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Liberty Liège-Dudelange muss warten
Wirtschaft 3 Min. 09.11.2021
Stahlwerke

Liberty Liège-Dudelange muss warten

Liberty-Steel übernahm 2019 das Werk in Düdelingen von ArcelorMittal, das seit Sommer von Galati aus beliefert wird.
Stahlwerke

Liberty Liège-Dudelange muss warten

Liberty-Steel übernahm 2019 das Werk in Düdelingen von ArcelorMittal, das seit Sommer von Galati aus beliefert wird.
Foto: Liberty Steel
Wirtschaft 3 Min. 09.11.2021
Stahlwerke

Liberty Liège-Dudelange muss warten

Marco MENG
Marco MENG
Liberty Steel investiert in Großbritannien – doch das Stahlwerk Düdelingen läuft noch immer mit angezogener Handbremse.

GFG Alliance hat mit der Credit Suisse eine Vereinbarung zur Umschuldung ihrer australischen Stahl- und Kohlebergbau-Anlagen getroffen. Neues Fälligkeitsdatum für die Darlehen ist Juni 2023. Die Schweizer Großbank hatte zuvor auf problematische Kredite in Höhe von 2,3 Milliarden Dollar hingewiesen, die an Lieferketten-Finanzierungsfonds von Greensill Capital vergeben worden waren, wobei rund 1,2 Milliarden Dollar an Vermögenswerten auf GFG entfielen. 

In Großbritannien kündigt GFG derweil an, 50 Millionen britische Pfund (rund 42,7 Millionen Euro) in die erneute Inbetriebnahme des Liberty Steel-Werks in Rotherham zu investieren, wo vor Kurzem der Elektrolichtbogenofen wieder hochgefahren wurde. Geplant sei, dort so schnell wie möglich eine Produktion von 50.000 Tonnen pro Monat zu erreichen. Darüber hinaus will Liberty Steel die Kapazität des britischen Werks auf zwei Millionen Tonnen pro Jahr ausbauen. 

Während der Konzern um die Standorte in Großbritannien und Australien bemüht ist, scheinen die Standorte in Kontinentaleuropa nur eine Nebenrolle zu spielen. Laut Mitteilung von Jeffrey S. Stein, Chief Restructuring Officer, hat indes in Europa „eine beträchtliche Anzahl neuer Kreditgeber Interesse an der Refinanzierung unserer Stahlanlagen bekundet.“ Ob damit doch auch die Standorte in Luxemburg und Belgien gemeint sind?

Der OGBL jedenfalls meinte einst: „Wenn Liberty nicht in der Lage ist, das Unternehmen am Laufen zu halten, soll es jemand anders tun.“ 


Das Werk Galati von Liberty Steel in Rumänien: Von hier aus soll die Einheit „Liège-Dudelange“ beliefert werden.
Liberty Steel entlässt 153 Mitarbeiter
Liberty Steel will die Insolvenz seiner Standorte in Flémalle und Tilleur abwenden. Die Geschäftsführung will nun 153 Stellen abbauen.

Seit dem Zusammenbruch des Hauptkreditgebers Greensill im März läuft es bei Liberty Liège-Dudelange nur mit angezogener Handbremse. Der Betriebsrat in Belgien mit den zwei Werken in Flémalle und Tilleur wurde über Aspekte einer möglichen zukünftigen Organisationsstruktur informiert. Dadurch werde es „wahrscheinlicher, dass potenzielle Investitionen getätigt werden, um die Zukunft der Standorte zu sichern“, so Liberty Steel. 

Geplant ist, in Flémalle eine Galvanisierungslinie zu schließen und 153 von insgesamt 742 belgischen Mitarbeitern zu entlassen. Das habe „keine Auswirkungen auf den Liberty-Standort Düdelingen“, so Liberty Steel. Zu darüber hinausgehende Nachfragen möchte das Unternehmen aber „keinen Kommentar“ abgeben. 

Laut LCGB-Gewerkschaftssekretär Robert Fornieri arbeitet gegenwärtig das Werk in Düdelingen immer noch auf niedrigem Niveau, mit gerade einmal 20 Prozent des Produktionsvolumens und etwa 40 Prozent der Belegschaft. Nach Angaben der Geschäftsleitung werde für das erste Quartal 2022 mit einer Erholung des Volumens gerechnet. Noch im September hieß vonseiten Liberty Steels, man erwarte, dass das Liberty-Steel-Werk in Düdelingen im Oktober wieder mit voller Kapazität arbeiten werde. 

„Für Liège“, so Fornieri, „ist das Verfahren noch im Gange; das Sanierungsprojekt wurde dem Gericht vorgelegt, und die Entscheidung über die Annahme oder Ablehnung des Vorschlags wird normalerweise am 16. November vom Gericht in Liège getroffen.“ 

Düdelingen hängt an Galati 

Die Standorte Liège und Düdelingen – letzteres mit rund 220 Mitarbeitern – soll seit der Umstrukturierung im Juni vom mehr als 2.000 Kilometer entfernten Werk Galati in Rumänien als Hauptlieferant mit gewalzten Flachstahlrollen versorgt werden.

Momentan verschafft der rumänische Standort der belgisch-luxemburgischen Geschäftseinheit aber vor allem finanzielle Liquidität: Liberti Galati wies in dem zum 30. Juni 2021 endenden Geschäftsquartal einen Gewinn von brutto 84 Millionen Euro aus, 60 Prozent mehr als im Vorquartal und nach Angaben von Liberty Steel sogar das beste Quartalsergebnis seit 2008. Die Auslieferungen beliefen sich auf rund 566.000 Tonnen, eine Steigerung von sieben Prozent gegenüber den ersten drei Monaten des laufenden Jahres. Die Rumänen seien derzeit dabei, ihre Produktion sogar auf drei Millionen Tonnen für das laufende Jahr zu steigern gegenüber rund zwei Millionen im Jahr 2020. 

Derweil befindet sich ein Großteil der Belegschaft von Düdelingen weiter in Kurzarbeit. Die Personalvertreter machen keinen Hehl daraus, dass sie befürworten, wenn Liège-Dudelange einen neuen Eigentümer bekäme. 2019 hat GFG Alliance mit dem Tochterunternehmen Liberty Steel unter anderem die Kaltwalzwerke in Flémalle und Tilleur sowie den Standort in Düdelingen von ArcelorMittal gekauft. Der Konkurs von Greensill hat die versprochenen Investitionen in die Standorte vereitelt

Derweil haben laut Financial Times französischen Behörden Ermittlungen gegen das Geschäftsimperium von Sanjeev Gupta eingeleitet wegen des Vorwurfs des „Missbrauchs von Firmenvermögen“ und der „Geldwäsche“. Auch in Deutschland und Großbritannien laufen Ermittlungen.

Für Fornieri vom LCGB scheint klar, dass Liberty den Standort Düdelingen nicht aufgeben will und für Liège einen Kompromiss anstrebt – eine Partnerschaft mit einem Kunden und der Sogepa, dem belgischen Äquivalent der staatlichen luxemburgischen Investitionsbank SNCI. „Nach dem 16. November wissen wir mehr“, so der Gewerkschafter.

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