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Lex Delles: „Wir müssen professioneller werden“
Lex Delles: „Die Vermarktung des Reiseziels Luxemburg in weiter entfernten Ländern funktioniert gut.“

Lex Delles: „Wir müssen professioneller werden“

Foto: Anouk Antony
Lex Delles: „Die Vermarktung des Reiseziels Luxemburg in weiter entfernten Ländern funktioniert gut.“
Wirtschaft 5 Min. 18.04.2019

Lex Delles: „Wir müssen professioneller werden“

Mara BILO
Mara BILO
Der Tourismus-Minister will Angebote bündeln und die Digitalisierung der Reisebranche vorantreiben.

Drei Millionen gebuchte Nächte im Jahr 2017, eine Auslastung der Hotelbetten von mehr als 75 Prozent, weiter steigende Besucherzahlen: Das Reiseland Luxemburg wird immer beliebter. Das zeigen aktuelle Zahlen der nationalen Promotionsagentur „Luxembourg for Tourism“ – demnach wollen 90 Prozent der Luxemburg-Besucher das Großherzogtum als Reiseziel weiterempfehlen. Zum Auftakt der Saison beschreibt der für Tourismus zuständige Minister Lex Delles im Gespräch mit dem „Luxemburger Wort“, welche Projekte er künftig fördern möchte.

Lex Delles, im Koalitionsvertrag ist einer der Schwerpunkte die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteuren der luxemburgischen Tourismusbranche. Ist die derzeitige Situation nicht zufriedenstellend?

Doch, aber wir wollen diese Zusammenarbeit weiter ausbauen. Derzeit gibt es vier offizielle Akteure: die regionalen Tourismusbüros, die für die Vermarktung Luxemburgs im Ausland zuständige Promotionsagentur „Luxembourg for Tourism“, das „Luxembourg Convention Bureau“ mit seiner Konzentration auf den Geschäftstourismus und das Tourismusministerium selbst. Daneben gibt es noch viele Organisationen und Initiativen, die von freiwilligen Mitarbeitern getragen werden – und eben dort sehe ich noch Handlungsbedarf. Diese Initiativen und Strukturen werden nicht ausreichend unterstützt. Mir geht es darum, insgesamt die Professionalisierung der Tourismusbranche zu fördern.

Wie kann diese Unterstützung aussehen?

Da gibt es viele Möglichkeiten, zum Beispiel Hilfestellung bei der Herstellung von Flyern und anderen Informationskanälen. So gibt es ja ein offizielles Tourismus-Logo, eine Corporate Identity, das uns identifiziert. Würde das überall genutzt, sähe der Auftritt insgesamt professioneller aus. Wünschenswert ist auch, dass die Veranstaltungskalender der verschiedenen Organisationen abgesprochen werden. Immer wieder überschneiden sich mehrere Termine an einem Tag und während des restlichen Monats fehlt ein Angebot. Es geht darum, zugunsten einer besseren Koordination stärker zu kommunizieren.

Sie wollen online eine einzige Anlaufstelle schaffen, mit deren Hilfe Touristen alle Informationen finden können, die Sie für ihren Besuch in Luxemburg brauchen. Wie stellen Sie sich das vor?

Es gibt derzeit die Internetseite Visitluxembourg.lu, die von der Promotionsagentur „Luxembourg for Tourism“ betrieben wird. Dort wollen wir Luxemburg im Ausland noch besser präsentieren. Wer nach Luxemburg kommt, wird nicht Dutzende Broschüren, wie sie derzeit bei den touristischen Informationsstellen zu finden sind, sammeln und studieren. Das gesamte Angebot muss also auf unserem Online-Auftritt zu finden sein. Dazu gehört auch die Möglichkeit, Veranstaltungstickets, Restauranttische, Hotels, Campingplätze oder Jugendherbergen zu buchen. Da besteht noch Verbesserungsbedarf.

Lex Delles
Lex Delles
Foto: Anouk Antony

Ein Reservierungsportal für Hotels in Luxemburg gibt es schon ...

Ja, der luxemburgische Dachverband für Hotels, Restaurants und Cafetiers Horesca hat ein solches Portal geschaffen. Das eine Projekt schadet aber nicht dem anderen, beide Angebote sollen komplementär sein, ja sogar zusammenwirken: Die aufgelisteten Hotels auf dem bereits bestehenden Horesca-Portal werden automatisch auf die zukünftige, überarbeitete Webseite von „Luxembourg for Tourism“ übernommen. Außerdem sind auf dem Horesca-Portal weder Campingplätze noch Jugendherbergen zu finden.

Die Rede ist auch von einer„Visitluxembourg.lu“-App ...

Genau, das wäre der nächste Schritt. Es ist für Touristen in Luxemburg praktischer, alles mit dem Smartphone checken und buchen zu können. Die Digitalisierung ist ein wichtiger Aspekt der Entwicklung der Tourismusbranche in den kommenden Jahren.

Welche weiteren Projekte wollen Sie denn unter der Überschrift Digitalisierung der Tourismusbranche umsetzen?

Ein Beispiel sind die sogenannten „fiche d’hébérgements“, also das Formular, das Reisende bei ihrer Ankunft in einem Hotel ausfüllen müssen. Wir sind uns mit Horesca einig, dass dies ein großer administrativer Aufwand ist – besonders für kleinere Betriebe. Das Problem ist, dass viele Hotelbesitzer in einem ersten Schritt die Informationen auf Papier sammeln und sie dann am Computer in den dafür vorgesehenen Webservice übertragen. Wir wollen diesen Prozess nun vereinfachen.

Dann gibt es noch das Programm „Smart Tourismus“?

Ja, dabei geht es um den Einsatz von Virtual Reality und 3D-Visualisierungen beim Besuch von Sehenswürdigkeiten. Das Tourismusbüro der Stadt hat bereits ein solches Projekt gestartet: Von der Place Guillaume II bis ins Pfaffenthal ist es möglich, eine Reise in die Vergangenheit dank der Virtual Reality zu machen.

Die Zahlen zur luxemburgischen Tourismusbranche zeigen, dass die Anzahl der Besucher aus dem fernen Ausland, beispielsweise Japan, stark zunehmen. Die Gästezahl aus Nachbarländern wächst im Vergleich weniger.

Das zeigt, dass die Vermarktung des Reiseziels Luxemburg in weiter entfernten Ländern gut funktioniert. Wissen muss man aber auch, dass viele aus unseren Nachbarländern manchmal nur für einen Tag nach Luxemburg kommen – das spiegeln diese Zahlen nicht wider. Des Weiteren muss ein prozentualer Zuwachs von einzelnen Besucherkategorien immer in Relation zu den absoluten Zahlen betrachtet werden. Deshalb wird „Luxembourg for Tourism“ von nun an verschiedene Informationen der Luxemburg-Besucher zeitnah erheben und ein Web-Monitoring im Tourismus einführen. So wissen wir schneller, auf welche Märkte wir zielführend den Fokus setzen müssen.

Zum Kongresstourismus: Das „Luxembourg Convention Bureau“ wurde im vergangenen Jahr gegründet. Was ist das Ziel?

Unser Ziel ist eindeutig: Wir wollen immer mehr Kongresstourismus nach Luxemburg ziehen. Das Großherzogtum soll in diesem wichtigen Sektor zu den Top 50 gehören, darauf arbeitet das „Luxembourg Convention Bureau“ hin. Die Kongressreisenden sind für unser Land wirtschaftlich interessant, da sie im Vergleich mit Urlaubsreisenden tendenziell mehr Geld ausgeben.


Suivi CELO Hesperingen, Stand der Bauarbeiten, Foto Lex Kleren
Lex Delles: Traditionell und modern
Mittelstandsminister Lex Delles muss sich darum kümmern, dass die Klein- und Mittelunternehmen den Sprung in die Zukunft schaffen. Im Tourismussektor sehen die Aufgaben ähnlich aus.

Von wie viel Geld sprechen wir?

Dies ist schwierig in Zahlen auszudrücken. Wenn zum Beispiel der Aufenthalt eine oder mehrere Übernachtungen beinhaltet, sind die Gesamtausgaben natürlich viel höher. Da wir viele Tagesbesucher ohne Übernachtung haben, ergeben Durchschnittswerte wenig Sinn.

Eines der Probleme ist, dass die Hotelkapazität im Land für große Kongresse derzeit nicht ausreicht. Wenn man das Angebot ausbaut, sinkt dann nicht die Auslastung der Hotelbetten insgesamt?

In Luxemburg-Stadt sind die Hotels von Montag bis Donnerstag sehr gut belegt bis ausgebucht. Anders im Rest des Landes, dort ist es genau umgekehrt – von Donnerstag bis Sonntag sind die Übernachtungszahlen gut. Es gibt also zwei Möglichkeiten: die Kongresse an anderen Wochentagen zu organisieren oder auch an anderer Stelle im Land zu veranstalten. Es gibt viele gute Adressen, die ebenfalls Kongresse ausrichten können.


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