Wählen Sie Ihre Nachrichten​

KPMG-Bericht: Luxemburg kann Beziehungen zu Großbritannien stärken
Wirtschaft 02.03.2017

KPMG-Bericht: Luxemburg kann Beziehungen zu Großbritannien stärken

Im Juni haben die Briten über einen Austritt aus der EU entschieden.

KPMG-Bericht: Luxemburg kann Beziehungen zu Großbritannien stärken

Im Juni haben die Briten über einen Austritt aus der EU entschieden.
Foto: AFP
Wirtschaft 02.03.2017

KPMG-Bericht: Luxemburg kann Beziehungen zu Großbritannien stärken

Luxemburg pflegt enge Geschäftsbeziehungen zu Großbritannien - und beobachtet gespannt, wie sich die Verhandlungen rund um den Brexit entwickeln. Das Großherzogtum könnte durchaus von der Situation profitieren.

(miz) - In einem neuen Bericht zeigt die KPMG, wie eng die Beziehungen zwischen Luxemburg und Großbritannien sind – und welch wichtige Rolle deshalb der Ausgang des Brexits auch für den Luxemburger Finanzplatz spielen kann.

Georges Bock, Leiter der Steuerabteilung bei KPMG erklärt, Luxemburg könne aber vom Brexit profitieren. „Zwischen Großbritannien und Luxemburg besteht ein wichtiger Güter- und Dienstleistungsverkehr. Wir werden deshalb versuchen, die Geschäfte mit der City aufrechtzuerhalten – wenn nicht sogar noch auszubauen“, so Bock.

Er gibt sich zuversichtlich: „Ein Ausbau ist auf jeden Fall möglich. Die Briten werden einen Platz in Europa brauchen, um ihre Leistungen weiterhin hier anbieten zu können.“ Und da schon enge Beziehungen zu Luxemburg bestünden, wäre das Land sicherlich eine gute Wahl.

Würde sich die Lage dann tatsächlich so entwickeln, könne Luxemburg sogar als Gewinner aus dem Brexit hervorgehen.

Kritik an CNBC

Der amerikanische Fernsehsender CNBC hatte den KPMG-Bericht auf seiner Internetseite anders interpretiert – und Länder, wie Luxemburg, Malta, Zypern und Irland als große Verlierer des Brexits dargestellt.

Bock kritisiert diesen Beitrag: „CNBC hat unseren Bericht einfach falsch interpretiert. Wir sagen nur ganz neutral, dass für diese europäischen Länder der Brexit von besonderer Wichtigkeit ist, weil sie enge Kontakte zu Großbritannien pflegen. Mehr nicht.“

Auch Statec sieht die Lage wenig dramatisch

Auch das Statistikamt Statec sieht die Lage für Luxemburg weniger dramatisch: Wie Statec vor einigen Wochen in einer Studie zeigte, könnten die Exporte von Finanzdienstleistungen aus Luxemburg bis 2020 mit rund 350 Millionen Euro um vier Prozent fallen. Der Umsatz des Luxemburger Finanzsektors wäre um zweieinhalb Prozent rückläufig und das Bruttoinlandsprodukt könnte um knapp einen Prozent schrumpfen.

Laut Statec könnte das Großherzogtum aber auch vom Brexit profitieren. Würde Großbritannien seinen Zugang zum europäischen Binnenmarkt verlieren, müssten die Akteure der City einen Teil ihrer Aktivitäten in ein anderes Mitgliedsland verlegen. Da der Luxemburger Finanzplatz spezialisiert ist auf Investmentfonds und Vermögensverwaltung, bestünden hier gute Chancen weitere Aktivitäten aus London anzuziehen.

Finanzunternehmen, wie die US-Gesellschaften Blackstone oder Carlyle, haben bereits angekündigt, nach dem Brexit nach Luxemburg zu ziehen. 

Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Ähnliche Interessen
EU-Ratspräsident Tusk hat vergangene Woche die Leitlinien für die Beziehungen zwischen EU und London nach dem Brexit vorgestellt. Das Problem: „No, thanks“, sagten die Briten. Premier Bettel lotete am Mittwoch in London Gemeinsamkeiten aus.
Theresa May und Xavier Bettel haben bei einem bevorstehenden Freihandelsabkommen in Bezug auf Finanzdienstleistungen ähnliche Interessen.
Brexit: Finanzwelt schafft Fakten
Goldman Sachs, HSBC, UBS: Diese Großbanken haben kürzlich bestätigt, dass sie Tausende Mitarbeiter aus London abziehen wollen. Auch in Luxemburg erwartet man sich kurzfristig Neuankömmlinge am Finanzplatz.
Neue Banken und Fonds werden in Luxemburg erwartet - aber ohne eine große Anzahl von Mitarbeitern.