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Kriminalfall Pescanova: Luxempart erhält Geld zurück
Wirtschaft 15.10.2020

Kriminalfall Pescanova: Luxempart erhält Geld zurück

Luxempart-Aktien von Pescanova in Millionenhöhe – doch das spanische Unternehmen hatte seine Bilanzen gefälscht.

Kriminalfall Pescanova: Luxempart erhält Geld zurück

Luxempart-Aktien von Pescanova in Millionenhöhe – doch das spanische Unternehmen hatte seine Bilanzen gefälscht.
Foto: Shutterstock
Wirtschaft 15.10.2020

Kriminalfall Pescanova: Luxempart erhält Geld zurück

Marco MENG
Marco MENG
Spanisches Gericht fällt Urteil gegen Manager des Fischereikonzerns und die Beratungsgesellschaft BDO.

Das spanische Oberste Kriminalgericht hat ein Urteil im Betrugsfall Pescanova gefällt. Massiv geschädigt worden war unter anderem die Luxemburger Beteiligungsgesellschaft Luxempart, die in den Jahren 2011 und 2012 rund 50 Millionen Euro in das Unternehmen investiert hatte. 

Schließlich haben die Luxemburger wesentlich zur Aufdeckung des Betrugs beigetragen. Die Angeklagten, darunter der ehemalige Generaldirektor des Fischereiunternehmens Manuel Fernandez de Sousa-Faro und andere Führungskräfte, müssen bis zu acht Jahre ins Gefängnis. 

Das spanische Unternehmen hatte jahrelang die Bilanzen gefälscht, um die finanzielle Situation des Unternehmens vor Investoren und Banken zu verbergen. So wurden zum Beispiel Einnahmen durch Offshore-Unternehmen vorgespielt, die es in Wirklichkeit nicht gab. 


Die Luxemburger Beteiligungsgesellschaft Luxempart wurde von dem Bilanzfehler kalt erwischt.
Skandal um spanischen Konzern zieht Kreise bis nach Luxemburg
Der spanische Fischereikonzern Pescanova sorgt seit Wochen für negative Schlagzeilen in seinem Heimatland. Das Unternehmen hat die Vorstellung seiner Bilanz vertagt und Unregelmäßigkeiten bei seiner Buchhaltung eingeräumt.

Der externe Rechnungsprüfer Santiago Sané, ein Partner der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO, ist zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden. BDO hatte seit Jahren die Buchführung des Unternehmens geprüft und sich schließlich geweigert, den Jahresabschluss 2012 zu validieren, da sie mehrere hundert Millionen Euro versteckte Schulden vermutete: Letztlich waren es Schulden in Höhe von drei Milliarden Euro. 

Pescanova erklärte sich daraufhin zahlungsunfähig. BDO selbst muss laut Gerichtsurteil gemeinsam mit den anderen Verurteilten – Pescanova und den sechs ehemaligen Führungskräften – für Schäden, die Investoren entstanden sind, aufkommen und insgesamt rund 178 Millionen Euro an die betroffenen Unternehmen plus Zinsen zahlen

Der Betrag, der an Luxempart, eines der Opfer des 2013 aufgedeckten Betrugs, zu entschädigen ist, beläuft sich auf etwa 66 Millionen Euro. Obwohl BDO in Spanien eine rechtlich eigenständige Einheit ist, trifft der Imageschaden die ganze Gruppe. Gegenüber der spanischen Presse hat BDO Spanien angekündigt, das Urteil des Audiencia Nacional, Spaniens höchstes Kriminalgericht, anfechten zu wollen, wobei die Voraussetzungen für eine solche Berufung allerdings im spanischen Recht begrenzt sind. 

Luxempart ist eigenen Aussagen nach mit dem Urteil zufrieden, da die Gesellschaft zumindest einen Teil der erlittenen Schäden zurückerhalten kann. Der Betrug, der mehr als acht Jahre zurückliegt, bestand in der Fälschung von Jahresabschlüssen über mehrere Jahre, der Verschleierung der tatsächlichen Verschuldungssituation und unter anderem in der Simulation von Einkünften durch Offshore-Gesellschaften, um die tatsächliche finanzielle Situation vor Investoren und Banken zu verbergen.

Die luxemburgische Investmentgesellschaft mit etwa 1,5 Milliarden Euro Anlagevermögen befindet sich im Besitz luxemburgischer Unternehmerfamilien. 

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