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Luftfahrt-Tripartite: „Ein Maximum der Arbeitsplätze bewahren“
Wirtschaft 3 Min. 14.07.2020

Luftfahrt-Tripartite: „Ein Maximum der Arbeitsplätze bewahren“

Vor dem Dreiergespräch am Dienstag: Der LCGB hat Mitarbeiter des Luftfahrtsektors versammelt und wirbt für Solidarität: „Für eine gemeinsame Zukunft der luxemburgischen Luftfahrt.“

Luftfahrt-Tripartite: „Ein Maximum der Arbeitsplätze bewahren“

Vor dem Dreiergespräch am Dienstag: Der LCGB hat Mitarbeiter des Luftfahrtsektors versammelt und wirbt für Solidarität: „Für eine gemeinsame Zukunft der luxemburgischen Luftfahrt.“
Foto: Anouk Antony
Wirtschaft 3 Min. 14.07.2020

Luftfahrt-Tripartite: „Ein Maximum der Arbeitsplätze bewahren“

Marco MENG
Marco MENG
Luxair geht es nicht gut, Cargolux spürt sinkende Frachtraten, das Passagieraufkommen in Findel ist um 90 Prozent zurückgegangen: Staat, Unternehmensdirektionen und Gewerkschaften wollen Pläne erarbeiten, den Sektor zu stützen.

Der Luftfahrtsektor ist in der Krise. Die Regierung wolle ihrer Verantwortung gerecht werden und ihren Beitrag dazu leisten, um die Beschäftigung im Sektor aufrechtzuerhalten und die Zukunft der Unternehmen zu sichern, so Mobilitätsminister François Bausch am Dienstag vor der Presse. 

Zuvor hatten sich nach zwei Stunden Diskussionen, die von Sozialpartnern als konstruktiv bezeichnet wurden, Luxair, Cargolux, Luxairport, der Staat und die Gewerkschaften darauf geeinigt, dass in den drei Betrieben Arbeitsgruppen eingesetzt werden, die bis 17. September eine Bestandsaufnahme durchführen und Pläne erarbeiten sollen, wie die Betriebe gestärkt werden können


Cargolux Cargo,  Boeing 747-8F, LX-VCH, Luxair , De Havilland Canada DHC-8-400, LX-LGF, Aéroport du Findel, Luxembourg, le 11 Octobre 2018. Photo: Chris Karaba
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Luxair, Luxairport, Cargolux: Angst um einen ganzen Sektor
Die Luftfahrtbranche ist schwer von der Corona-Krise getroffen, Arbeitsplätze sind in Gefahr. „Wenn nötig, muss der Staat intervenieren“, sagt der OGBL vor dem Tripartite-Treffen am Dienstag.

Bausch wies darauf hin, dass anders als der ebenfalls schwer von der Viruskrise getroffene Horesca-Sektor die Luftfahrt länger brauchen werde, sich wieder zu erholen. 

Auch Cargolux spürt sinkende Frachtraten 

Bislang kam Cargolux am besten durch die Krise: Das Geschäft hatte zwar die ersten beiden Monate des Jahres gestrauchelt, doch auch gerade wegen der Viruspandemie dann vom Luftfrachtboom profitiert. 

„Der Zenit ist aber überschritten“, sagte gestern Cargolux-Chef Richard Forson. Im ersten halben Jahr lag das Frachtgeschäft von Cargolux nur zwei Prozent unter dem des Vorjahres. 

  „Der Luxair geht es nicht gut“  

Anders sieht es bei Luxair aus: Hier ist die Zahl der Fluggäste in den ersten sechs Monaten des Jahres um 67 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen; die Buchungen bei LuxairTours sogar um 73 Prozent

„Der Luxair geht es nicht gut“, sagte denn auch der neue Luxair-Chef Gilles Feith. Investitionen seien nötig. Und die Situation werde nicht einfacher: Jetzt im Juli liegen die Buchungen wieder 50 Prozent unter denen vom Juni. Einzig der Gütertransport lief bei LuxairCargo bislang gut und erreichte im ersten Halbjahr fast das Volumen von 2019. 

Gilles Feith (re.), neuer Chef von Luxair: Gleichzeitig muss investiert und gespart werden.
Gilles Feith (re.), neuer Chef von Luxair: Gleichzeitig muss investiert und gespart werden.
Foto: Guy Jallay

Nun sind 30 Prozent der Luxair-Mitarbeiter in Kurzarbeit. „Das sind nicht nur finanzielle Einbußen für die betroffenen Mitarbeiter“, sagt Patrick Dury, Nationalpräsident des LCGB. „Das schürt auch Sorgen um die Sicherheit der Arbeitsplätze.“ 

Die zu halten und Entlassungen weitgehend zu vermeiden, sei das gemeinsame Ziel, so gestern die Sozialpartner. Auch der Flughafen in Findel muss wirtschaftliche Einbußen wegstecken: Im März sank das Passagieraufkommen um 60 Prozent; im April herrscht dann beim Personenflugverkehr Totalstillstand. 

Jetzt im Juni war das Fluggastaufkommen in Findel gerade einmal neun Prozent von dem, was der Airport im Juni des vergangenen Jahres verzeichnete. 

Mobilitätsminister François Bausch legt im Oktober in Brüssel die Pläne vor, wie Luxemburg seine Luftfahrtunternehmen unterstützen will.
Mobilitätsminister François Bausch legt im Oktober in Brüssel die Pläne vor, wie Luxemburg seine Luftfahrtunternehmen unterstützen will.
Foto:Guy Jallay

„Die Regierung weiß, dass die Luftfahrt für unsere Wirtschaft essenziell ist“, so Minister Bausch, „und ohne Flughafen würde unsere Ökonomie nicht funktionieren.“ 

Darum werde die Regierung alles tun, den Sektor zu stärken und Arbeitsplätze zu sichern. Bausch warnte aber auch: „Staatshilfen sind kein Wundermittel, um den Sektor zu retten.“ 

Momentan aber sind die Kriterien der Europäischen Union zu Staatshilfen für den Sektor angesichts der Krise gelockert, sodass man „den Zeithorizont dieses Jahr nutzen“ wolle – denn nach der Viruskrise, so ist sich Bausch sicher, „wird Brüssel die Schrauben auch wieder anziehen.“ 

Liegen die Vorschläge der Arbeitsgruppen am 17. September auf dem Tisch, werde man daraus ein Gesamtpaket schnüren, das Bausch dann am 15. Oktober der EU-Kommission zur Genehmigung vorlegen werde. Dem Sektor kommt jede Hilfe recht. 

Denn nach der finanziellen Durststrecke in diesem Jahr kommen wegen der zweijährigen Renovierung der Landebahn in Findel ab nächstem Jahr auf Luxair und Cargolux weitere Millionenkosten zu, die zum Teil auf andere Flughäfen ausweichen und Passagiere und Fracht von dort transportieren müssen; hinzu kommen zusätzliche Landegebühren. Es wird geschätzt, dass Flugplanänderungen zwischen Frühjahr 2020 und Herbst 2021 Luxair eine Million Euro kosten werden; für die Frachtgesellschaft Cargolux sollen es mehrere Millionen Euro sein. 

Verschieben könne man die Renovierung aber nicht mehr, so Flughafenchef René Steinhaus und Minister Bausch.


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Wirtschaft, Die Lage in der Luftfrachbranche. Boom nur ein Strohfeuer, LuxairCargo, Luxair, Cargo, Cargolux, Frachtflugzeug, Coronavirus, COVID 19, foto: Chris Karaba/Luxemburger Wort