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Krisenkommunikation: Luxemburgische Roaming-Lösung für belgische Minister
Wirtschaft 23.11.2016

Krisenkommunikation: Luxemburgische Roaming-Lösung für belgische Minister

Die belgischen Handynetze waren nach den Terroranschlägen schnell überlastet und im Umfeld der Tatorte kaum noch zu benutzen.

Krisenkommunikation: Luxemburgische Roaming-Lösung für belgische Minister

Die belgischen Handynetze waren nach den Terroranschlägen schnell überlastet und im Umfeld der Tatorte kaum noch zu benutzen.
Foto: AFP
Wirtschaft 23.11.2016

Krisenkommunikation: Luxemburgische Roaming-Lösung für belgische Minister

Andreas ADAM
Andreas ADAM
Wichtige Entscheidungsträger im Nachbarland sollen alle dortigen Handynetze verwenden können, falls es in Krisensituationen darauf ankommt. Der Netzbetreiber Proximus greift dazu auf seine luxemburgische Tochter Tango zurück.

(aa) - Die Terroranschläge vom 22. März dieses Jahres haben den belgischen Behörden offenbar die Schwächen ihrer Infrastruktur für Telekommunikation vor Augen geführt. Vor allem die Handynetze waren damals schnell überlastet und im Umfeld der Tatorte kaum noch zu benutzen.

Wie die belgische Zeitung „Le Soir“ am Mittwoch berichtete, wurden in den vergangenen Monaten verschiedene Lösungsansätze diskutiert. Eine davon bestand darin, in Belgien im Krisenfall nationales Roaming allgemein zu gestatten, d. h. die inländischen Netze so zu öffnen, dass jeder jedes belgische Mobilfunknetz nutzen kann – so wie es mit ausländischen Handyverträgen immer möglich ist.

Generelles Roaming innerhalb Belgiens nicht praktikabel

Aus verschiedenen Gründen wurde davon jedoch wieder Abstand genommen. So hätten die Netzbetreiber eine solche Öffnung für eine „falsche gute Idee“ gehalten, weil die Netze im Ernstfall dennoch wieder überlastet würden, so „Le Soir“. Außerdem gebe es technische Ursachen. Eine entsprechende Umrüstung wäre sehr kostenintensiv gewesen.

Daher hat man sich nun für eine andere Vorgehensweise entschieden. Zum einen will man laut „Le Soir“ die Priorisierung bestimmter Nummern perfektionieren, wie es bereits während der Anschläge im Netz von Proximus für 30 Nummern praktiziert wurde. Künftig, sollen wichtige Akteure aus Regierungs- und Sicherheitskreisen dann gewissermaßen in allen drei belgischen Netzen, Proximus, Orange und Base, Vorfahrt bekommen können.

Nationales Roaming über luxemburgische Tochter

Außerdem soll ab 2017 über das belgische Astrid-Netz für Rettungskräfte einer begrenzten Anzahl wichtiger Personen, die keinen Zugang zum klassischen Rettungsfunk haben, nationales Handyroaming angeboten werden, so „Le Soir“. Dieses ergänzende Produkt trägt den Namen „Blue Light Mobile 2“. Es handelt sich um eine Erweiterung des mobilen Internetzugangs für Rettungskräfte.

Wie aber wird diese auf einen bestimmten Personenkreis begrenzte nationale Roaminglösung realisiert? Dazu greift der 
belgische Netzbetreiber Proximus auf SIM-Karten seiner luxemburgischen Tochter Tango zurück – allerdings mit belgischen Handy-
Rufnummen. Über diesen Umweg kann dann im Bedarfsfall das beste verfügbare belgische Netz verwendet werden. So sind die ausgewählten Nutzer im Krisenfall nicht mehr von einem Netz abhängig und haben zusätzlich Priorität.