"Luxembourg Science Center"

Für die Wissenschaft begeistern

Von Laurent Schmit

Die „Groussgasmaschinn“ steht im Zentrum und am Anfang des „Luxembourg Science Center“ (LSC). 2007 wurde der größte jemals gebaute Verbrennungsmotor unter Denkmalschutz gestellt. Nicolas Didier, der Initiator des LSC, setzte sich mit vier Mitstreitern vom „Train 1900“ zusammen.

Ihr Ziel: die Maschine auf dem Werksgelände von ArcelorMittal in Differdingen erhalten und dem Publikum zugänglich machen. Zum Konzept gehörte auch die „Gaszentraal“ – das Gebäude, das für die Maschine errichtet wurde.

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Mehr als nur industrielles Erbe

Doch Nicolas Didier sah ein Problem: „Wer die Maschine einmal gesehen hat, der wird nicht nochmals kommen.“ Die Herausforderung war und ist demnach, um die „Groussgasmaschinn“ herum ein attraktives Umfeld zu schaffen. Ab 2010 arbeitete Didier deshalb am Konzept eines Wissenschafts- und Technikzentrum rund um dieses industrielle Erbe.

Von einer „genialen Idee“ spricht Marc Schmitz, der Generalsekretär des „Fonds national de la Recherche“ (FNR). Seine Institution unterstützte 2014 das Projekt mit 200 000 Euro, um die ersten Inhalte zu schaffen.

An jeder Station wird ein Experiment gezeigt, das eine physikalische Eigenschaft oder etwa die Funktionsweise von Robotern veranschaulicht. Nicolas Didier und sein Team wollen damit Kinder und Jugendliche für die technischen und naturwissenschaftlichen Berufe begeistern.

Didier sieht da in Luxemburg Nachholbedarf. Studienfächer in den Bereichen Informatik, Ingenieurswissenschaften, Mathematik und Naturwissenschaften haben lediglich 18 Prozent der Studenten gewählt, die 2015 eine Studienbeihilfe erhielten. Damit liegt Luxemburg unter dem EU-Durchschnitt von einem Viertel.

Die erste Phase steht

25 Experimente hat das Team des LSC bereits entworfen. Sie werden ab September 2017 in der früheren „Léierbud“ von ArcelorMittal in Differdingen zu sehen sein. Auf 3 000 Quadratmeter sollen dann vor allem Schulklassen mithilfe einer spielerischen Pädagogik Wissenschaft entdecken können.

Die Finanzierung steht dank staatlicher und europäischer Beihilfen und der Unterstützung von 20 Luxemburger Unternehmen. Die Fondation André und Henriette Losch etwa steuert dieses Jahr bis zu 250 000 Euro bei, für den Themenbereich Autos.

Währenddessen arbeitet Didier weiter an seinem Traum, das Wissenschaftszentrum in der Halle rund um die „Groussgasmaschin“ Realität werden zu lassen. Didier hofft auf 2022, wenn Esch Kulturhauptstadt werden will. Doch: „Bisher haben wir nur die Maschine“, erklärt Didier Premierminister Xavier Bettel, der das Projekt am Montag besuchte.

Gleichung mit vielen Unbekannten

Die Halle gehört weiterhin ArcelorMittal. Carlo Koepp, der Direktor des Differdinger Standortes bremst den Enthusiasmus von Didier. „Die Details sind nicht geregelt, denn es gibt mehrere Interessenten für die Halle“, so Koepp. ArcelorMittal wolle den Perimeter des Werksgeländes nicht verändern und so sei unklar wie die Besucher zur Halle gelangen.

Im Gespräch ist ein Zugang über die Straße in Richtung Niederkorn. Der Premier stellt eine Diskussion mit ArcelorMittal in Aussicht, um ein Lösung zu finden. Didier hofft, dass bis Jahresende Klarheit herrscht.

Auch die Finanzierung ist alles andere als gesichert. Xavier Bettel sicherte zu, die Frage innerhalb der Regierung zu diskutieren. Eine Finanzierung aus dem Budget des Kulturministeriums sei schwierig, so ein Sprecher. Schmitz sieht das FNR höchstens als einen Partner unter mehreren.

Doch ein „Science Center“ wird wohl auch eine Gleichung mit mehreren Unbekannten lösen können.