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Luxemburg als Tor zu Europa
Wirtschaft 4 4 Min. 28.01.2020 Aus unserem online-Archiv

Luxemburg als Tor zu Europa

Pro Jahr produziert die Firma RAK 28 Millionen Porzellanstücke, davon werden mehr als ein Drittel in Europa verkauft. Und zwar vom europäischen Hauptsitz aus – Luxemburg.

Luxemburg als Tor zu Europa

Pro Jahr produziert die Firma RAK 28 Millionen Porzellanstücke, davon werden mehr als ein Drittel in Europa verkauft. Und zwar vom europäischen Hauptsitz aus – Luxemburg.
Foto: Pierre Matgé
Wirtschaft 4 4 Min. 28.01.2020 Aus unserem online-Archiv

Luxemburg als Tor zu Europa

Mara BILO
Mara BILO
Was Unternehmen aus den Emiraten nach Luxemburg lockt, zeigt das Beispiel des Porzellanherstellers RAK. Die Firma hat im Oktober ihr neues Logistikzentrum in Bettemburg eröffnet.

Ob in Hotels, Restaurants oder gar Krankenhäuser – weltweit sind die Teller, Tassen und Gläser des Porzellanherstellers RAK bekannt. Die Produktionsstätte befindet sich in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) – genauer genommen in Ras al-Khaimah, eines der sieben Emirate. Dafür steht auch der Firmenname: „RAK“ ist die Abkürzung von „Ras al-Khaimah“. Pro Jahr produziert die Firma 28 Millionen Porzellanstücke, davon werden mehr als ein Drittel in Europa verkauft. Und zwar vom europäischen Hauptsitz aus – Luxemburg.

Angefangen hat das Europageschäft der Firma mit Claude Peiffer. Der 1951 geborene Luxemburger blickt auf eine mehr als 20 Jahre lange Berufserfahrung beim Keramikhersteller Villeroy & Boch zurück. Als er Anfang der 2000er-Jahre als Berater arbeitete, kam er in Kontakt mit der Geschäftsleitung der Firma RAK, die in den europäischen Markt einsteigen wollten. „Es ging alles sehr schnell“, erinnert sich Peiffer. „Ich wurde gefragt, ob ich nicht das Europageschäft übernehmen möchte. Eigentlich wollte ich etwas weniger arbeiten – daraus wurde nichts“, sagt er schmunzelnd.

Der Chef der europäischen Niederlassung, Claude Peiffer.
Der Chef der europäischen Niederlassung, Claude Peiffer.
Foto: Pierre Matgé

Von Alzingen nach Bettemburg


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Im Jahr 2006 eröffnete RAK ein 60 Quadratmeter großes Büro in Alzingen mit nur drei Mitarbeitern. „Wir haben bei Null anfangen“, sagt Peiffer. „Die Konkurrenz war hart; auch chinesische Firmen sind zu diesem Zeitpunkt in das Porzellangeschäft eingestiegen.“ Aber es hat geklappt – nur ein Jahr später zog das Unternehmen in ein neues Bürogebäude von 200 Quadratmetern um; damals war die Mitarbeiterzahl schon auf zehn gestiegen. „Unsere Büros wurden schnell zu eng.“ Im Jahr 2010 musste das Unternehmen aufgrund des fehlenden Büroraums wieder umgesiedelt werden. „In Windhof, neben der belgischen Grenze, haben wir unser erstes selbstverwaltete Lager gemietet“, erklärt der Chef der europäischen Niederlassung.

Die Lage in Bettemburg ist besonders vorteilhaft für uns.

Claude Peiffer

Im Jahr 2017 kam schließlich der letzte Umzug in der kurzen Geschichte der Firma: RAK kündigte bei einer Wirtschaftsmission in den VAE eine Investition von 7,5 Millionen Euro an, um ein eigenes Logistikzentrum in Bettemburg zu bauen. Das Grundstück in der Aktivitätszone Krakelshaff wurde der Firma von der Regierung vermietet. Die Bauarbeiten dauerten etwa ein Jahr; das nagelneue Gebäude konnten die RAK-Mitarbeiter im Oktober des vergangenen Jahres beziehen. Letztendlich musste mehr Geld in den Neubau fließen; die gesamten Kosten belaufen sich auf etwa zwölf Millionen Euro. „Die Lagerhalle ist 5 500 Quadratmeter groß, die Bürofläche 800 Quadratmeter“, so Peiffer.

Heute beschäftigt die Firma 60 Mitarbeiter, davon mehr als die Hälfte in der Lagerhalle. Für das laufende Jahr wird RAK voraussichtlich zehn Millionen Porzellanteile über Luxemburg abwickeln. Ein rasantes Wachstum: 2015 waren es noch sieben Millionen Stücke, 2010 fünf Millionen. RAK stellt Porzellan insbesondere für die Hotel- und Gastronomiebranche her – in Europa ist Frankreich der größte Markt für die Firma, danach folgt Polen.

Ein attraktiver Wirtschaftsstandort


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„RAK hat sich damals für den Standort Luxemburg entschieden, weil das Großherzogtum schlicht ein attraktiver Wirtschaftsstandort ist“, erklärt Claude Peiffer den Schritt, das Europageschäft von Luxemburg aus aufzubauen. „In weniger als 500 Kilometern befinden sich die wichtigsten Knotenpunkte für den Handel.“ Die aktive Wirtschaftspolitik Luxemburgs, die gute geografische Lage, die politische und soziale Stabilität, die qualifizierten und mehrsprachigen Arbeitskräfte sowie die Tatsache, dass Luxemburg zu einer Drehscheibe im Frachtverkehr geworden ist – das sind nur einige Gründe, die die Firma nennt, um den Standort Luxemburg als Europasitz zu begründen.

„Auch die Lage in Bettemburg ist besonders vorteilhaft für uns“, sagt Peiffer. Jeden Tag kommt ein Container mit 40 000 Porzellanstücken am Hafen Antwerpen in Belgien an. „Von dort aus werden die Waren meist per Zug bis nach Bettemburg gebracht“, erklärt der Firmenchef.

Für die Zukunft will Claude Peiffer das Europageschäft weiter ausbauen. Sein Ziel ist es, 13 bis 14 Millionen Prozellanteile in Europa pro Jahr zu verkaufen. An Platz mangelt es in Bettemburg nicht; dort können 10 000 Paletten gleichzeitig gelagert werden.


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