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Luxair: „Wir sind in der Lage, das durchzustehen“
Wirtschaft 5 Min. 19.03.2020

Luxair: „Wir sind in der Lage, das durchzustehen“

Glaubt nicht, dass die Krise Ende April schon vorbei ist: Luxair-Chef Adrien Ney.

Luxair: „Wir sind in der Lage, das durchzustehen“

Glaubt nicht, dass die Krise Ende April schon vorbei ist: Luxair-Chef Adrien Ney.
Foto: Guy Jallay
Wirtschaft 5 Min. 19.03.2020

Luxair: „Wir sind in der Lage, das durchzustehen“

Marco MENG
Marco MENG
Für die meisten der mehr als 3.000 Mitarbeiter von Luxemburgs Airline ist nun Kurzarbeit angesagt - ab Montagabend bleiben die Maschinen am Boden, erklärt Luxair-Chef Adrien Ney.

Adrien Ney, am Montagabend wird am Luxemburger Flughafen der Personentransport eingestellt. Was ist mit den Reisenden, die jetzt noch unterwegs sind? 

Vor einer Woche hatten wir noch 2.900 Passagiere von LuxairTours in den Destinationen. Die sind alle bis Sonntagabend wieder in Luxemburg. Es kann dennoch sein, dass wir gewisse „Flight only“-Passagiere nicht erreichen konnten, weil wir ihre Daten nicht haben, da sie vielleicht über andere Kanäle gebucht haben. Aber sonst sind alle zurück. Für sonstige Flugpassagiere haben wir diese Woche schon verschiedenste Repatriierungsflüge gemacht, und am Montag werden wir die letzten Passagiere zurück nach Luxemburg bringen. 

Das heißt, dann stehen alle Luxair-Flugzeuge am Boden? 

Ja, außer wenn noch ein Bedarf wäre für spezielle Flüge auf Nachfrage der Regierung. Aber sonst steht unsere ganze Flotte am Boden. 

 Wir haben jetzt Kurzarbeit beantragt.

Und Sie wissen nicht, für wie lange? 


26.9. Wi / Findel / Flughafen / Luxair Services / Flugzeuge / Luftfahrt  Foto:Guy Jallay
Luxair: ein letzter Flug am Montag
Die letzten der 2.900 Passagiere von LuxairTours, die letzte Woche noch in ihren Reisezielen waren, hat die Luxair bis Sonntag zurückgeholt, so Luxair-Chef Adrien Ney im "Wort"-Interview.

Nein. Für LuxairTours sind die Flüge zumindest bis zum 30. April storniert, bei der Airline bis 19. April. Dabei haben wir bei LuxairTours ein doppeltes Problem. Bei gewissen Ländern wie Griechenland fängt die Saison erst Ende April an, und wir wollen nicht das Risiko für die Kunden eingehen, dass sie früher fliegen und es dann Probleme gibt. 

Darum schauen wir uns jeden Morgen neu an, was sich tut. Es ist eine außergewöhnliche Situation. Ich glaube nicht, dass die Krise Ende April vorbei sein wird. Klar ist, dass der Tourismus sofort nach der Krise wieder anziehen wird, vielleicht Juni, Juli. Das Fluggeschäft der Airline wird aber langsamer anlaufen. Geschäftsreisende werden vor September, Oktober kaum zu den Flugzeugen zurück kommen, das ist meine persönliche Einschätzung. 

Und wie sieht es mit dem Cargogeschäft aus? 

LuxairCargo macht das Frachthandling am Flughafen Findel. Die erste Sparte, die vom Corona-Virus bei uns betroffen war, war LuxairCargo. Im Januar hatten wir auf einmal von einer Woche zur anderen minus 20 Prozent im Vergleich zum Jahr vorher. 

Das hat sich dann Ende Februar umgedreht, als viele interkontinentale Passagierflugzeuge nicht mehr geflogen sind. In der ersten Märzwoche lag darum das Frachtgeschäft etwa fünf Prozent unter dem Volumen in der Hochsaison. 

Das müssen Sie erklären. 

Ein gewisser Teil der Luftfracht wird mit Passagiermaschinen mittransportiert, die aber jetzt überwiegend am Boden stehen. Im Augenblick profitiert die Cargoairline-Industrie von diesem Grounding der Verkehrsflugzeuge. 


Container trucks arrive at the Port of Long Beach on August 23, 2019 in Long Beach, California. - President Donald Trump hit back at China on August 23, 2019, in their mounting trade war, raising existing and planned tariffs in retaliation for Beijing's announcement earlier in the day of new duties on American goods. (Photo by Frederic J. BROWN / AFP)
Ein Virus sucht die globalisierte Wirtschaft heim
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Wie lange das anhält, wissen wir aber nicht, zumal ja auch die Autofabriken schließen. Aber im Augenblick boomt das. 

Das Problem nun ist die fehlende Manpower. Normalerweise haben wir für die Hochsaison sechs Monate Vorlauf, um uns vorzubereiten. Jetzt aber haben wir 35 Prozent weniger Personal durch den „Congé familiales“, durch Krankheit, durch Teilzeitkräfte, die nicht kommen können. Darum sind wir nun dabei, mit Kunden wie Cargolux, Qatar und andere zu schauen, was können wir annehmen, was nicht. Priorität haben natürlich Pharma und Lebensmittel. 

Dass Ihre Maschinen nun aber nicht mehr fliegen, bedeutet, dass Luxair Verlust macht? 

Ja, das ist so. Das ist besonders traurig deswegen, weil wir mit LuxairTours dieses Jahr den besten Start in der Unternehmensgeschichte hatten. Nach der „Foire Vakanz“ lagen wir 20 Prozent über dem Vorjahr. Das hat sich mit Ausbruch des Corona-Virus dramatisch verändert, während wir im Airlinegeschäft schon ein bisschen früher spürten, dass die Buchungen zurückgegangen sind. Ungewiss ist, wie lange das dauert. Wir haben darum jetzt Kurzarbeit beantragt, für März und für April. Wie andere Fluggesellschaften auch werden wir in der Zeit, in der die Maschinen stehen, gravierende Verluste haben. 

 Nicht alle werden überleben.

Und wie lange könnten Sie das denn durchhalten? Bei der Lufthansa überlegt man, nach Staatshilfe zu ersuchen. 

Wir haben Reserven, die es uns ermöglichen, schwierige Monate zu überstehen. Wir denken darum momentan nicht daran, Staatshilfe zu beantragen. Ich bin aber sicher, dass es kleine Touroperator gibt, die das nicht überleben werden. Es ist eine äußerst schwierige Situation, und ich kann mir vorstellen, dass es auch für gewisse Länder nun einen Vorwand gibt, um ihre Gesellschaften zu verstaatlichen. 

Aus Ihren Worten schließe ich, dass dieser Einbruch jetzt nicht nur eine kleine Delle in der Geschichte der Luftfahrt ist, sondern die Branche verändert? 

Ja. Wir haben zwei Aufgaben: die Krise zu managen, dazu gehört die Sicherheit von Kunden und Personal, sowie den ökonomischen Teil zu bewältigen. Und dann müssen wir auch denken, was kommt nach der Krise? Wie wird es nach der Krise aussehen? Welche Fluggesellschaften werden überleben? Welche Touroperator? Ich weiß es nicht, aber vielleicht bietet uns die Krise auch Chancen. Diese Überlegungen machen wir ebenso. Es wäre ja unverantwortlich, einfach nur die Krise auszusitzen. Ich denke, die Luftfahrt wird sich dramatisch verändern. Nach der Krise 2001 waren die Schwachen verschwunden. Ich glaube, diesmal werden auch viele großen, gut gemanagten, ohne Staatshilfe nicht überleben.


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