Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Lob für EZB-Präsident zum Abschied - Draghi fordert „mehr Euro“
Wirtschaft 1 2 Min. 28.10.2019 Aus unserem online-Archiv

Lob für EZB-Präsident zum Abschied - Draghi fordert „mehr Euro“

Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier, die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und der scheidende EZB-Chef Mario Draghi.

Lob für EZB-Präsident zum Abschied - Draghi fordert „mehr Euro“

Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier, die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und der scheidende EZB-Chef Mario Draghi.
Foto: AFP/Silas Stein
Wirtschaft 1 2 Min. 28.10.2019 Aus unserem online-Archiv

Lob für EZB-Präsident zum Abschied - Draghi fordert „mehr Euro“

EZB-Präsident Mario Draghi ist nicht unumstritten. Während seiner Amtszeit hat die Notenbank die Zinsen zum Leidwesen der Sparer praktisch abgeschafft. Doch zu seinem Abschied gibt es viel Lob.

(dpa) - Führende europäische Politiker haben die Verdienste des scheidenden EZB-Präsidenten Mario Draghi für den Euroraum gewürdigt. „Du hast den Euro durch unruhige See navigiert“, sagte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montag anlässlich eines Festaktes in der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt. 

Draghi habe den gemeinsamen Währungsraum erfolgreich durch die Euro-Schuldenkrise geführt, die Unabhängigkeit der EZB bewahrt und die Währungsunion gestärkt. Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron betonte, Draghi habe für die Menschen in Europa gehandelt.

Europas scheidender oberster Währungshüter forderte: „Es ist Zeit für mehr Euro und nicht für weniger.“ Europa müsse stärker werden. „In einer globalisierten Welt bedeutet geteilte Souveränität mehr Souveränität.“ Europa müsse sein Schicksal in die eigenen Hände nehmen. „Risiken zu teilen kann helfen, Risiken zu verringern“, mahnte Draghi.

Lagarde steht als Ablösung bereit

Zum 1. November löst die Französin Christine Lagarde den 72-Jährigen an der Spitze der Notenbank ab. Die EZB bekommt damit erstmals eine Chefin.

Draghi hatte die Eurozone im Sommer 2012 in der tiefsten Krise ihrer jungen Geschichte mit dem Versprechen, „die EZB wird alles tun, um den Euro zu retten“ („Whatever it takes“) stabilisiert.

360 Videos werden hier nicht unterstützt. Wechseln Sie in die Youtube App, um das Video anzusehen.

Der frühere deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“ (Montag), die Aussage sei in jenem Augenblick entscheidend gewesen, um die Märkte zu stabilisieren. EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker lobte, Draghi sei es damit gelungen, Ruhe und Zuversicht zu verbreiten.

Der heutige Bundestagspräsident Schäuble verneinte, dass er und Draghi Gegner gewesen seien. Beide hätten sie unterschiedliche Aufgaben gehabt und sie seien nicht immer einer Meinung gewesen, sagte Schäuble. Ihr persönliches Verhältnis sei aber gut gewesen, und er habe Draghi und die Unabhängigkeit der Zentralbank stets respektiert.

Alle Register gezogen

Im Kampf gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche im Währungsraum mit seinen mittlerweile 19 Mitgliedstaaten hatte Europas oberster Währungshüter alle Register gezogen: Nullzins, Negativzinsen für geparkte Gelder von Banken und milliardenschwere Anleihenkäufe. Im September verschärfte die EZB ihren Anti-Krisen-Kurs noch einmal – gegen heftige Widerstände und zum Leidwesen von Sparern und Banken.

Foto: AFP/dpa/Boris Rössler

Die EZB habe immer im Rahmen ihres Mandats gehandelt, betonte Draghi. Kritiker meinen dagegen, dass die Notenbank mit ihrer ultralockeren Geldpolitik verbotenerweise Staatsfinanzierung und Wirtschaftspolitik betreibe.

Frankreich wieder an der Reihe

Lagarde, ehemals französische Finanzministerin und zuletzt Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), hat bereits Sympathie für eine Fortsetzung der ultralockeren Geldpolitik erkennen lassen. Allerdings will sie mögliche negative Folgen und Nebeneffekte des EZB-Kurses genauer in den Blick nehmen.

Mit Lagarde besetzt zum zweiten Mal seit Gründung der EZB im Juni 1998 Frankreich den Spitzenposten bei der gemeinsamen Zentralbank. Erster EZB-Präsident war der Niederländer Wim Duisenberg (1998-2003), es folgten der Franzose Jean-Claude Trichet (2003-2011) und der Italiener Draghi (seit 1. November 2011).


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Die Konjunkturaussichten für den Euroraum haben sich eingetrübt. Internationale Handelskonflikte, politische Unsicherheiten und der Brexit belasten. Europas Währungshüter bauen jetzt vor.
Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), nimmt an der Pressekonferenz in der EZB-Zentrale teil.
Die Europäische Zentralbank (EZB) lässt sich mit dem Ausstieg aus ihrer ultralockeren Geldpolitik weiterhin Zeit. Zunächst halten die Währungshüter unverändert Kurs - ungeachtet drängender Forderungen nach einem Ende der Geldflut.
FILE PHOTO: The headquarters of the European Central Bank (ECB) are illuminated with a giant euro sign at the start of the "Luminale, light and building" event in Frankfurt, Germany, March 12, 2016.   EUTERS/Kai Pfaffenbach/File Photo
Mario Draghi sieht noch keinen Anlass für ein Ende der lockeren Geldpolitik der Notenbank. Obwohl die wirtschaftliche Erholung zunehmend auch auf eigenen Beinen stehe, sei es „zu früh, Erfolg auszurufen“.
Mario Draghi, President of the European Central Bank (ECB) speaks during a news conference at the ECB headquarters in Frankfurt April 4, 2017. REUTERS/Kai Pfaffenbach
EZB-Entscheidung am Donnerstag
Im Kampf gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche zieht die EZB auch ihr letztes Register. Umstritten bleibt, ob Staatsanleihenkäufe wirklich zum Erfolg führen.
Wie die Entscheidung sich auf die wirtschaftliche Entwicklung in der Eurozone auswirkt, bleibt abzuwarten.