Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Künstliche Intelligenz: Erst muss der Chef überzeugt werden
Wirtschaft 28.09.2017 Aus unserem online-Archiv

Künstliche Intelligenz: Erst muss der Chef überzeugt werden

Amazon ist einer der Vorreiter bei der Verknüpfung von Logistik und künstlicher Intelligenz.

Künstliche Intelligenz: Erst muss der Chef überzeugt werden

Amazon ist einer der Vorreiter bei der Verknüpfung von Logistik und künstlicher Intelligenz.
Foto: AP
Wirtschaft 28.09.2017 Aus unserem online-Archiv

Künstliche Intelligenz: Erst muss der Chef überzeugt werden

Laurent SCHMIT
Laurent SCHMIT
Auch Luxemburger Unternehmen greifen bereits auf Algorithmen zurück, um Entscheidungen billiger und schneller zu treffen. Doch oft hakt es nicht an der technischen Seite, sondern daran, den Managern die Vorteile schmackhaft zu machen.

(las) - „Künstliche Intelligenz ist Software, die Schlüsse ziehen kann und anpassungsfähig ist“, stellte der Direktor des Luxembourg Center for Logistics and Supply Chain Management Benny Mantin gleich am Anfang klar. Ein Beispiel: Ein Computer soll einen Zauberwürfel lösen. Dafür braucht die Software die Regeln – wie wird der Würfel bewegt, wann ist er im „richtigen“ Zustand. Und sie braucht Daten – in welchem Zustand ist der Würfel. Sind beide Bedingungen erfüllt, dann kann ein Algorithmus das Problem selbstständig lösen.

Das ist aber lediglich die erste Stufe einer künstlichen Intelligenz. Die nächste Stufe ist, wenn die Software Daten nutzt, um daraus zu lernen und eigene Regeln erstellt. Die Experten sprechen von maschinellem Lernen. Um Probleme und Herausforderungen zu diskutieren, veranstaltete Professor Benny Mantin gestern an der Universität Luxemburg eine Gesprächsreihe mit Experten aus der Luxemburger Wirtschaft.

Hiesige Unternehmen nutzen bereits solche Software, etwa um Lieferbestätigungen zu automatisieren. Andere nutzen Algorithmen, um Preise zu bestimmen. Doch dafür braucht es mindestens zehn Millionen Datenpunkte und Rechenpower, erklärte ein Teilnehmer.

Die Chefetage überzeugen

Die Technik zu beherrschen, ist allerdings nur eine Herausforderung. Viele der Experten berichteten von den Problemen, Topmanager von den Vorteilen der künstlichen Intelligenz zu überzeugen. Oft „korrigieren“ Ingenieure ein von der Software errechnetes Modell, weil sie dem Computer nicht vertrauen.

Tatsächlich stellt das maschinelle Lernen einen Bruch dar: Wichtig sind nur die Daten, die Erfahrung der Menschen, die diesen Job seit Jahren machen, zählt nicht mehr. Das sei in vielen Unternehmen nur schwer durchzusetzen, so einer der Teilnehmer.

Dazu kommen juristische Probleme: Da die Software ihre eigenen Regeln entwirft, ist es für Menschen schwer nachzuvollziehen, wie ein Resultat zustande kommt. Dennoch bleiben die Unternehmen dafür haftbar. Juristen fordern deshalb, dass Algorithmen keine Entscheidungen treffen dürfen, die Grundrechte von Kunden verletzen könnten.