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Liebe unter Kollegen: Was in Luxemburg erlaubt ist
Wirtschaft 5 Min. 14.02.2020

Liebe unter Kollegen: Was in Luxemburg erlaubt ist

Laut Statistiken hat jeder Fünfte sich schon mal in einen Kollegen verkuckt.

Liebe unter Kollegen: Was in Luxemburg erlaubt ist

Laut Statistiken hat jeder Fünfte sich schon mal in einen Kollegen verkuckt.
Foto: Shutterstock
Wirtschaft 5 Min. 14.02.2020

Liebe unter Kollegen: Was in Luxemburg erlaubt ist

Nadia DI PILLO
Nadia DI PILLO
Wie Unternehmen in Luxemburg mit Affären und Liebesbeziehungen im Büro umgehen.

Büropärchen sind in Luxemburg Alltag. Die meisten berichten von positiven oder vorurteilsfreien Reaktionen aus dem Arbeitsumfeld. Einige berichten dagegen von negativen Erfahrungen wie Getuschel oder Mobbing. Denn ganz unproblematisch ist die Liebe im Büro nicht. Wenn die beiden Kollegen eng zusammenarbeiten, kann sich Berufliches und Privates leicht vermischen. Frischverliebte können den Kollegen mit peinlichem Geturtel auf die Nerven gehen. Und zerbricht die Beziehung, kann ein Rosenkrieg den Betriebsfrieden stören. 

Manche Arbeitgeber sehen Liebesgeschichten am Arbeitsplatz daher mit kritischen Augen. Insbesondere US-Unternehmen reagieren empfindlich. Der CEO von McDonald's Steve Easterbrook musste vor zwei Monaten seinen Posten räumen, weil der 52-Jährige eine Beziehung zu einer Mitarbeiterin hatte. Nach Ansicht des Aufsichtsrats hat er "gegen die Unternehmensregeln verstoßen und ein schwaches Urteilsvermögen bewiesen, wozu auch die Beziehung zu einer Mitarbeiterin gehört", lautet die offizielle Stellungnahme von McDonald’s. 

Ist ein solches Verbot in Luxemburg möglich? Und dürfen Arbeitgeber Liebesbeziehungen unter Kollegen untersagen? 

Céline Petrini, Expertin für Arbeitsrecht bei RH Expert, ist kategorisch: "In Luxemburg ist die Liebe eine individuelle Freiheit. Arbeitnehmer haben das Recht, einander zu lieben. Der Arbeitgeber darf sich nicht in das Privatleben der Arbeitnehmer einmischen. Artikel 11 der luxemburgischen Verfassung garantiert den Schutz des Privatlebens, ebenso wie Artikel 12 des Gesetzes vom 11. August 1982."


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Wenn die Beziehung jedoch zu einer Störung oder einem Konflikt im Unternehmen führt, darf der Arbeitgeber Maßnahmen ergreifen. Allerdings muss er den Zusammenhang zwischen der Liebesbeziehung und die negativen Auswirkungen am Arbeitsplatz nachweisen können. "Wenn etwa eine Beziehung auseinandergeht und der Betriebsfrieden so gestört ist, dass die Arbeit massiv darunter leidet, dürfen Arbeitgeber notwendige Maßnahmen ergreifen", sagt Céline Petrini. "In diesem Fall greift nämlich das Privatleben in das Berufsleben ein." 

Generell gilt: Der Mitarbeiter muss die Trennung zwischen Berufs- und Privatleben respektieren. Der Arbeitgeber kann von den Liebespartnern verlangen, dass sie ihre Gefühle nicht demonstrativ zur Schau stellen. Zudem dürfen die Partner Mailaustausche oder interne Dokumente "nicht für andere als berufliche Zwecke missbrauchen". 

Rechtlich gesehen gibt es keine Verpflichtung, zu sagen, dass man mit einem Kollegen in einer Beziehung ist.

Was muss der Chef wissen?

Wenn aus einer Affäre eine ernsthafte Beziehung wird, gilt es schließlich zu überlegen, ob und wann das Paar die Beziehung öffentlich macht. "Rechtlich gesehen gibt es keine Verpflichtung, zu sagen, dass man mit einem Kollegen in einer Beziehung ist. Es hängt vom Willen jedes einzelnen Mitarbeiters ab, ob er dem Chef Bescheid gibt oder nicht." 

Allerdings gibt es Momente, in denen der Arbeitnehmer verpflichtet ist, seinen Arbeitgeber über Veränderungen in seinem Privatleben zu informieren, wie etwa bei einem Umzug, einer Hochzeit oder bei einem Antrag für Elternurlaub. 


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 In Finanzinstitutionen stellt sich zudem oft die Frage mit den Interessenkonflikten, sagt Marie Behle Pondji, Counsel bei Castegnaro – Ius Laboris Luxembourg. Hier gilt das Prinzip der chinesischen Mauer. Mit diesem Konzept werden Verfahren bezeichnet, die in Finanzhäusern eingeführt werden, um den Austausch vertraulicher Informationen zwischen den verschiedenen Abteilungen der Unternehmen zu verhindern. 

"In der Tat kann der Arbeitgeber ein Interesse daran haben zu wissen, ob seine Mitarbeiter liiert sind." Konkret kann er daher verlangen, dass ein Mitarbeiter seinen Chef darüber informiert. Laut Marie Behle Pondji haben einige Finanzinstitutionen solche Vorschriften tatsächlich eingeführt.

Getrennte Abteilungen 

Des Weiteren stellt sich die Frage, ob ein Arbeitgeber unter bestimmten Umständen Paare, die in derselben Abteilung arbeiten, räumlich trennen darf, zum Beispiel durch eine Versetzung in eine andere Abteilung. "In den Unternehmen kommt es oft vor, dass Arbeitgeber verlangen, dass Frischverliebte nicht in derselben Abteilung arbeiten. Das hängt allein vom Willen des Arbeitgebers ab. Letztendlich entscheidet jedes Unternehmen selbst, wie es mit den Liebesbeziehungen unter Kollegen umgehen will", sagt Petrini. 


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Dabei ist vor allem zu beachten, was in den Arbeitsverträgen der Beschäftigten steht. "Wenn es etwa eine Mobilitätsklausel gibt, mit der man beispielsweise die Abteilung wechseln darf, ist es durchaus möglich, dass der Arbeitgeber dies verlangt. Und der Arbeitnehmer kann sich nicht weigern, der Versetzung Folge zu leisten", erklärt Céline Petrini. 

Arbeiten Paare in derselben Abteilung, kommt es in der Praxis oft vor, dass man versucht, die Zeitpläne so zu gestalten, dass die Partner gleichzeitig Urlaub machen können. "Dies hängt jedoch allein vom Willen des Arbeitgebers ab. Wenn es die Bedürfnisse des Betriebsablaufs nicht zulassen, ist der Arbeitgeber natürlich nicht verpflichtet, den Urlaub zu genehmigen", so Petrini. 

Grundsätzlich kann eine Führungskraft nicht entlassen werden, weil sie eine einvernehmliche Liebesaffäre mit einer Kollegin hat.

Céline Petrini

Verliebt in den Chef 

Besonders pikant sind Liebschaften zwischen Chefs und Untergebenen, da ein direktes Abhängigkeitsverhältnis besteht. Aber auch diese Beziehungen sind in Luxemburg erlaubt. Um Probleme im Büro zu vermeiden, empfehlen Arbeitgeber möglicherweise einen Wechsel von einem der Beteiligten in eine andere Abteilung. 

Natürlich ist die Liebe zwischen Chefs und Angestellten in Luxemburg und generell in der Europäischen Union kein Kündigungsgrund. "Grundsätzlich kann eine Führungskraft nicht entlassen werden, weil sie eine einvernehmliche Liebesaffäre mit einer Kollegin hat", so Céline Petrini. Die Rechtsprechung ist klar: Eine romantische Beziehung verursacht keine Störung im Unternehmen. Es kann kein Grund für eine Entlassung oder für Disziplinarmaßnahmen sein. 

Paare, die sich in dieser Situation befinden, entscheiden oft, besondere Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, um Interessenkonflikte oder den Verdacht auf Günstlingswirtschaft zu vermeiden. Meistens bitten sie auch darum, in eine andere Abteilung zu wechseln. "Solche Situationen können manchmal problematisch werden, weil es auch an das Thema der Diskriminierung grenzt", meint Marie Behle Pondji. 

"Die Problembereiche vermischen sich manchmal und man muss aufpassen, wo man die Grenzen setzt. Hier entscheidet jedes Unternehmen von Fall zu Fall. Dabei liegt es aber auch in der Verantwortung jedes Einzelnen, Privates und Berufliches strikt getrennt zu halten." 


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