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Luxemburg drängt ins All
Wirtschaft 3 Min. 02.03.2012 Aus unserem online-Archiv

Luxemburg drängt ins All

Die VesselSat-Satelliten wiegen nur 30 Kilogramm und haben eine Kantenlänge von gerade einmal 30 Zentimetern.

Luxemburg drängt ins All

Die VesselSat-Satelliten wiegen nur 30 Kilogramm und haben eine Kantenlänge von gerade einmal 30 Zentimetern.
Foto: LuxSpace
Wirtschaft 3 Min. 02.03.2012 Aus unserem online-Archiv

Luxemburg drängt ins All

Die Betzdorfer Firma LuxSpace ist der einzige Satellitenbauer des Großherzogtums und treibt seine Aktivitäten zielstrebig voran. Im Januar 2012 wurde der zweite im Kanton Grevenmacher gefertigte Satellit mit einer chinesischen Trägerrakete ins All geschossen.

(aa) - Die Betzdorfer Firma LuxSpace ist der einzige Satellitenbauer des Großherzogtums und treibt seine Aktivitäten zielstrebig voran. Im Herbst 2011 wurde der im Kanton Grevenmacher gefertigte VesselSat1 mit einer indischen Trägerrakete ins All geschossen. Im Januar trat bereits der zweite Satellit die Reise in den Orbit an – diesmal von einem chinesischen Weltraumbahnhof aus.

Sie haben die Form eines Würfels, wiegen gerade einmal 30 Kilogramm und haben eine Kantenlänge von 30 Zentimetern. Dass manche Satelliten derart putzig sind, konnte man sich wohl bei der Spedition nicht so richtig vorstellen, die VesselSat1 letztes Jahr bei LuxSpace in Betzdorf abholen sollte. Daher ging der kleine Kerl vor seinem Start im Oktober 2011 dann mit einem 30-Tonner Lastwagen auf die Reise, dabei hätte es jeder handelsübliche Pkw-Kombi genauso gut getan.

Die überschaubare Größe der luxemburgischen Satelliten ist dabei kein Zufall, sondern ein Teil des Konzepts, erklärt Geschäftsführer Jochen Harms. „Auch in Zukunft möchten wir über ein Gesamtgewicht von 100 Kilogramm nicht hinausgehen, da ab dieser kritischen Marke die Konkurrenz auf dem Markt sehr groß und die Ausschreibungsverfahren äußerst aufwändig sind“, sagt Harms. „Außerdem werden kleine Satelliten durch den technischen Fortschritt immer mehr leisten können.“

Eine gewichtige Rolle spielt auch der Kostenfaktor. VesselSat1 und VesselSat2 schlagen pro Stück mit gerade einmal drei Millionen Euro zu Buche – inklusive Transport ins All. Erreicht wird dieser vergleichsweise niedrige Preis durch die Mitverwendung modernster terrestrischer Industrietechnik, statt ausschließlich auf langwierig getestete und deshalb schon etwas ältere Raumfahrttechnologie zurückzugreifen. „Ansonsten würden die Vesselsat-Satelliten gut und gerne das Zehn- bis Zwanzigfache kosten“, erklärt der LuxSpace-Geschäftsführer das kalkulierte Risiko. Ins All transportiert werden die kleinen Satelliten meist als Mitflieger und nicht als Hauptlast. Bei VesselSat1 war der Weltraum-Transporter eine indische, bei VesselSat2 eine chinesische Trägerrakete.

Lebensdauer liegt bei drei Jahren

Was die Lebensdauer anbetrifft, geht man bei LuxSpace zuversichtlich davon aus, dass die beiden VesselSat-Satelliten etwa drei Jahre um die Erde kreisen können. Ein Testsatellit der ursprünglich für sechs Monate ausgelegt war, arbeite nun bereits sei zwei Jahren erfolgreich, so dass man von der Zuverlässigkeit der Konstruktion und dem Gesamtkonzept überzeugt sei, meint Harms.

Auf Kundenseite herrscht derweil reges Interesse, wenn auch gepaart mit etwas Skepsis. Die VesselSat-Satelliten empfangen Daten eines terrestrischen Anti-Kollisionssystems großer Schiffe und können diese z.B. dem Militär, dem Zoll oder der Drogenfahndung zur Nachverfolung von Schiffsrouten zur Verfügung stellen. Betrieben werden die Satelliten von LuxSpace. Der im Oktober 2011 in den Orbit geschossene VesselSat1 wurde nicht verkauft, sondern von der amerikanischen US-Firma Orbcomm geleast. Ebenso der im Januar ins All gebrachte VesselSat2. Bei LuxSpace sieht man dies optimistisch. „Natürlich möchten wir unsere Satelliten auch verkaufen, doch das Leasing ermöglicht es dem Kunden zunächst einmal Erfahrung mit unseren Produkten zu sammeln und sich zu überzeugen,“ sagt Jochen Harms.

Zurzeit hat LuxSpace 30 festangestellte Mitarbeiter, die bei Bedarf um 12 weitere ergänzt werden können. Darunter befinden sich Raumfahrtingenieure, Elektroingenieure, Physiker und Mathematiker. Mittel- bis langfristig strebt man eine Anzahl von 50 Beschäftigten in Betzdorf an.

Neben dem Satellitenbau beschäftigt sich LuxSpace auch mit der Entwicklung und dem Bau von Subsystemen anderer Satelliten und dem Verkauf von Datendienstleistungen.

Umzug vom Provisorium in den Neubau

Die Firma befindet sich in einem Containerpark hinter dem Betzdorfer Schloss. In diesem Provisorium wurden bislang auch die Satelliten entwickelt, spezifiziert und nach der Zulieferung der benötigten Bauteile endgefertigt. Spezielle staubfreie Reinräume, wie sie für die Herstellung optischer Satelliten notwendig sind, gibt es hier noch nicht. Für die VesselSat-Modell war dies aber auch nicht notwendig. Im fast fertigen Neubau auf dem SES-Areal in Betzdorf wird es dann an nichts mehr fehlen.

LuxSpace ist eine seit 2006 aktive und somit noch verhältnismäßig junge luxemburgische Firma, die zur OHB (Orbitale Hochtechnologie Bremen) AG, einer börsennotierten Raumfahrtholding aus Deutschland gehört. Für Betzdorf entschied man sich seinerzeit auf der Suche nach einem neuen Standort nicht zuletzt wegen der SES als potenziellem Kunden und die 2005 abgeschlossene Mitgliedschaft Luxemburgs in der ESA (European Space Agency). LuxSpace ist der einzige Satellitenbauer des Großherzogtums.