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Luxemburg bleibt Spitzenreiter auf der Schiene
Wirtschaft 3 Min. 08.07.2022
Verkehr

Luxemburg bleibt Spitzenreiter auf der Schiene

Luxemburg investiert seit Jahren kräftig in das Netz von Eisenbahn und Tram.
Verkehr

Luxemburg bleibt Spitzenreiter auf der Schiene

Luxemburg investiert seit Jahren kräftig in das Netz von Eisenbahn und Tram.
Foto: Gerry Huberty
Wirtschaft 3 Min. 08.07.2022
Verkehr

Luxemburg bleibt Spitzenreiter auf der Schiene

Uwe HENTSCHEL
Uwe HENTSCHEL
Das Land investierte 2021 im europäischen Vergleich am meisten in das Netz: 607 Euro pro Einwohner.

Bei den Investitionen in das Schienennetz steht Luxemburg im europaweiten Vergleich weiterhin ganz oben. Laut den aktuellen Zahlen, die vom deutschen Verkehrsbündnis Allianz pro Schiene und der Unternehmensberatung SCI Verkehr ermittelt wurden, hat Luxemburg im vergangenen Jahr 607 Euro pro Einwohner in die Schieneninfrastruktur investiert. Das Land liegt damit weit vor der Schweiz mit 413 Euro und Norwegen mit 315 Euro. 

Nach wie vor weit abgeschlagen ist hingegen Frankreich. Dort wurden lediglich 45 Euro pro Kopf für das Schienennetz ausgegeben, womit das Nachbarland den letzten Platz im Ranking der insgesamt zwölf aufgeführten Länder belegt. Deutschland liegt mit 124 Euro ebenfalls weit unten auf dem neunten Platz, konnte aber zumindest gegenüber den Vorjahren (2019: 76 Euro, 2020: 88 Euro) ordentlich aufholen.

Spitzenreiter ist aber - genau wie auch in den Vorjahren - Luxemburg. Passend dazu ist die Reaktion aus dem zuständigen Ministerium. „Ich freue mich, dass wir es erneut geschafft haben, unseren Spitzenplatz zu verteidigen“, sagt dazu Mobilitätsminister François Bausch. „Dies unterstreicht den Willen Luxemburgs, die Verkehrswende voranzutreiben“, so Bausch.

Wesentlicher Bestandteil dieser Verkehrswende ist der Nationale Mobilitätsplan für den Zeitraum bis 2035, der dafür sorgt, dass Luxemburg wahrscheinlich auch in den kommenden Jahren das Ranking dominieren wird. Bei der Verkehrsplanung spielt nämlich die CFL eine zentrale Rolle. Deren Infrastruktur soll bis 2035 deutlich ausgebaut werden.

Zu den im Mobilitätsplan aufgeführten Projekten zählen Erweiterungen der Gleise bei Petingen im Südwesten sowie der Trasse in Richtung Trier im Osten. Zudem werden die beiden Zugstrecken Richtung Belgien im Westen und Norden ausgeweitet, einschließlich des Abzweigs nach Diekirch. Auch die beiden Gleisstränge, die vom Knotenpunkt Bettemburg nach Frankreich führen, werden erweitert. Die Arbeiten zwischen Bettemburg und der Hauptstadt sollen noch bis 2028 laufen

Ein weiteres Großprojekt ist die Tram. Bis 2024 erfolgt die Verlängerung der Trasse bis zum Flughafen und zum Stadion. Und bis 2028 soll auch die Trasse zwischen Luxemburg und Esch/Alzette fertig sein.


Die Arlonerstrasse soll vom Durchgangsverkehr befreit werden. / Foto: Frank WEYRICH
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Während Luxemburg also weiter kräftig investiert, blickt die Allianz pro Schiene wenig optimistisch auf die Situation in Deutschland. Denn der dort deutliche Anstieg der Pro-Kopf-Investitionen gegenüber dem Vorjahr um fast 80 Prozent signalisiert nicht etwa den Beginn einer großen Schienen-Offensive, sondern basiert laut Allianz pro Schiene „in Teilen auf einem Sondereffekt“. 

So seien die von Bund im Zusammenhang mit dem Klimaschutzprogramm 2030 bereitgestellten Mittel für die Eigenkapitalerhöhung der Deutschen Bahn AG in 2021 nachträglich auch für das Jahr 2020 ausgezahlt worden. 

„Nach diesem Sondereffekt ist ein erneutes Zurückfallen Deutschlands bei den Pro-Kopf-Investitionen im Jahr 2022 bereits vorprogrammiert“, sagt dazu Dirk Flege, Geschäftsführer des Verkehrsbündnisses, mit Verweis auf den deutschen Haushaltsplan für das laufende Jahr. „Das passt weder zu den ambitionierten Zielen des jetzigen Koalitionsvertrages noch zur weiter steigenden Verkehrsnachfrage auf der Schiene“, so Flege. 

Und auch bei der Digitalisierung des Schienennetzes hinkt das Nachbarland anderen europäischen Staaten hinterher, wie die aktuelle Studie „ETCS Development until 2030 in Europe“  zur Ausbaudynamik der Digitalisierung europäischer Bahnnetze zeigt. Demnach plant Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern bis 2030 kaum nennenswerte Maßnahmen und verfehlt sein selbstgestecktes Ziel deutlich, bis 2035 die kompletten Bundesschienenwege mit dem European Train Control System (ETCS) auszurüsten. 

Das luxemburgische Schienennetz ist laut CFL seit vier Jahren mit dem ETCS Level 1 ausgestattet. Und auch andere Länder wie Belgien, Dänemark oder die Schweiz haben ihre Hausaufgaben längst gemacht haben und ermöglichen damit einen durchgängigen Verkehr in Europa.

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