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Luxaviation: Luxusfliegerei rund um die Welt
Wirtschaft 6 Min. 16.11.2019

Luxaviation: Luxusfliegerei rund um die Welt

Patrick Hansen gründete 2008 zusammen mit zwei Geschäftspartnern Luxaviation.

Luxaviation: Luxusfliegerei rund um die Welt

Patrick Hansen gründete 2008 zusammen mit zwei Geschäftspartnern Luxaviation.
Foto: Anouk Antony
Wirtschaft 6 Min. 16.11.2019

Luxaviation: Luxusfliegerei rund um die Welt

Marco MENG
Marco MENG
Luxemburger Anbieter von Privat- und Geschäftsflügen verkauft Wartungsgeschäft und setzt auf VIP-Tourismus.

„Viele Leute haben eine falsche Vorstellung davon, was Luxaviation ist und was wir tun“, sagt Patrick Hansen, Chef des Unternehmens, das inzwischen weltweit zweitgrößter Anbieter von Privat- und Geschäftsflügen mit kleinen Maschinen ist. 

Das Unternehmen verfügt heute über eine Flotte von 250 Flugzeugen; es ist aber nicht so, dass Luxaviation diese Flugzeuge besitzt. Von der ursprünglichen Idee, Flugzeuge zu besitzen und zu vermieten, hat sich Luxaviation getrennt. 

„Das war eine Dummheit“, sagt Hansen heute. Geschäft von Luxaviation sei vielmehr, die Flugzeuge zu betreiben und Flüge damit zu managen. „Tatsächlich besitzen wir derzeit noch zwei Flugzeuge, die wir verkaufen wollen“, so Hansen. 

Fünf Prozent der Flotte, die Luxaviation verwaltet, schaut in Luxemburg vorbei, so wie diese Bombardier.
Fünf Prozent der Flotte, die Luxaviation verwaltet, schaut in Luxemburg vorbei, so wie diese Bombardier.
Foto: Pierre Matgé

Dass Luxaviation überhaupt Flugzeuge besitzt kommt daher, dass diese im Bestand von Unternehmen waren, die Luxaviation in den letzten Jahren übernommen hatte, zum Beispiel Abelag in Belgien. 

Hansen gründete 2008 zusammen mit zwei Geschäftspartnern Luxaviation und übernahm 2010 die Geschäftsführung. Im Jahr zuvor hat das Unternehmen die AOC (Betriebsgenehmigung als Fluggesellschaft, „Air Operator Certificates“) erhalten und verfügte über ein Flugzeug, eine Cessna Citation XLS. 

Privat- und Businessjets managen 

Heute ist Luxaviation der größte Anbieter von Geschäfts- und Privatflugzeugreisen außerhalb der USA nach Netjets von Warren Buffett. Hansen legt Wert darauf, dass sich Luxaviation nicht mit Buffett vergleichen wolle. 

Aber auch das Geschäftsmodell der Unternehmen unterscheide sich grundlegend, wie Hansen betont: Netjets beispielsweise verkauft Anteile an der Flugzeugflotte. Anfangs schwebte Luxaviation ein ähnliches Geschäftsmodell vor, ist dann aber davon abgerückt und hat heute unter vier Geschäftsfelder als Hauptbusiness das Aircraft-Management, also die Verwaltung von Jets. 

Mit rund 20 Hubschraubern verfügt Luxaviation auch über die größte Flotte für VIP-Helokopterflüge.
Mit rund 20 Hubschraubern verfügt Luxaviation auch über die größte Flotte für VIP-Helokopterflüge.
Foto: Chris Karaba

„Viele Besitzer von kleinen Jets, seien es Privatleute, Institutionen oder Unternehmen, haben ein Problem“, erklärt Hansen. „Sie müssen Piloten finden, sie müssen für die Flugzeuginstandhaltung sorgen, sie müssen Flüge, Starts, Landungen, Tanken, organisieren.“ 

Zudem wird der Jet oft nur wenige Wochen im Jahr gebraucht und steht ansonsten ungenutzt im Hangar. „Da kommen die Leute zu uns“, so Hansen. „Wir nehmen deren Flieger in unsere Flotte auf und wir verwalten das alles gegen eine bestimmte Gebühr.“

Das senkt für die Flugzeugbesitzer die Fixkosten und in der Zeit, in der er das Gerät nicht braucht, setzt Luxaviation es nach Einverständnis des Besitzers ein, um Kunden – generell mit Flugbegleiter/in – von einem Ort zum anderen zu bringen. 

Das ist das zweite Standbein von Luxaviation: das Chartergeschäft. Damit verdient auch der Besitzer und Luxaviation hält eine Kommission ein. Fast die Hälfte der Flieger, die Luxaviation in der Flotte hat, wird ausgechartert. 

Das hat für die Besitzer der Flugzeuge auch zum Beispiel den Vorteil, dass wegen der großen Flotte und Einkaufsmenge niemand das Flugbenzin so billig bekommt wie Luxaviation. „Das gleiche gilt für Versicherungen oder Training für Piloten“, sagt Hansen.

Auch andere, kleine Anbieter von Privatjetflügen kaufen darum bei Luxaviation das Kerosin und nehmen Dienstleistungen von Luxaviation in Anspruch.

Luxaviation Lounges 

Ein drittes Geschäftsfeld von Luxaviation ist das Betreiben von Terminals für VIP-Jets an Flughäfen. Dazu gehört Abfertigung, Tanken, Parken, die Crew versorgen. 

28 solcher Terminals besitzt Luxaviation, andere betreibt Luxaviation auf langjährige Konzessionen. „Wir sprechen dabei von Konzessionen, die über 25-30 Jahre laufen“, sagt Hansen. 

Mit dem Kauf von Abelag 2013 kam dieses Geschäftssegment hinzu. Abelag hatte damals das VIP-Terminal in Brüssel, Luxaviation betreibt inzwischen 56 solcher Terminals an vielen Flughäfen auf der ganzen Welt. „Das ist der profitabelste Geschäftszweig von allen“, sagt Hansen. 

Um die Dienstleistungskette abzurunden kam vor anderthalb Jahren ein weiteres Geschäft hinzu: der VIP-Helikopter-Service. Das fügt sich gut in die anderen Geschäftsbereiche ein: Denn Leute, die ein Flugzeug haben, haben auch eine Jacht und zu der kommt man am einfachsten mit einem Helikopter. 

Mit 20 Hubschraubern verfügt Luxaviation damit über die größte VIP-Helikopter-Flotte der Welt. 

Abschied vom Wartungsgeschäft 

Ein Geschäft, auf welches das Unternehmen einst große Hoffnung setzte, hat Luxaviation aufgegeben. 15 Wartungshangars besaß Luxaviation. Im März verkauften die Luxemburger ihr Wartungsgeschäft an den Falcon-Hersteller Dassault in Frankreich; auch der letzte verbliebene Hangar in Dubai wird demnächst von Dassault übernommen. 

„Für uns ein sehr gutes Geschäft“, sagt Hansen. Auch für den Flugzeughersteller, der dadurch sein „Flugzeug als Dienstleistung“-Angebot ausbauen kann. 

Es soll sich um einen neunstelligen Betrag handeln, den Luxaviation damit einnimmt; erheblich günstiger hatte Luxaviation die Sparte erworben. Das Geschäft warf laut Hansen Profit ab. Auf der anderen Seite ist es genau das Segment, in das Flugzeugbauer wie Dassault reindrängen. 

Die Flugzeuge, die Luxaviation verwaltet, besitzt das Unternehmen nicht. Knapp die Hälfte wird für Charterflüge eingesetzt.
Die Flugzeuge, die Luxaviation verwaltet, besitzt das Unternehmen nicht. Knapp die Hälfte wird für Charterflüge eingesetzt.
Foto: Pierre Matgé

Satt mit den Herstellern zu konkurrieren will Luxaviation sich lieber auf die eigentliche Strategie konzentrieren. Und die fasst Hansen so zusammen: „Wir verkaufen aus einer Hand luxuriösen Transport.“ Das Wartungsgeschäft passt da nicht mehr dazu.

Da mit größeren Flugzeugtypen natürlich mehr verdient wird als mit kleinen, hat sich Luxaviation auch bemüht, entsprechend die Flotte aufzustellen. Große Flugzeugtypen wie die Falcon 8X erlauben es Luxaviation, auch Nonstop-Flüge zwischen London und Peking durchzuführen. 

London, Genf, Paris und Nizza sind die Orte, die von Luxaviation am häufigsten angeflogen werden, wobei die früher oft gebuchte Strecke Moskau-Nizza heute weniger geflogen wird. Stattdessen haben sich Dubai, gefolgt von Sidney und Johannesburg stark entwickelt. Auch in Mexiko fliegt Luxaviation viel. 51 Prozent des Umsatzes macht Luxaviation aber nach wie vor in Europa. 

Besitzverhältnisse 

„Wir sind eine Aktiengesellschaft und gehören zu 33 Prozent der chinesischen Gruppe Minsheng Investment, die restlichen 70 Prozent gehören Investoren aus Luxemburg oder Belgien“, erklärt Hansen und schmunzelt: „Extrem ernüchternd für Leute, die Skandale suchen.“ 

Er weist damit Berichte zurück, die von Beteiligungen von Karibikfirmen sprechen. Die chinesischen Investoren waren 2015 eingestiegen und hatten damit das Kapital mitgebracht, mit dem Luxaviation den Wettbewerber Execujet übernommen hatte und damit an die Weltspitze aufgestiegen war.

Gewachsen ist das Unternehmen durch Zukäufe, die durch Darlehen, Kapitalaufnahme auf dem Anleihemarkt oder neue Aktionäre wie die Minsheng Investment-Gruppe finanziert wurden. 


François Pauly tritt Verwaltungsrat von Luxaviation Group bei
Der Präsident von La Luxemburgeoise und Verwaltungsratschef von Saint-Paul Luxembourg wird nun auch Verwaltungsratsmitglied der Chartergesellschaft.

Im laufenden Jahr rechnet Hansen mit einem Umsatz von etwa 600 Millionen Euro, wovon rund 85 Millionen vom Wartungsgeschäft stammen, und einem Bruttogewinn von etwa 25 Millionen Euro. 2018 erwirtschaftete Luxaviation bei einem Umsatz von 558 Millionen Euro einen EBITDA (Gewinn vor Steuern und Abschreibungen) von 21,7 Millionen Euro. 

Die Bilanz für 2018 weist aufgrund der hohen Investitionen am Ende zwar einen Fehlbetrag von 17 Millionen Euro aus, aber Hansen betont den Cashflow: „Der ist positiv“, sagt er, „und wir haben keinerlei Probleme, unsere Verbindlichkeiten zu bedienen.“ 

Die Kunden von Luxaviation sind vermögende Privat- oder Geschäftsreisende oder auch die Musikbranche. Nicht zuletzt darum hat Luxaviation ein Büro in Miami eröffnet, wenn auch nur mit einem Mitarbeiter, der die Flüge organisiert. „Rockbands sind gute Kunden“, bemerkt Hansen. 

Es gibt übrigens auch bei Luxaviation eine „No-Flight-List“ mit Namen von Kunden, die die Gesellschaft nicht mehr fliegen will. „Man kann sich in einem Flugzeug auf viele Arten falsch benehmen“, meint Hansen. „Zwischen Ticketpreis und Dummheit gibt es nicht unbedingt eine Korrelation.“ 

Nächstes Ziel: die Dienstleistungskette weiterspinnen bis hin zu „Amazing Trips“, Luxustourismus also, wozu geplant ist, mit einer Partnerfirma ein Joint-Venture zu gründen. „Der erste Test in diesem Segment war überaus erfolgreich“, sagt Hansen. 


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