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Luxemburg: Autofahrer werden zur Kasse gebeten
Wirtschaft 6 Min. 05.02.2020

Luxemburg: Autofahrer werden zur Kasse gebeten

Der Abschied vom Tanktourismus hat begonnen: Billiger Sprit wird in absehbarer Zukunft der Vergangenheit angehören.

Luxemburg: Autofahrer werden zur Kasse gebeten

Der Abschied vom Tanktourismus hat begonnen: Billiger Sprit wird in absehbarer Zukunft der Vergangenheit angehören.
Foto: Gerry Huberty
Wirtschaft 6 Min. 05.02.2020

Luxemburg: Autofahrer werden zur Kasse gebeten

Pierre LEYERS
Pierre LEYERS
Fahrzeugsteuer, CO2-Steuer, höhere Spritpreise: Der Klimaplan verändert alles.

Wer beim Autofestival oder demnächst beabsichtigt, ein neues Auto zu kaufen, hat es schwer. Benzin, Diesel oder gar Elektro?

Welcher Motor und welche Form der Mobilität künftig am preisgünstigsten und am umweltschonendsten sein wird, kann derzeit niemand mit Sicherheit sagen. Der Dieselantrieb ist – ob zu Recht oder zu Unrecht – ein Auslaufmodell und auch Benziner sind vor Nachrüstung und Wertverlust nicht gefeit. Ob die Elektromobilität ein Heilsbringer oder ein vorübergehender Hype ist, darüber scheiden sich die Geister. Bei Reichweite und Ladezeiten, aber auch beim Recycling der Batterien besteht noch erheblicher Optimierungsbedarf.

Mit dem im Dezember vorgestellten Energie- und Klimaplan trägt die Regierung zur allgemeinen Verunsicherung bei. So jedenfalls sieht es der Luxemburger Automobilclub (ACL). Die einzelnen angekündigten Maßnahmen seien schlecht erklärt, die Konsequenzen ihrer Anhäufung schwer abzuschätzen, heißt es in der Zentrale des Mobilitätsdienstleisters in Helfenterbruck.

Die Luft verschmutzen ist künftig nicht mehr gratis: 2021 kommt die CO2-Steuer.
Die Luft verschmutzen ist künftig nicht mehr gratis: 2021 kommt die CO2-Steuer.
Foto: LW-Archiv

 „Was das alles zusammen den Autofahrer am Ende kosten wird, wird nicht gesagt“, moniert ACL-Generaldirektor Jean-Claude Juchem. Den Maßnahmenkatalog sieht er als Flickwerk, das nicht zusammenhängt, und eigentlich nur ein lauwarmer Kompromiss zwischen Koalitionspartnern darstellt.


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Kleine Schritte
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Von allen Änderungen, die Automobilisten betreffen, kommt die Umstellung des Messverfahrens, mit dem der Verbrauch von Neufahrzeugen festgestellt wird, am ehesten. Durch das neue Testverfahren WLTP (siehe Kasten) dürfte die Autosteuer in zahlreichen Fällen empfindlich steigen.

Auch die CO2-Steuer wird sich empfindlich an der Zapfsäule bemerkbar machen, ist aber als Teil der Steuerreform erst für 2021 vorgesehen. Eine allgemeine Reform der Autosteuer ist ebenfalls erst für das kommende Jahr geplant.

Ab dem kommenden 1. März werden neue Fahrzeuge nur noch zugelassen, wenn Emissionen und Verbrauch nach dem neuen WLTP-Messverfahren ermittelt wurden. Das wird für die Mehrzahl aller Fahrzeugmodelle einen um 20 bis 25 Prozent höheren Treibstoffverbrauch und Schadstoffausstoß bedeuten. Weil die Ergebnisse bei diesem Prüfverfahren realistischer als beim alten, bisher üblichen NEFZ-Verfahren sind, erhöht sich für viele Modelle die Steuer. 

Elektrautos haben den Durchbruch noch nicht geschafft: Derzeit sind 2100 Stromer in Luxemburg angemeldet.
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Foto: dpa

Das kann zu der kuriosen Situation führen, dass bei zwei technisch absolut identischen Modellen, der Autobesitzer, dessen Fahrzeug nach dem 1. März zugelassen wird, zum Teil deutlich mehr Steuer zahlt als der Besitzer, der noch im Februar sein Auto zulassen ließ. Der Automobilclub geht von maximalen Mehrkosten in Höhe von 200 Euro aus pro Fahrzeug aus. Einen Impakt auf die Verringerung des CO2-Ausstoßes durch diese Maßnahme sieht der ACL nicht.

Obwohl es noch zu früh ist, eine endgültige Bilanz der 56. Ausgabe des Autofestivals zu ziehen, berichten Händler von stagnierenden, gar rückläufigen Verkäufen. Warum die Regierung genau zu Beginn des Festivals die Umstellung auf die neue Testnorm bekanntgab und damit für zusätzliche Verunsicherung bei potenziellen Käufern sorgte, ist vielen Händlern schleierhaft.

ULC: Autofahrer sind Milchkuh der Nation

Der Luxemburger Konsumentenschutz ULC sieht in der Einführung des neuen Testverfahrens eine Mehrbelastung der Verbraucher, die zu „einer willkommenen Milchkuh der Nation degradiert werden“. In einer Mitteilung führt die ULC zwei Beispiele an für die mögliche Erhöhung der Fahrzeugsteuer an:

  • Ein Automobil verbraucht laut NEFZ-Messung 6,1 bis 6,9 l/100 km und stößt 138 bis 157 Gramm CO2 pro Kilometer aus. Laut WLTP sind dies nun 6,3 bis 7,6 l/100 km und 142 bis 171 g/km. Statt 113,04 Euro/Jahr sind bei einer Neuanschaffung ab März 143,64 Euro fällig; eine Erhöhung von 32,13 Euro.
  • Bei einem Kraftstoffverbrauch von 3,8 bis 5,6 l/100 km und Emissionen von 100 bis 128 g/km wird das Fahrzeug nun mit einem Kraftstoffverbrauch von 4,8 bis 5,6 l/100 km und Emissionen von 126 bis 181 g/km klassifiziert. Statt 96,12 Euro sind dann 162,90 Euro fällig – ein Plus von 66,78 Euro.

So wie der Automobilclub stört sich auch der Konsumentenschutz an der Aneinanderreihung der auf die Automobilisten zukommenden Preiserhöhungen, zu denen sich eine CO2-Steuer und eine weitere Erhöhung der Treibstoffpreise hinzu gesellen wird.


Lokales, Elektrische Busse in Luxemburg Stadt, Bus, Mobilität, Electro, Elektro, Foto: Lex Kleren/Luxemburger Wort
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Für künftige Besitzer von Hybrid-Autos könnte die Einführung des Verfahrens WLTP (erst ab dem 1. Juni 2020) mit einer Überraschung einhergehen. Ein Teil der mit Hybridtechnologie ausgestatteten Fahrzeuge könnte wegen der strengeren Kriterien nicht mehr in die Kategorie „Niedrigemission“ fallen. Die Kaufprämie von 2 500 Euro für Fahrzeuge mit einem Ausstoß von bis zu 50 Gramm pro Kilometer kann für sie nicht mehr beansprucht werden. Hybridmodelle dürften somit sicherlich in diesem Jahr nicht interessanter werden.

Kohlendioxid kostet künftig Geld

Der gesamte Transportbereich trägt in Luxemburg zu 64,4 Prozent des gesamten CO2-Ausstoßes bei. Kein Wunder, dass die Regierung in diesem Bereich den Hebel ansetzt, um das erklärte Ziel, Luxemburg bis 2050 klimaneutral zu machen, zu erreichen.


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Wesentliches Instrument soll dabei die CO2-Bepreisung sein. Eine solche Umweltsteuer war im Koalitionsvertrag nicht vorgesehen, weshalb sie schon im Vorfeld für Aufregung sorgt. Nichtregierungsorganisationen verlangen, sie müsse „sozial gerecht“ sein. Die Handelskammer wiederum bringt eine Rückerstattung eines Teils der geplanten Steuer nicht nur an sozial Schwache, sondern auch an die Unternehmen ins Spiel, als Anreiz, weniger fossile Treibstoffe zu verbrauchen.

Mit Eintritt der geplanten Steuerreform soll ab dem kommenden Jahr auch auf jede Tonne CO2-Äquivalente eine Steuer von 20 Euro fällig werden. 2022 und 2023 kämen jeweils fünf Euro hinzu.

Die Regierung erhofft sich durch die neue Steuer Einnahmen in Höhe von 100 bis 150 Millionen Euro im Jahr, wobei die Hälfte dieser Summe für einkommensschwache Haushalte über Steuerkredite kompensiert werden soll.

Der Automobilclub geht von einer Mehrbelastung durch die CO2-Steuer von bis zu 200 Euro pro Haushalt im Jahr aus. Die angepeilten 30 Euro pro Tonne CO2-Äquivalent hält der ACL für zu niedrig, um die Pariser Klimaziele zu erreichen.

Der Verein verweist auf Schweden, das schon seit 1991 erfolgreich eine Steuer auf den Ausstoß von Kohlendioxid erhebt. In dem skandinavischen Land liegen derzeit die Kosten dafür, eine Tonne CO2 in die Luft zu pusten, bei 115 Euro.

Ob zu tief oder zu niedrig, in Luxemburg werden die Autofahrer ab dem kommenden Jahr die Wirkung der CO2-Steuer an der Zapfsäule bemerken. Um die fünf Cent pro Liter dürfte der Sprit dadurch teurer werden.


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