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LCGB und ALPL stehen zu ihren Forderungen
Wirtschaft 4 Min. 30.07.2015 Aus unserem online-Archiv
Cargolux in der Kritik

LCGB und ALPL stehen zu ihren Forderungen

„Ich möchte heute vor allem klarstellen, dass unsere Bestrebungen für mehr Sicherheit bei der Cargolux absolut nichts mit den Verhandlungen für einen neuen Kollektivvertrag zu tun haben“, sagte LCGB-Präsident Patrick Dury.
Cargolux in der Kritik

LCGB und ALPL stehen zu ihren Forderungen

„Ich möchte heute vor allem klarstellen, dass unsere Bestrebungen für mehr Sicherheit bei der Cargolux absolut nichts mit den Verhandlungen für einen neuen Kollektivvertrag zu tun haben“, sagte LCGB-Präsident Patrick Dury.
Foto: Gerry Huberty
Wirtschaft 4 Min. 30.07.2015 Aus unserem online-Archiv
Cargolux in der Kritik

LCGB und ALPL stehen zu ihren Forderungen

Der christliche Gewerkschaftsbund LCGB und die Pilotenvereinigung ALPL wollen weiter für eine bessere Sicherheitskultur bei der Frachtfluggesellschaft kämpfen – auch auf europäischer Ebene. Wenig Neues war zum Kollektivvertrag zu erfahren, den Cargolux und OGBL unterzeichnen wollen.

(aa) - Nach der Warnaktion für eine bessere Sicherheits- und Vertrauenskultur bei der Cargolux haben die Gewerkschaft LCGB und die Pilotenvereinigung ALPL am Donnerstag während einer Pressekonferenz abermals ins gleiche Horn gestoßen. Dabei war eher mit einer Reaktion auf die Ankündigung der Gewerkschaft OGBL und der Cargolux-Direktion gerechnet worden, am 16. September einen neuen Kollektivvertrag unterzeichnen zu wollen.

Sicherheitsfrage getrennt vom Kollektivvertrag

„Ich möchte heute vor allem klarstellen, dass unsere Bestrebungen für mehr Sicherheit bei der Cargolux absolut nichts mit den Verhandlungen für einen neuen Kollektivvertrag zu tun haben“, sagte LCGB-Präsident Patrick Dury am Donnerstag auf der Geschäftsstelle der Gewerkschaft. „Wir haben das von Anfang an strikt voneinander getrennt und möchten dies auch beibehalten.“ Hintergrund dessen waren Aussagen der Cargolux-Verantwortlichen, die sich überrascht und erbost darüber gezeigt hatten, dass sich am 23. Juli eine ganze Reihe Piloten fluguntauglich meldete und es zu Verspätungen im Frachtflugverkehr kam. Cargolux hatte die sogenannte Warnaktion als illegalen Warnstreik während der Kollektivvertragsverhandlungen bezeichnet und Schadenersatz gefordert.

Die Gewerkschaft OGBL, die sich nicht an der Aktion von LCGB und ALPL vom 23. Juli beteiligte, verkündete tags darauf ganz überraschend gemeinsam mit der Cargolux einen Durchbruch bei den Kollektivvertragsverhandlungen. Man habe eine Absichtserklärung unterzeichnet. Am 16. September solle er unter Dach und Fach gebracht werden. Der LCGB war dabei eigenen Angaben zufolge ausgebootet worden und wusste von nichts. Darauf angesprochen, hatte Hubert Hollerich vom OGBL dem Luxemburger Wort auf Twitter mit der rhetorischen Frage geantwortet: „Glauben Sie dass LCGB und ALPL wirklich an einem konstruktiven Dialog interessiert sind?“

LCGB weiß noch nicht was auf dem Tisch liegt

„Wir haben bei den Gesprächen über einen Kollektivvertrag von Anfang an mitverhandelt“, sagte nun Patrick Dury. „Dass wir der Runde am letzten Freitag nicht angehörten, war nicht legal. Ich sage jedoch, dass wir alles unterstützen werden, was im Interesse der Cargolux-Mitarbeiter liegt. Was wir aber bereits in der Vergangenheit nicht gut fanden, werden wir auch in Zukunft zurückweisen“, so der Gewerkschaftspräsident des LCGB. Was das nun für den 16. September bedeutet, ist nach wie vor unklar. Wird der LCGB den Kollektivvertrag mit unterschreiben? Und wo liegt das Problem zwischen LCGB und OGBL? Fühlt sich der LCGB eher für die Piloten verantwortlich und der OGBL für das Bodenpersonal?

„Wir vertreten auch die Mitarbeiter am Boden“, sagte nun Patrick Dury. „Wir wissen nicht, was da auf dem Tisch liegt, aber wir werden es präsentiert bekommen. Es soll eine Unterredung stattfinden.“ Auf Nachfrage ergänzte Dury: „Ich schließe nicht aus, dass wir unterschreiben, sage aber deutlich, dass eine Unterschrift unter einen Kollektivvertrag nicht die Sicherheitsprobleme bei der Cargolux lösen wird. Weiter mochte sich Dury nicht zum Kollektivvertrag äußern. „Ich sagte bereits, dass wir beides stets getrennt haben und ich möchte vermeiden, dass dies in einen Zusammenhang gebracht wird. Wir müssen dafür sorgen, dass sich die Sicherheitskultur bei der Cargolux verbessert und dass den Piloten so viel Aufmerksamkeit zu teil wird, wie den Maschinen“, so Dury.

ECA unterstützt Forderung der Luxemburger Piloten

ALPL-Generalsekretär Dirk Becker ging am Donnerstag noch einmal auf die Situation der Piloten ein. „Es geht nicht um Sicherheitsabläufe oder -prozesse bei der Cargolux. Diese werden angewendet. Es geht um das wichtigste und gleichzeitig schwächste Glied in der Sicherheitskette – den Faktor Mensch“, sagte Becker. „Piloten fürchten sich davor, ihrer gesetzmäßigen Pflicht nachzukommen, den Flugdienst nicht anzutreten, sollten sie sich dazu nicht in der Lage sehen. Dies ist im Hinblick auf die verbundenen Sicherheitsrisiken inakzeptabel.“

ALPL und LCGB verwiesen am Donnerstag auf eine Stellungnahme der European Cockpit Association (ECA), wonach die Sicherheitskultur bei der Cargolux durch eine unnachgiebige Haltung der Geschäftsleitung gestört worden sei. Piloten müssten dort eigentlich ihre Entscheidungen frei von Druck und Einschüchterung treffen können. Dies gelte vor allem für die Frage der Flugtauglichkeit. Offensichtlich sei das bei der Cargolux aber nicht mehr der Fall, heißt es in einer Mitteilung der ECA. Man werde die ALPL bei ihren berechtigten Anliegen unterstützen, diesen Konflikt getrennt von den Auseinandersetzungen um den Kollektivvertrag zu klären.

Kein Grund für Selbstkritik

Auf die Frage, ob Art und Zeitpunkt der Warnaktion in der letzten Woche möglicherweise Anlass zur Selbstkritik böten, sagte Patrick Dury (LCGB): „Wir haben es lange genug anders versucht. Es hätte nicht soweit kommen müssen.“ Man halte an den drei Forderungen fest, wonach mehr Transparenz bei disziplinarrechtlichen Fällen gewährleistet werden müsse, um Vertrauen und Sicherheit wieder herzustellen. Ähnliche Aktionen könnten für die Zukunft nicht ausgeschlossen werden.


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