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Leitzins-Anhebung: Ökonomen erwarten 0,75 Prozentpunkte mehr
Wirtschaft 2 Min. 02.09.2022
Finanzmarkt

Leitzins-Anhebung: Ökonomen erwarten 0,75 Prozentpunkte mehr

Die EZB könnte kommende Woche den Leitzins deutlich erhöhen.
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Leitzins-Anhebung: Ökonomen erwarten 0,75 Prozentpunkte mehr

Die EZB könnte kommende Woche den Leitzins deutlich erhöhen.
Foto: dpa / Frank Rumpenhorst
Wirtschaft 2 Min. 02.09.2022
Finanzmarkt

Leitzins-Anhebung: Ökonomen erwarten 0,75 Prozentpunkte mehr

Kommenden Donnerstag will die Europäische Zentralbank ihre nächsten Schritte im Kampf gegen die Inflation verkünden.

(Bloomberg) - Die Europäische Zentralbank (EZB) hinkt den geldpolitischen Erfordernissen laut einer Bloomberg-Umfrage unter Ökonomen noch immer hinterher und wird zur Eindämmung der Inflation deshalb entschlossener vorgehen müssen als bislang angenommen.

Trotz der überraschend starken Zinserhöhung im Juli sind mehr als zwei Drittel der Befragten der Meinung, dass die Hüter des Euro im Kampf gegen die Teuerung zu langsam gehandelt haben. Die August-Daten haben für die Eurozone gerade einen Anstieg der Verbraucherpreise um 9,1 Prozent gezeigt. Das ist mehr, als erwartet wurde.

Annäherung an den Kurs der US-Notenbank

Für die geldpolitische Entscheidung in der nächsten Woche prognostizieren die Volkswirte einen Zinsschritt um 0,75 Prozentpunkte. Zudem gehen sie davon aus, dass der Zinserhöhungszyklus mit einem höheren Endwert ausklingen wird als bislang angenommen. 

Die Umfrage reflektiert die Erwartung, dass die EZB dem Kampf gegen die Teuerung trotz der damit einhergehenden Rezessionsgefahr Vorrang einräumen wird. Mit einer Zinsanhebung um 75 Basispunkte, die inzwischen auch von den Geldmärkten eingepreist wird, würde sich die EZB dem geldpolitischen Kurs der Federal Reserve nähern, die bereits zwei Zinsschritte in dieser Größenordnung vorgenommen hat.

„Die EZB wird ihre Zinserhöhungen in einem beschleunigten Tempo fortsetzen und ein Falken-Signal senden“, erwartet Swedbank-Ökonom Nerijus Maciulis. „Sie muss ihren Ruf wiederherstellen und dafür sorgen, dass sie einen Inflationsrückgang als Sieg für sich verbuchen kann.“

Harte Linie gegen die Inflation

Schnellere Zinserhöhungen dürften zudem den Euro stützen, der mit dem aggressiven Zinserhöhungskurs der US-Notenbank unter Druck geraten ist. Dies würde für Entspannung in Bezug auf die Teuerung sorgen, die durch die Währungsschwäche beim Import von Rohstoffen bewirkt wurde. 


Das Fed-Gebäude in Washington.
Fed erhöht Leitzins erneut um 0,75 Prozentpunkte
Die Inflation ist zu hoch, die Zentralbanker müssen handeln. Nun setzt die Fed erneut auf einen ungewöhnlich großen Zinsschritt.

Die überwiegende Mehrheit der befragten Analysten geht davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone mindestens zwei Quartale lang schrumpfen wird. Mehr als die Hälfte der Befragten geht nicht davon aus, dass der Abschwung länger dauern wird.

„Die EZB wird weiterhin eine harte Linie gegen die Inflation fahren, obwohl es Anzeichen für eine Verlangsamung des Wachstums gibt“, so Claus Vistesen, Ökonom bei Pantheon Macroeconomics. „Wir gehen sogar davon aus, dass die EZB offen zugeben wird, dass sich die Wirtschaft in einer Rezession befindet, dass sie die Zinsen aber trotzdem weiter erhöhen wird.“

Zielwert bei Teuerungsrate kaum erreichbar

EZB-Präsidentin Christine Lagarde wird nächste Woche aktualisierte Prognosen vorlegen, die das geldpolitische Dilemma verdeutlichen dürften: Während die Konjunkturschätzungen wohl gesenkt werden, werden die Inflationsprognosen voraussichtlich nach oben korrigiert.

Auch im Jahr 2024 dürfte die Teuerungsrate im Euroraum noch über dem EZB-Zielwert von zwei Prozent liegen. Die Bandbreite der Prognosen ist diesbezüglich jedoch groß, was die Schwierigkeiten bei der Vorhersage inmitten der durch den Krieg in der Ukraine verursachten Unsicherheit widerspiegelt.

„Der Ton der Diskussionen um die nächste Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank am 8. September scheint sich geändert zu haben“, meinen dazu auch die Wirtschaftsexperten von Bloomberg. „Mehrere prominente Mitglieder des EZB-Rats drängen auf eine deutliche Zinserhöhung im September. Die Inflation hat erneut die Prognosen übertroffen und das globale geldpolitische Umfeld ist deutlicher ins Territorium der Falken gerückt.“ 

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