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Low-Cost bei Cargolux
Wirtschaft 3 Min. 21.01.2015 Aus unserem online-Archiv
Mehr Flieger für Cargolux Italia

Low-Cost bei Cargolux

Neben dem Ausbau von Cargolux Italia, sorgt auch das geplante Joint Venture mit HNCA bei den Gewerkschaften für Unruhe.
Mehr Flieger für Cargolux Italia

Low-Cost bei Cargolux

Neben dem Ausbau von Cargolux Italia, sorgt auch das geplante Joint Venture mit HNCA bei den Gewerkschaften für Unruhe.
Anouk Antony
Wirtschaft 3 Min. 21.01.2015 Aus unserem online-Archiv
Mehr Flieger für Cargolux Italia

Low-Cost bei Cargolux

Die luxemburgische Luftfrachtgesellschaft sieht den Transfer von bis zu drei Maschinen an ihre italienische Tochtergesellschaft vor. Danach sollen sie mitsamt italienischer Crew nach Luxemburg geleast werden.

(lb) - Cargolux plant für 2015 den Transfer von zwei oder drei seiner 20 Flugzeuge nach Italien. Dort solle die Tochtergesellschaft Cargolux Italia Piloten nach italienischem Recht einstellen und die Maschinen nach Luxemburg zurückgeleast werden. Die Flugstrecken sollen, wie bis jetzt, von 
Luxemburg aus geflogen werden. Dies bestätigte Cargolux-CEO Dirk Reich dem „Luxemburger Wort“. Das Vorhaben soll nächste Woche im Verwaltungsrat grünes Licht bekommen.

„Es geht darum, die Crew-Kosten zu verringern, ohne Flüge aus Luxemburg zu verlagern“, erklärte der CEO. Anders als noch vor einem Jahr angekündigt, sei es nicht mehr das Ziel, die Flugstrecken aus Italien aktiv auszubauen, sondern sie von Luxemburg aus zu betreiben und von billigeren Produktionskosten zu profitieren. Italienische Piloten dürfen beispielsweise 20 Prozent länger fliegen als luxemburgische. Letztes Jahr hatte Cargolux Italia bereits 25 neue Piloten eingestellt. Unumgänglich sei diese Strategie auf jenen Fluglinien, auf denen die Frachtfirma zur Zeit Verluste einfährt, nämlich Südafrika und Lateinamerika.

„Outsourcing des höchsten Grades“

„Dem Personal erkläre ich das Vorhaben mit der Notwendigkeit, Geld zu verdienen und zu vermeiden, dass wir die Flugstrecken auf den zwei Kontinenten schließen müssen. Es geht uns darum, Arbeitsplätze abzusichern“, so Reich. Demnach hängen an jeder Fluglinie 100 direkte Arbeitsplätze. Auch wenn von Entlassungen nicht die Rede sei, wird dies dennoch Auswirkungen auf die Beförderungsmöglichkeiten des luxemburgischen Personals haben, gestand er. Dies müsse in den Tarifverträgen festgelegt werden. Abhilfe könnten unter anderem jene zwei Flugzeuge schaffen, die die Cargolux-Gruppe für das kommende Jahr bestellt hat. Wie und wo sie eingesetzt werden, bleibt dem CEO nach abzuwarten. Doch bestätigte er: „Die Aktivität in Luxemburg soll weiter profitabel ausgebaut werden“.

Zu einem solchen Vorhaben befragt, warnen die Gewerkschaften vor Sozialdumping. „Das ist ein absoluter Skandal und Outsourcing des höchsten Grades. Wir können nur strengstens verurteilen, dass billigere Piloten unter schlechteren Arbeitsbedingungen auf den eigenen Flugzeugen eingestellt werden“, klagt Aloyse Kapweiler vom LCGB. Die Gewerkschaften werden das nicht so hinnehmen können. Damit sei das Wachstum der italienischen Tochtergesellschaft, aber nicht das von Luxemburg gesichert. Eine solche Strategie werfe zudem Fragen zu möglichen Bedrohungen für Mechaniker und das restliche Bodenpersonal auf.

Weitere luxemburgische Aktionäre in Joint Venture?

Für weiteren Unmut sorgt zur Zeit das geplante Joint Venture mit der Henan Civil Aviation Development and Investment Company (HNCA). Demnach ist die Gründung einer neuen Fluggesellschaft in China geplant. Derzeit, bestätigt Dirk Reich, plant Cargolux, 25 Prozent der Anteile zu kaufen. Auch wenn die Beteiligung von HNCA noch nicht genau feststehe, liege sie nach letztem Stand bei 51 Prozent. 24 Prozent suchen noch einen Käufer. „Wir würden die Möglichkeit begrüßen, wenn der der luxemburgische Staat oder andere Aktionäre von Cargolux mit einsteigen würden“, verriet der CEO.

Die Association luxembourgeoise des pilotes de ligne (ALPL) weist ihrerseits bereits auf mögliche Risiken einer solchen Partnerschaft hin: „Wir befürchten, dass die Chinesen nicht an einer langfristigen Existenz der Cargolux in Luxemburg interessiert sind und ihre eigene Ziele verfolgen“, warnt Dirk Becker, Generalsekretär der ALPL.

Eine Entscheidung zu den Aktienbeteiligungen könnte schon die nächsten Tage in China fallen, wo Infrastrukturminister François Bausch am Mittwoch seine Dienstreise beginnt. Auch wenn das Gemeinschaftsunternehmen nicht offiziell auf der Agenda steht, wird es in den Kulissen sicherlich weiter verhandelt werden. Ob auch noch andere Aktieninhaber von Cargolux an der Reise beteiligt sind und eventuell an den Gesprächen des Joint Ventures teilnehmen könnten, wollte Dirk Reich nicht kommentieren.


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