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Luxemburg im Homeoffice: Was Arbeitnehmer beachten müssen
Wirtschaft 3 Min. 25.03.2020 Aus unserem online-Archiv

Luxemburg im Homeoffice: Was Arbeitnehmer beachten müssen

Beim Homeoffice fürchten viele Chefs den Verlust von Kontrolle.

Luxemburg im Homeoffice: Was Arbeitnehmer beachten müssen

Beim Homeoffice fürchten viele Chefs den Verlust von Kontrolle.
Foto: DPA
Wirtschaft 3 Min. 25.03.2020 Aus unserem online-Archiv

Luxemburg im Homeoffice: Was Arbeitnehmer beachten müssen

Nadia DI PILLO
Nadia DI PILLO
Das Corona-Virus stellt Unternehmen und Beschäftigte vor neue Herausforderungen.

Um die wichtigste Frage zu Beginn zu beantworten: Es gibt in Luxemburg kein gesetzliches Recht auf Homeoffice. "Wenn es nicht vertraglich festgehalten ist, darf weder der Chef einen Mitarbeiter gegen seinen Willen ins Homeoffice schicken, noch hat der Mitarbeiter ein Anrecht auf Heimarbeit", erklärt Generalsekretär Christophe Knebeler, der beim LCGB für die Sozialpolitik zuständig ist. Das gilt auch unabhängig von der Verbreitung des Corona-Virus oder anderen Krankheiten. 

Allerdings haben Arbeitgeber ihren Mitarbeitern gegenüber eine so genannte Schutzpflicht, der sie nachkommen müssen. "Jedoch gibt es für Krisensituationen wie der aktuellen keinen allgemeinen oder gar verbindlichen Leitfaden." Arbeitgeber können daher selbst entscheiden, ob sie ihre Mitarbeiter ins Homeoffice schicken oder nicht. Anders sieht es aus, wenn ein Angestellter nachweislich mit dem Virus infiziert ist. Dann darf er im Prinzip gar nicht arbeiten.


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Regelungen im Arbeitsvertrag

In vielen Unternehmen gibt es aber Regelungen zum Homeoffice im Arbeitsvertrag. "Eine Homeoffice-Tätigkeit erfordert eine spezielle Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer", erklärt Knebeler. Es muss nicht immer ein umfassendes Vertragswerk sein. Führt der Arbeitnehmer von zu Hause gelegentlich geschäftliche Telefonate, kann eine mündliche Absprache unter Umständen ausreichen. Sind feste Einsatzzeiten in den eigenen vier Wänden vorgesehen, sollte die Vereinbarung immer schriftlich erfolgen


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"Dies kann entweder direkt im Arbeitsvertrag oder als separate Zusatzvereinbarung geschehen", so Knebeler. In der Vereinbarung sollen die Umstände der Heimarbeit geregelt werden, somit auch Details zum Arbeits- und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz, sagt Christophe Knebeler. So kann etwa festgeschrieben werden, wann man telefonisch erreichbar sein muss, wie das Arbeitsmaterial zur Verfügung gestellt wird oder welche Pausenzeiten gelten. 


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"Das sind ganz spezifische Punkte, die im Vertrag festgelegt werden. Andernfalls gelten die normalen Arbeitsregeln wie im Büro." Für Grenzgänger bestehen jedoch spezifische Bedingungen für die Anwendung der Heimarbeit. Angesichts der Corona-Krise wurde aber etwa in Frankreich die 29-Tage-Regelung, die bislang galt, ausgesetzt.

Testphase ist sinnvoll

Beim Homeoffice fürchten viele Chefs den Verlust von Kontrolle. Laut Gewerkschafter darf aber ein Arbeitgeber beim Heimarbeiter nach dem Rechten schauen. "Aber es gibt Regeln", sagt Knebeler. Er kann nicht einfach so vor der Tür stehen und Einlass verlangen, sondern muss ein Termin vereinbaren. "Natürlich kann der Chef auch über Telefon prüfen, ob der Mitarbeiter wirklich zu Hause ist. Wenn Probleme auftauchen, kann der Arbeitgeber zu jeder Zeit den Vertrag auflösen. Es fällt ohnehin auf, wenn die Produktivität abnimmt." 

Daher sei es auch sinnvoll, eine Testphase vorzusehen, bevor man eine Entscheidung über Heimarbeit trifft. "Das ist sehr wichtig, denn nicht jeder ist für Homeoffice gemacht. Mitarbeiter können sich auf Dauer isoliert fühlen. Und es fehlt eine wichtige Motivations- und Inspirationsquelle. Das Arbeiten zu Hause kann viele Tücken haben."


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Inwiefern bin ich versichert?

Die Heimarbeit wirft auch Fragen in Sachen Versicherung auf. Inwiefern ist man auch im Homeoffice gesetzlich versichert? "Es kommt auf den Einzelfall an", sagt Knebeler. Wer sich in der Mittagspause beim Kochen verbrennt, ist nicht versichert. Fällt man auf dem Weg zu seinem Arbeitsbüro, ist das ein Arbeitsunfall , der rechtlich geltend gemacht werden kann. Im Falle von Homeoffice kommt es nämlich darauf an, ob ein Unfall unmittelbar im Zusammenhang mit der Arbeit steht oder nicht. "Manchmal ist es allerdings schwer, eine klare Grenze zu ziehen." Und: "Es stellen sich eine Reihe von rechtlichen Fragen bei den neuen flexiblen Arbeitsformen, wie Coworking-Space oder im Open Space", stellt der Gewerkschafter fest.

Welche Arbeitszeiten gelten?

Was die Arbeitszeiten anbelangt, gilt grundsätzlich für den Mitarbeiter das Arbeitszeitgesetz auch am Arbeitsplatz zu Hause. Er darf also nicht länger als acht Stunden pro Tag arbeiten. "So wie im Büro kann man auch zu Hause mit seinem Vorgesetzten die Arbeitszeit so regeln, dass man etwa morgens später anfängt. Heimarbeit erlaubt einem Mitarbeiter eine gewisse Flexibilität einzuräumen. Das muss zwischen den beiden Parteien vereinbart werden."

Schließlich muss der Arbeitgeber die Arbeitsmittel wie Laptop und nötige Programme für das Homeoffice zur Verfügung stellen. "Bei angestellten Mitarbeitern ist es in der Regel Sache des Arbeitgebers."


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Nicht jedes Unternehmen ist allerdings technologisch ausgestattet, um etwa Dutzende Mitarbeiter ins Homeoffice zu schicken. Finanzinstitute etwa müssen auf Datenschutz und Schutz von Betriebsgeheimnissen achten. So kann das Unternehmen zum Beispiel untersagen, dass besonders sensible Daten nach Hause mitgenommen werden. "Die Banken haben eine Verantwortung gegenüber ihren Kunden und müssen dafür sorgen, dass der Zugriff auf Daten geschützt ist." 

Wichtig ist, dass der Unternehmer sich über diese Themen Gedanken macht. Welche Lösung gefunden wird, hängt dann vom Einzelfall ab.

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