Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Luxemburg bekommt ein Innovationszentrum für "Space Resources"
Wirtschaft 3 Min. 04.08.2020

Luxemburg bekommt ein Innovationszentrum für "Space Resources"

Das Innovationscentre soll Forschung und Entwicklung rund um Weltraumfragen ankurbeln.

Luxemburg bekommt ein Innovationszentrum für "Space Resources"

Das Innovationscentre soll Forschung und Entwicklung rund um Weltraumfragen ankurbeln.
Foto: NASA
Wirtschaft 3 Min. 04.08.2020

Luxemburg bekommt ein Innovationszentrum für "Space Resources"

Thomas KLEIN
Thomas KLEIN
Das "Luxembourg Institute of Science and Technology" (LIST) wird das neue Innovationszentrum für "Space Resources" beherbergen. Die Forschungseinheit soll ihre Arbeit noch dieses Jahr in Beles aufnehmen.

In seinem Bestreben, zu einem international anerkannten Zentrum für den Abbau von Rohstoffen im Weltall zu werden, geht Luxemburg den nächsten Schritt. Am Dienstag verkündeten Wirtschaftsminister Franz Fayot und Forschungsminister Claude Meisch bei einer Pressekonferenz, dass noch in diesem Jahr ein Innovationszentrum für „Space Resources“ seine Arbeit aufnehmen soll. 

Das Projekt mit dem Namen „European Space Resources Innovation Centre“ (ESRIC) soll am „Luxembourg Institute of Science and Technology“ (LIST) in Beles angesiedelt werden. Eine entsprechende Vereinbarung wurde gestern unterzeichnet. „Wir haben lange überlegt, wie wir möglichst schnell mit dem neuen Forschungs- und Innovationszentrum loslegen können. Dass wir das ESRIC beim LIST ansiedeln, kommt daher, dass dort bereits Kompetenzen und Ausrüstung für Aktivitäten in diesem Bereich vorhanden sind“, sagte Franz Fayot. Der Minister nannte hier insbesondere die Materialforschung im LIST sowie die Arbeiten zur Sensor- und Raumfahrttechnik. 

Offen für Kooperationen 

Das ESRIC ist das nächste Puzzlestück bei dem Versuch, ein glaubwürdiges “Ökosystem“ für diesen Industriezweig in Luxemburg aufzubauen. Nach der Gründung der „Luxembourg Space Agency“ im September 2018, hatte die Universität im vergangenen Jahr verkündet, dass sie einen Masterstudiengang mit einem Schwerpunkt auf Raumfahrt einrichtet. Im Januar diesen Jahres beteiligte sich der luxemburgische Staat schließlich mit 26 Millionen an der Risikokapitalgesellschaft Orbital Ventures, die Start-ups aus der Weltraumbranche mit Kapital versorgen soll. 


ESA
Weltraum-Bergbau zum Anfassen
Luxemburg gründet „Space Resources Innovation Center“ in Partnerschaft mit Europäischer Weltraumorganisation.

Die Einrichtung eines Forschungs- und Innovationszentrums für den Bereich „Space Resources“ erscheint also nur folgerichtig. Denn das ESRIC soll nicht nur eigene Forschung zu der Frage betreiben, wie Rohstoffe im Weltall abgebaut werden können. Die Einrichtung soll vielmehr seine Forschungsinfrastruktur auch privaten Firmen aus dem Sektor und europäischen Universitäten zur Verfügung stellen und damit als zentraler Knotenpunkt für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema dienen. 

Beide Minister betonten, dass internationale Kooperation und die Zusammenarbeit der verschiedenen luxemburgischen Institutionen im Zentrum der „Space Resources“-Initiative stehen müssen, damit diese erfolgreich sein kann. So betont auch Thomas Kallstenius, der Chef des LIST, dass „Open Innovation“ zu den Grundprinzipien des neugegründeten Centres gehören soll. Dass ein Innovationszentrum sich derart privaten Unternehmen und anderen Forschungseinrichtungen öffnet, sei bisher einmalig, betont der Minister. „Das gibt es in dieser Form nicht in Europa“, so Fayot. 

Materialforschung im Mittelpunkt 

Das Startbudget von 20 Millionen Euro für die nächsten drei Jahre ist durchaus üppig. Davon kommen acht Millionen aus dem Wirtschaftsministerium, weitere acht von der European Space Agency (ESA), mit der Luxemburg bereits 2019 in Sevilla ein Kooperationsabkommen geschlossen hatte, drei Millionen Euro steuert das LIST bei. Der Rest soll durch projektgebundene Förderung vom Nationalen Forschungsfonds FNR kommen. Mit dem Geld soll unter anderem ein neues Labor für die Forschungsaktivitäten aufgebaut werden. So stellt die ESA eine Vakuumkammer zur Verfügung, in der Materialien unter den im Weltall herrschenden Bedingungen getestet werden können.


Jan Wörner
ESA-Chef: „Für Luxemburg lohnt es sich offensichtlich, Visionen zu haben“
Ein Gespräch mit ESA-Generaldirektor Jan Wörner über die Rolle der Raumfahrt in der Covid-Krise und Luxemburgs Ambitionen im Weltraum.

Thomas Kallstenius betont, dass die Forschungsarbeit sich zunächst vor allem den Bereich Materialwissenschaft konzentrieren wird. „Die Fragen, wie man im Weltraum Sauerstoff gewinnt oder Raketentreibstoff herstellt, sind alle eng mit den Materialwissenschaften verbunden“, sagt der CEO des LIST, der aber auch davon ausgeht, dass die Arbeit seiner Forscher einen direkten Nutzen für normale Erdenbürger mit sich bringt. „Natürlich geht es bei ESRIC um Innovationen bei den „Space Resources“, aber wir werden bei unserer Arbeit immer auch ein Auge auf Anwendungen auf der Erde haben“, so der Wissenschaftler. 

 Das ESRIC, für das ein Direktor noch rekrutiert werden muss, wird sich zunächst als eigene Abteilung beim LIST etablieren. Die nächsten drei bis fünf Jahre werden als die Aufbauphase des neuen Innovationszentrum angesehen, das bin diesem Zeitraum auf eine Belegschaft von 30 Mitarbeitern anwachsen soll. Danach könne man sich vorstellen, dass das ESRIC vom LIST abgespalten und als eigenständige Institution geführt wird, möglicherweise auch als Niederlassung der ESA in Luxemburg, erklärte Minister Fayot.

Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema