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Luftfahrt: Delfin wird Luxair-Miteigner
Wirtschaft 3 Min. 14.12.2015

Luftfahrt: Delfin wird Luxair-Miteigner

Nachhaltigkeitsminister François Bausch präsentierte am Montag den neuen Eigentümer von Luxair. An seiner Seite befindet sich Giovanni Giallombardo, Mitglied im Delfin-Verwaltungsrat.

Luftfahrt: Delfin wird Luxair-Miteigner

Nachhaltigkeitsminister François Bausch präsentierte am Montag den neuen Eigentümer von Luxair. An seiner Seite befindet sich Giovanni Giallombardo, Mitglied im Delfin-Verwaltungsrat.
Foto: Thierry Labro
Wirtschaft 3 Min. 14.12.2015

Luftfahrt: Delfin wird Luxair-Miteigner

Nachdem sich die Lufthansa von ihrem Luxair-Aktienpaket getrennt hat, wurde am Montag das Geheimnis gelüftet, wer die 13-Prozent-Beteiligung übernimmt. Dahinter steht ein Multi-Milliardär aus Italien.

(ml/BB/TL/ks) - Am Montag wurde der Öffentlichkeit mitgeteilt, wer der neue Aktionär der nationalen Fluggesellschaft Luxair wird. Dabei handelt es sich um Delfin Finance. Der künftige Luxair-Miteigner, der am Morgen den Mitgliedern des parlamentarischen Ausschusses für nachhaltige Entwicklung vorgestellt wurde, übernimmt die 13 Prozent Anteile, die zuvor im Besitz der Lufthansa waren und später vom Staat provisorisch übernommen wurden.

Die Finanz-Holdinggesellschaft, die seit zehn Jahren in Luxemburg tätig ist und deren Sitz sich in der Rue de la Chapelle in Luxemburg-Stadt befindet, verwaltet hierzulande im Auftrag der erfolgreichen Mailänder Unternehmerfamilie Del Vecchio ein Vermögen von 20 Milliarden Euro.

Leonardo Del Vecchio, Selfmade-Milliardär aus Italien

Der 80-jähriger Italiener Leonardo Del Vecchio, der aus ärmlichen Verhältnissen stammte, gründete die Luxottica-Gruppe im Jahr 1961 und leitet sie seitdem. "Forbes" schätzt sein Vermögen auf 21,9 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 19 Milliarden Euro). Weltweit liegt er damit auf Rang 40 der reichsten Menschen und auf Platz zwei der wohlhabendsten Italiener nach Maria Franca Fissolo, Witwerin von Süßwarenfabrikanten Michele Ferrero.

Luxottica produziert Brillen und vertreibt diese in 130 Ländern. Zum Unternehmen zählen unter anderem die Optiker-Kette "Sungalss Hut", die vor allem in Nordamerika sehr präsent ist, sowie Marken wie Oakley und Ray-Ban. Zudem stellt die Firma Brillen für Luxusdesigner her, unter anderem für Armani, Dolce & Gabbana und Chanel. 2014 erzielte das Unternehmen nach eigenen Angaben Rekordeinnahmen. Der Umsatz lag bei 7,6 Milliarden Euro, der Nettogewinn bei 642 Millionen Euro. Es beschäftigt mehr als 77.700 Mitarbeiter.

Investition soll sich innerhalb von fünf Jahren auszahlen

Delfin ist unter anderem mit 61 Prozent an Luxottica beteiligt. Des Weiteren hält die Gesellschaft Anteile im Immobilien-, Banken- und Versicherungswesen. In der Luftfahrt war sie bis jetzt noch nicht tätig.

Eigenen Angaben zufolge will Delfin mit dem Einstieg in die Luxair ihre Beteiligungen weiter diversifizieren. Giovanni Giallombardo, der bei der Pressekonferenz Delfin vertrat, betonte, dass er trotz schwieriger Zeiten Vertrauen in die Zukunft der Luxair habe. Seinen Angaben zufolge sollen die getätigten Investitionen sich in fünf bis sechs Jahren auszahlen.

Bausch: "Kein Verlust für den Staat"

Nachhaltigkeitsminister François Bausch begrüßt die neue Partnerschaft. Delfin sei ein stabiler Investor, der Kontinuität gewährleiste. Der neue Luxair-Partner habe im Vorfeld des Deals die Initiative ergriffen und sich selbst an die Regierung gewandt. Die Gesellschaft habe dabei den Wunsch geäußert, sich über einen langen Zeitraum an die Luxair zu binden, so Bausch. Allerdings habe der neue Miteigner nicht vor, künftig sein Aktienpaket weiter aufzustocken.

Details über die Höhe der Transaktion verriet der Minister jedoch nicht. Er betonte lediglich, dass bei der Transaktion kein finanzieller Verlust für den Staat entstanden sei. Gleichzeitig bestätigte er, dass noch ein zweites Angebot vorlag, ohne jedoch nähere Einzelheiten zu nennen. 

Dadurch das Delfin kein industrieller Partner sei, bestehe keine Gefahr, dass sich der neue Player Insiderwissen beschaffe, um dieses zu einem späteren Zeitpunkt auf Kosten der Luxair zu nutzen, betonte François Bausch. Außerdem will die Regierung weiter nach industriellen Partnern Ausschau halten, um Partnerschaften aufzubauen, die für die Luxair von Nutzen sein könnten.

Gemischte Reaktionen

Nach der Sitzung der zuständigen Parlamentskommission fielen die politischen Reaktionen gemischt aus. Marco Schank äußerte sich vorsichtig. Der CSV-Abgeordnete hätte es bevorzugt, wenn der neue Luxair-Aktionär ein industrieller Partner gewesen wäre. Dennoch sei er froh, dass schnell gehandelt wurde.

Ähnliche Aussagen machten auch die übrigen Ausschussmitglieder. Gusty Graas zeigte sich erfreut "über die Zusage eines finanzkräftigen Partners". Mit Delfin habe die Luxair einen Partner an Land gezogen, der ihr keine Konkurrenz machen werde, sagte Georges Engel (LSAP). Der DP-Abgeordnete Max Hahn verkündete per Twitter: "Sichere Landung für die Luxair ... mit viel versprechendem neuen Partner an Bord."

Vergangenen Monat hatte der Luxair-Verwaltungsrat beschlossen, dass der luxemburgische Staat die 13 Prozent Anteile, die zuvor in den Händen der Lufthansa  waren, treuhänderisch übernimmt. Minister François Bausch stellte damals klar, dass es sich lediglich um eine provisorische Lösung handele und die Anteile noch in diesem Jahr weiter veräußert werden sollen. Bereits zuvor lag 39 Prozent des Luxair-Kapitals in den Händen des luxemburgischen Staates.


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