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Luxemburg: Die sieben Baustellen der Wirtschaft
Wirtschaft 3 Min. 11.12.2019

Luxemburg: Die sieben Baustellen der Wirtschaft

Luxemburg: Die sieben Baustellen der Wirtschaft

Foto: Eberhard Wolf
Wirtschaft 3 Min. 11.12.2019

Luxemburg: Die sieben Baustellen der Wirtschaft

Nadia DI PILLO
Nadia DI PILLO
Mehr Digitalisierung, bessere Steuerpolitik, qualifizierte Fachkräfte und Talente: Die luxemburgischen Unternehmen fordern die Regierung zu größeren Anstrengungen auf.

Mehr Digitalisierung, bessere Steuerpolitik, qualifizierte Fachkräfte und Talente: Die luxemburgischen Unternehmen fordern die Regierung zu größeren Anstrengungen auf. Zwar ist es um die luxemburgische Wirtschaft derzeit nicht so schlecht bestellt: Um 2,8 Prozent dürfte die Wirtschaft laut Statistikamt Statec im Jahr 2019 wachsen. 2020 soll die Konjunktur dann seiner Berechnung zufolge auf 2,4 Prozent leicht abbremsen. 

Carlo Tehlen: "Den Unternehmen steht 2020 ein schwieriges Jahr bevor."
Carlo Tehlen: "Den Unternehmen steht 2020 ein schwieriges Jahr bevor."
Foto: Anouk Antony

Trotz dieser Schwächephase ist eine Rezession aus heutiger Sicht nicht zu befürchten. Dennoch sieht die Handelskammer vielfältigen Handlungsbedarf für die Regierung, um Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand nachhaltig zu sichern. "Wir durchlaufen derzeit eine Phase, in der die luxemburgische Wirtschaft sich nicht nur im Abschwung befindet, sondern auch erhebliche strukturelle Defizite aufweist", stellt Carlo Thelen, Direktor der Luxemburger Handelskammer, fest. 

Den Unternehmen stehe dadurch 2020 "ein schwieriges Jahr" bevor. Das Problem ist, dass viele Unternehmen in wirtschaftlich unsicheren Zeiten dazu tendieren, weniger zu investieren. "Wer negativ eingestellt ist, wird weniger für Innovation, Digitalisierung und Weiterbildung ausgeben. Das ist aber nicht der richtige Weg", warnt Thelen. 

1. Fachkräftemangel bekämpfen 

Vorbeugen könnte die Politik nach Meinung der Handelskammer zum Beispiel, in dem sie gezielte Maßnahmen gegen den viel diskutierten Fachkräftemangel entwickelt. "Die Knappheit von Fachkräften wird in der Wirtschaft immer mehr zum Risikofaktor", sagt Ökonom Marc Wagener. 

Mehr als 90 Prozent der Luxemburger Unternehmen sind einer Studie zufolge vom Fachkräftemangel betroffen. 54 Prozent haben gar "große Probleme", die passenden Mitarbeiter zu finden. "Gezielte Maßnahmen, insbesondere in Bezug auf Flexibilität sowie kontinuierliche Aus- und Weiterbildung können durchaus eine positive Wirkung haben", so Wagener.

2. Digitalisierung vorantreiben

Handlungsbedarf gibt es zudem beim digitalen Wandel. Zwar haben die meisten Unternehmen Fortschritte im Bereich digitaler Technologien vorzuweisen, dennoch sehen viele Führungskräfte bei ihren Unternehmen noch Nachholbedarf. 44 Prozent denken, dass sie noch mehr Fachkenntnisse, Aus- und Weiterbildung brauchen, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden. "Die Unternehmen müssen stärker für den digitalen Wandel unterstützt werden. Es ist wichtig, sowohl Führungskräfte als auch Mitarbeiter zu sensibilisieren", meint dazu Marc Wagener. 


Handelskammer setzt klare Prioritäten
Fachkräftemangel, digitale Zukunft, Internationalisierung: Diese Themen müssen laut Handelskammer Priorität haben.

3. Firmenpleiten

Auch gegen die zahlreichen Firmenpleiten muss die Politik aktiv werden. Das Insolvenzgesetz kommt seit 2013 nicht voran, was angesichts der zunehmenden Firmenpleiten nicht nachvollziehbar ist. "Wir brauchen dringend Lösungsansätze", meint Marc Wagener im Blick auf die jüngsten Zahlen von Firmenpleiten in Luxemburg: 628 Insolvenzen gab es im ersten Semester 2019, das entspricht einem Zuwachs von 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 

Die Handelskammer schlägt demnach konkrete Maßnahmen vor: "Ein Unternehmer muss nach einer ersten Insolvenz eine zweite Chance bekommen. Denn: Scheitern kann auch eine wertvolle Erfahrung sein", argumentiert Wagener. Das Luxemburger Insolvenzgesetz sollte sich an die europäische Regelung anpassen, welche insolventen Unternehmern eine zweite Chance und Unternehmen in finanziellen Schwierigkeiten den frühzeitigen Zugang zu präventiven Restrukturierungsrahmen erleichtert. 

Zudem sollen Insolvenzen bei großen und kleinen Unternehmen differenziert betrachtet werden. "Für kleine und mittlere Unternehmen sollen die Prozeduren um einiges vereinfacht werden."

4. Aktionsplan für kleine und mittlere Unternehmen

Die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) spielen eine wesentliche Rolle in Bezug auf das wirtschaftliche Wachstum und die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Der Sektor zählt fast 32.000 Unternehmen und beschäftigt derzeit nahezu 210.000 Personen – das entspricht mehr als der Hälfte der Arbeitsstellen des Landes. Ein wichtiger Schritt im Jahr 2020 wird das Inkrafttreten des fünften Aktionsplans für kleine und mittelständische Betriebe sein. Beihilfemaßnahmen, administrative Prozesse und Freiflächen sollen noch besser an die Bedürfnisse der Unternehmen angepasst werden. 


Bastien Larue und Serge Allegrezza blicken weniger optimistisch in die Zukunft.
Wachstum in Luxemburg bremst ab
Das Statistikamt Statec erwartet für nächstes Jahr nur noch einen Zuwachs von 2,4 Prozent.

5. "Transversale Umweltpolitik"

Der ökologische Wandel ist ein enormer Kraftakt und zugleich eine große Chance für Luxemburgs Wirtschaft. Sie erfordert ein gewaltiges Innovations- und Investitionsprogramm. Vor allem muss die Politik laut Marc Wagener "den richtigen Rahmen setzen". Soll heißen: eine "transversale Umweltpolitik", die mit den Verpflichtungen und Orientierungen der anderen Ministerien im Einklang steht. Die Handelskammer fordert ebenfalls eine Bündelung und effiziente Abwicklung der administrativen Prozesse durch einen zentralen Ansprechpartner, einen sogenannten Front Office. 

6. Kohärente Raumplanung

Im Bereich Raum- und Stadtplanung fordert die Handelskammer eine "kohärente Strategie", in der "die wirtschaftliche Entwicklung im Mittelpunkt steht". 

7. Wettbewerbsfähige Steuerpolitik

Schließlich soll die Regierung die Wettbewerbsfähigkeit des luxemburgischen Steuersystems verbessern. Insbesondere muss "die Berechenbarkeit in Steuerfragen, der Dialog und das Vertrauen zwischen Unternehmen und Verwaltung wiederhergestellt werden". 


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