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Luxair schickt 600 Mitarbeiter zur Umschulung oder in Frührente
Wirtschaft 3 Min. 07.10.2020

Luxair schickt 600 Mitarbeiter zur Umschulung oder in Frührente

Der Luftfahrt-Sektor steckt in der Krise: Am Mittwoch starteten und landeten in Luxemburg 19 Linienmaschinen - deutlich weniger als zu normalen Zeiten.

Luxair schickt 600 Mitarbeiter zur Umschulung oder in Frührente

Der Luftfahrt-Sektor steckt in der Krise: Am Mittwoch starteten und landeten in Luxemburg 19 Linienmaschinen - deutlich weniger als zu normalen Zeiten.
Foto: Guy Jallay
Wirtschaft 3 Min. 07.10.2020

Luxair schickt 600 Mitarbeiter zur Umschulung oder in Frührente

Marco MENG
Marco MENG
Luxemburgs Airline wird von Reisebeschränkungen und Strukturproblemen schwer getroffen. Mitarbeiter werden mit einer „cellule de reclassement“ aufgefangen.

Bereits geraume Zeit bestehen bei der Luxair strukturelle Probleme, so deren neuer Chef Gilles Feith, wodurch das Unternehmen nun mit der Pandemie in eine „schlimme Krise“ geraten sei. Das Unternehmen arbeite nun an einem Zukunftsplan bis 2023, der in Kürze den Aktionären vorgelegt wird.

Er beinhaltet auch die Einrichtung einer „cellule de reclassement“ (Auffanggesellschaft), um Mitarbeiter an andere Unternehmen weiterzuvermitteln. 

„Für die Luxair sind keine Staatshilfen nötig“, erklärte am Mittwoch dazu Mobilitätsminister François Bausch. Diesen Oktober muss der Minister bei der EU-Kommission in Brüssel vorstellig werden, um die Genehmigung für Hilfen für den Luxemburger Luftfahrtsektor zu erhalten. „Wir erzielten mit den Gewerkschaften und allen Beteiligten eine prinzipielle Einigung und Klarheit darüber, wie die Situation bei der Luxair ist“, so Bausch. 

Demnach müssten bei Luxair 600 Arbeitsplätze - je dreihundert aus konjunkturellen und strukturellen Gründen - abgebaut werden, vorübergehend. Sie werden nicht in die Arbeitslosigkeit entlassen, betont Bausch, sondern über die nächsten drei Jahre Umschulungen und Weiterbildungen erfahren. Mit der Hoffnung, dass sich der Luftfahrtsektor in drei Jahren wieder erholt hat. Einige der betroffenen Mitarbeiter sollen frühverrentet werden. Wegen der hohen Zahl der Betroffenen muss das Gesetz zur „cellule de reclassement“angepasst werden.

Auf der anderen Seite wird der Kollektivvertrag bei Luxair um drei Jahre verlängert, wobei die Gehälter eingefroren werden. Gehaltserhöhungen gibt es damit keine, abgesehen von etwaigen Indextranchen. 

Im August fanden laut „Administration de la navigation aérienne“ im Land nur 40 Prozent der Flugbewegungen vom Vorjahr statt. Gestern zählte der Findel 19 Starts und Landungen – sonst sind es an einem Oktober-Wochentag um die 30. Das spüren Luxair, Luxairport und die ganze Logistikbranche an ihren Einnahmen.

Die enormen Rückgänge bei Passagieren lassen die Erträge schrumpfen. Luxair, Cargolux und Flughafen haben zusammen knapp 5.000 Mitarbeiter, nicht eingerechnet die Beschäftigten der vom Flughafen abhängigen Speditionsunternehmen und dem Tourismussektor. LuxairTours zählte eigenen Angaben nach in den letzten vier Wochen „mehr Stornierungen als neue Buchungen für Spanien-Ziele“, Hauptdestination für Urlaubsflüge.

Europaweit sind nach offiziellen Schätzungen rund sechs Millionen Arbeitsplätze akut bedroht, denn der Europäischen Organisation zur Sicherung der Luftfahrt (Eurocoltrol) zufolge liegt in Europa der Luftfrachtverkehr noch immer deutlich unter dem Volumen des Vorjahres. 

Reiseverkehr eingebrochen

In den Sommermonaten, in denen Luxair normalerweise vom Tourismus profitiert, haben die Reisebeschränkungen laut Luxair-Chef Feith das Unternehmen zehntausende Fluggäste und etwa 20 Millionen Euro Einnahmen im Vergleich zum Vorjahr gekostet. 


Wi , Tripartite Aviation , PK Centre de Conference , Richard Forson , Cargolux  , Foto:Guy Jallay/Luxemburger Wort
Luftfahrt-Tripartite: „Ein Maximum der Arbeitsplätze bewahren“
Luxair geht es nicht gut, Cargolux spürt sinkende Frachtraten, das Passagieraufkommen in Findel ist um 90 Prozent zurückgegangen: Staat, Unternehmensdirektionen und Gewerkschaften wollen Pläne erarbeiten, den Sektor zu stützen.

Luxair sieht für die Monate zwischen September und Dezember eine „starke Verschlechterung mit einem Niveau für Oktober, das derzeit 35 Prozent unter unserer ursprünglichen Prognose liegt“. „Wenn sich die Buchungen nicht verbessern, müssen wir die in unseren Reservierungssystemen für November und Dezember zum Verkauf stehende Kapazität um 40 bis 50 Prozent reduzieren“, so Feith. 

Die Airline verzeichnet einen Rückgang der Passagierzahlen um 69 Prozent, LuxairTours um 63 Prozent. LuxairCargo konnte hingegen bei den beförderten Tonnen zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr zulegen.

Hoffnungsschimmer Luftfracht

Besser als der Passagierverkehr läuft es also mit der Fracht: „Unsere Flugzeuge sind alle im Einsatz“, teilt Cargolux dazu mit. Die Luftfrachtgesellschaft profitiert unzweifelhaft von China, wo die Wirtschaft weitgehend wieder rundläuft. Weltweit gerechnet hat sich der Frachtverkehr besser erholt und liegt global gesehen zehn bis 15 Prozent unter dem Vorjahr.

Reine Luftfrachtcarrier wie Cargolux profitieren davon, das aktuell weniger Passagierflugzeuge fliegen und von diesen entsprechend weniger Waren mittransportiert werden. 

Der Mobilitätsminister wird in Kürze in Brüssel ein Investitionsprogramm für den Flughafen (Luxairport) abstimmen, wobei Bausch betont, es gehe dabei nicht Staatshilfen, sondern um zusätzliche Investitionen. Der Flughafen, der kommendes Jahr die Start- und Landebahn erneuert, sei nicht in der Krise, müsse aber momentan einen Einstellungsstopp verfügen.

Insgesamt rechne man damit, dass sich der gesamte Luftfahrtsektor vor Ende 2023 nicht erholt haben wird. Die prinzipielle Einigung vom Mittwoch soll in der kommenden Tripartite am 9. November unterzeichnet werden. Cargolux wird dann nicht dabei sein, „weil es nicht von Krise betroffen ist“, sagt Bausch.

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Wirtschaft, Die Lage in der Luftfrachbranche. Boom nur ein Strohfeuer, LuxairCargo, Luxair, Cargo, Cargolux, Frachtflugzeug, Coronavirus, COVID 19, foto: Chris Karaba/Luxemburger Wort