Kreativindustrie: Künstler und Unternehmer in einem
Brotlose Kunst – das ist die Einschätzung vieler, wenn die Rede von kreativen Berufen ist. Doch dieser Eindruck täuscht laut den Zahlen der Statistikbehörde Statec. Die Kreativwirtschaft umfasst in Luxemburg knapp 2 200 Betriebe mit insgesamt 6 300 Beschäftigten. 2014 hat der Sektor einen Umsatz von knapp einer Milliarde Euro gemacht.
„Das Potenzial ist jedoch nicht ausgeschöpft“, meint die Staatssekretärin für Wirtschaft, Francine Closener. Deshalb gründet die Agentur Luxinnovation ihr mittlerweile achtes Cluster: „Creative Industries Luxemburg“. Die Kreativwirtschaft wird dabei sehr weit gefasst – von Fotografen über Tonstudios bis zu Designern und Architekten.
Eine Stimme für eine vielfältige Branche
Neu ist jedoch, dass auch die Filmindustrie und Firmen des audiovisuellen Bereichs Teil des Clusters sein werden. In ersten Arbeitspapier von Ende Oktober 2016 waren diese Branchen noch ausgeschlossen. Tatsächlich verfügen die Filmbranche mit dem „Film Fund“ und das Exportbüro Music:Lx bereits über Strukturen zur Förderung und Finanzierung.
Über Fragen der Definition hinaus ist aber klar, dass die Kreativwirtschaft Menschen umfasst, die eine Mischung aus Künstler und Unternehmer sind, wie auch Closener gestern bei der Vorstellung der Initiative betonte. Eine solche Branche existiert seit Ende der 1990er Jahren in den europäischen Metropolen Berlin, Amsterdam, London oder Zürich.
Dass Luxemburg nun nachzieht, ist vor allem das Verdienst von vier engagierten „Cultural Entrepreneurs“: dem Designer Jan Glas, der Direktorin des 1535° Tania Brugnoni, dem Technoport-Berater Olivier Zephir und der Verantwortlichen von „Design City“ Anna Loporcaro. Sie entwarfen das Konzept des Netzwerks.
Vieles bleibt noch im Ungefähren
Das neu gegründete Cluster wird bei Luxinnovation angesiedelt und soll seinen künftigen Mitgliedern helfen, ihre unternehmerischen Fähigkeiten zu entwickeln, Geschäftspartner zu finden und sich im Ausland bekannt zu machen. Das Hauptprojekt wird eine Onlinedatenbank, die eine Übersicht über in Luxemburg angesiedelte kreative Betriebe geben soll. „Oft sucht etwa ein Schreinerbetrieb nach einem Designer im Ausland, weil er nicht weiß, wen es hierzulande gibt“, erklärte Closener das Problem.
Doch noch ist nichts umgesetzt. Der Leiter des Clusters soll in den nächsten zwei Wochen ausgewählt werden, erklärte der Direktor von Luxinnovation Jean-Paul Schuler. Ein Präsident soll bis Ende Februar ernannt werden. Die Handelskammer und die Handwerkskammer werden im Verwaltungsrat vertreten sein, um die Anbindung zu bestehenden Unternehmen zu sichern.
Auch, was Betriebe zahlen müssen, um Teil des Clusters zu werden, sei noch nicht festgelegt, so Schuler. Allerdings plane man eine gestaffelte Mitgliedschaft, um kleine Betriebe nicht zu sehr zu belasten. Laut den Zahlen des Statec besteht die Kreativbranche zu 44 Prozent aus Einmannbetrieben. Die Beiträge sollen etwa die Beteiligung an internationalen Messen ermöglichen. Die Regierung plane keine Maßnahmen, um die Unternehmer konkret zu unterstützen, so Closener. Viele Kreative wünschen sich flexiblere Lösungen bei der Sozialversicherung oder bezahlbare Büros.
Das Budget des Clusters wurde nicht kommuniziert. Luxinnovation zahlt die Kommunikation, so Schuller. Wie es anders geht, zeigte der Leiter des „Creative Industries“-Netzwerks der Steiermark in Österreich. Diese Struktur in Graz hat zehn Mitarbeiter und jährliche Mittel von 1,5 Millionen Euro.
Das Interesse ist groß: Gestern waren etwa 300 potenzielle Mitglieder beim „Kick-off“. Darunter so kreative und geschäftstüchtige Unternehmer wie die Kochbuchautorin Anne Faber, der Musiker Gast Waltzing oder der Filmproduzent Bernard Michaux.
Staat steigt beim 1535° in Differdingen ein
Das „Creative Hub“ bietet 40 Unternehmen Platz für Büros und Ateliers und ist damit das Zentrum der Luxemburger Kreativindustrie. Derzeit verhandelt die Stadt Differdingen mit dem Wirtschaftsministerium über eine Zusammenarbeit.
Der Staat soll sich zu etwa einem Drittel am 1535° beteiligen. Das Hub werde dann in eine „Société anonyme“ überführt, erklärte Bürgermeister Roberto Traversini auf Nachfrage. Im März soll der Gemeinderat darüber abstimmen.