einhaltung der Menschenrechte ist für 47 Prozent entscheidend. 32 Prozent wollen ein alternatives Wirtschaftsmodell unterstützen. 


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Einstellung und Handeln passen nicht immer zusammen

„Wir haben die Umfrage während der Corona-Krise durchgeführt“, sagt Klein. Natürlich habe das Team darüber diskutiert, welche Auswirkung diese Situation auf die Ergebnisse haben könne. Schließlich werde in der jetzigen Situation mehr als sonst über Lieferketten und auch über ethische Standards gesprochen, gibt er zu bedenken. Doch das Team habe Einstellungen von Konsumenten abgefragt. Und Einstellungen verändern sich nicht über Nacht. 

Dennoch können die Zahlen verwundern. Die Mehrheit (67 Prozent) verbindet etwa Schokolade mit dem Fairtrade-Siegel. Fair gehandelte Schokolade hat aber nur einen Marktanteil von 4,5 Prozent in Luxemburg. Was ist also dran an der positiven Selbstauskunft?

Der Schweinehund ist schuld

Die Macht der Gewohnheit ist einer der Hauptgründe, warum nicht mehr Menschen zu fairen Produkten greifen. Statt der Fairtrade-Schokolade landet so bei 35 Prozent der Befragten weiterhin die Lieblingsmarke im Einkaufswagen - einfach, weil man es eben so kennt. Dieses Verhalten, das im Widerspruch zur eigenen Überzeugung steht, ist in der Altersgruppe über 55 Jahren noch ausgeprägter (+45 Prozent). Als weitere Gründe, warum trotz all der guten Vorsätze keine Fairtrade-Produkte gekauft werden, wurden zu hohe Preise genannt (25 Prozent) und mangelndes Wissen darüber, wo man Fairtrade Produkte kaufen kann (19 Prozent). 

Jean-Louis Zeien, Präsident von Fairtrade Lëtzebuerg lässt das Argument nicht gelten. „Es gibt bereits mehr als 2.700 Fairtrade-Produkte in mehr als 300 Verkaufsstellen in Luxemburg“, sagt er. Aber er sieht es sportlich. 26 Prozent kaufen bisher noch gar keine Fairtrade-Produkte. Das Vertrauen in diese ist aber ausgesprochen groß, wie die Studie zeigt. Und das heißt: Der Markt könnte bald enorm wachsen. 336 Produkte „made in Luxembourg“ gibt es bereits.

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