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Minister Fayot: „Auch meine Geduld endet irgendwann“
Wirtschaft 2 Min. 29.06.2021
Liberty Steel

Minister Fayot: „Auch meine Geduld endet irgendwann“

Das Werk Galati von Liberty Steel in Rumänien: Von hier aus soll künftig „Liège-Dudelange“ beliefert werden.
Liberty Steel

Minister Fayot: „Auch meine Geduld endet irgendwann“

Das Werk Galati von Liberty Steel in Rumänien: Von hier aus soll künftig „Liège-Dudelange“ beliefert werden.
Foto: Liberty Steel
Wirtschaft 2 Min. 29.06.2021
Liberty Steel

Minister Fayot: „Auch meine Geduld endet irgendwann“

Marco MENG
Marco MENG
Dass der Stahlstandort Düdelingen künftig von Rumänien aus beliefert werden soll, sorgt bei Regierung wie Opposition für Skepsis.

Wirtschaftsminister Franz Fayot ist sichtlich genervt. Das Vorhaben von GFG Alliance, Liberty Steel umzustrukturieren und das Werk in Düdelingen künftig von Rumänien aus mit Stahl beliefern zu lassen, darüber war er offenbar ebenso wenig in Kenntnis gesetzt worden wie ohnehin der Konzernchef Sanjeev Gupta wenig gesprächsbereit scheint.

GFG hatte am Montag mitgeteilt, man werde die Stahl-Aktivitäten in Luxemburg, Belgien und Italien mit denen von Liberty Galati in Rumänien zusammenlegen. Liberty Steel hatte die Werke 2018 von ArcelorMittal übernommen. Andere Geschäftsteile in Frankreich und Großbritannien werden verkauft. Doch dass die Neustrukturierung dem Standort Düdelingen zugutekommt, darüber herrscht sowohl bei der Opposition wie bei der Regierung große Skepsis, wie am Dienstag bei der parlamentarischen Fragestunde, die der CSV-Abgeordnete Laurent Mosar beantragt hatte, in der Chamber deutlich wurde.

Dass die Flachstahlrollen künftig von Galati statt von ArcelorMittal kommen sollen, das dürfte eine Verschlechterung der Stahlqualität bedeuten, so Mosar, der fragt, was eigentlich mit den versprochenen Investitionen in den Standort Düdelingen durch die GFG Group wurde. Wie sicher ist der Standort Düdelingen, fragt sich der Abgeordnete. Und nicht nur er. Die Regierung steht offenbar nicht hinter der Option „Galati“. Aber: Gupta ist noch immer der Eigentümer des Stahlwerks in Düdelingen.


Noch kein Rettungsplan für das Stahlwerk Düdelingen
Wirtschaftsminister Franz Fayot informiert die Chamber anlässlich einer Fragestunde über die Rettungspläne, die die Regierung hat, um den Standort aufzufangen.

Fayot jedenfalls ist nichts darüber bekannt, dass Gupta den Standort Düdelingen verkaufen will; trotzdem arbeite man im Wirtschaftsministerium „an einem Plan B“, falls das Werk doch von Liberty Steel fallengelassen werde. Die staatliche Investitionsgesellschaft SNCI komme bei ihren Analysen diesbezüglich voran; es gebe auch Gespräche mit „potenziellen industriellen Partnern“, deren Namen er nicht nennen könne, so Fayot.

Mehr statt weniger Unsicherheit

Die Gehälter für die Mitarbeiter in Düdelingen sind für Juni sicher - für Juli „noch nicht“. 85 Vollzeitstellen sind derzeit in Kurzarbeit – und das, obwohl die Stahlkonjunktur gerade auf Hochtouren läuft. „Unsere Priorität ist nach wie vor, den industriellen Standort langfristig zu erhalten“, so Fayot, der betont: „In einem normalen Umfeld kann das Werk Düdelingen profitabel arbeiten“.

Düdelingen ist kein „integriertes Werk“, sondern nur Weiterverarbeiter. Das macht Sorge. „Meine Geduld kommt allmählich an ihr Ende“, so Fayot. Seit Wochen und Monaten immer neue Nachrichten und neue Finanzierungsquellen – gleichzeitig kann in Düdelingen nicht mit Vollauslastung produziert werden, weil Lieferanten nicht bezahlt werden können.

Gleichzeitig würden Berichte über „finanzielle Hasardeure“ rund um den ehemaligen Financier Greensill und die GFG Group „das Vertrauen nicht verbessern“, so Fayot. Die Beziehungen zur Werksleitung in Düdelingen seien hingegen gut. „Wir müssen uns auf alles vorbereiten, auch darauf, dass wir mit Liberty Steel keine Perspektiven mehr sehen“, so Fayot.

„Düdelingen ist einer der wenigen Industriestandorte, die wir im Land noch haben und unbedingt behalten müssen“, meint Mosar.

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