Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Konzern gefangen in der Krise : Der VW-Abgas-Skandal im Überblick
Am 19. September 2015 sah es noch so aus so aus, als könne Volkswagen kein Wässerchen trüben.

Konzern gefangen in der Krise : Der VW-Abgas-Skandal im Überblick

Foto: AFP
Am 19. September 2015 sah es noch so aus so aus, als könne Volkswagen kein Wässerchen trüben.
Wirtschaft 4 Min. 16.09.2016

Konzern gefangen in der Krise : Der VW-Abgas-Skandal im Überblick

Andreas ADAM
Andreas ADAM
Am 19. September 2015 sieht es so aus, als könne Volkswagen kein Wässerchen trüben. Tags zuvor hatten Umweltbehörden in den USA zwar mitgeteilt, dass es bei Abgasmessungen nicht mit rechten Dingen zugegangen sei. Das seien bloß "Spekulationen", hieß es zunächst nur.

(dpa) - Die Abgas-Affäre hat Volkswagen in eine schwere Krise gestürzt. Die bisherige Entwicklung im Überblick:

3. September 2015: VW räumt hinter den Kulissen gegenüber der US-Umweltbehörde EPA Manipulationen bei Diesel-Abgastests ein.

18. September: Die EPA teilt mit, VW habe eine Software eingesetzt,um Test-Messungen des Schadstoffausstoßes künstlich zu drücken.

23. September: Rücktritt von Vorstandschef Martin Winterkorn.

25. September: Der VW-Aufsichtsrat beruft Porsche-Chef Matthias Müller zum Konzernchef und trifft weitere Personalentscheidungen.

28. September: Nach mehreren Strafanzeigen startet die Braunschweiger Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugsvorwürfen.

8. Oktober: Razzia bei VW. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig lässt Büros in Wolfsburg und an anderen Orten durchsuchen.

15. Oktober: Das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) ordnet den Pflichtrückruf aller VW-Dieselautos mit Betrugs-Software an. In ganz Europa müssen 8,5 Millionen, in Deutschland 2,5 Millionen Wagen in die Werkstatt.

3. November: VW teilt mit, dass es auch "Unregelmäßigkeiten" beim CO2-Ausstoß gab. Später dann Entwarnung: Es gehe nur um 36 000 Autos.

4. Januar 2016: Die US-Regierung reicht gegen VW Klage wegen des Einsatzes von Betrugs-Software und Klimaschutzgesetz-Verstößen ein.

12. Januar: Die kalifornische Umweltbehörde Carb lehnt einen ersten US-Rückrufplan von Volkswagen ab und fordert Nachbesserungen.

27. Januar: Frühstart beim Rückruf in Deutschland. Trotz fehlender Genehmigung des KBA werden schon erste Amarok-Modelle umgerüstet.

8. März: Konzernkreisen zufolge sollen bis Ende 2017 über 3000 Verwaltungsstellen bei Volkswagen wegfallen.

9. März: VW-US-Chef Michael Horn tritt ab.

16. März: Erster deutscher Schadenersatz-Prozess eines Privatkunden. Urteil des Landgerichts Bochum: VW muss keine Wagen zurücknehmen.

7. April: Der Betriebsrat fordert das Management zu Gesprächen über die künftige Sicherung von Arbeitsplätzen bei Volkswagen auf.

21. April: Der US-Richter Charles Breyer verkündet eine Grundsatzeinigung zwischen VW und amerikanischen Behörden.

22. April: Der Abgas-Skandal brockt VW für 2015 mit 1,6 Milliarden Euro den größten Verlust aller Zeiten ein. Der Bericht der US-Kanzlei Jones Day zur Schuldfrage verschiebt sich auf unbestimmte Zeit.

31. Mai: Die VW-Kernmarke, die die Hauptlast der Affäre schultert, vermeidet im ersten Quartal nur knapp den Sturz in die roten Zahlen.

16. Juni: Volkswagen will sich nach dem Abgas-Skandal grundlegend neu aufstellen und unter anderem die Elektromobilität massiv ausbauen. Weitere Schwerpunkte sind das autonome Fahren und neue Mobilitätsdienstleistungen. Dies sieht die "Strategie 2025" vor.

22. Juni: VW wirbt bei der Hauptversammlung mit einer Mischung aus Demut und Reformwillen bei seinen Aktionären um Rückhalt für den Weg aus der Krise. Die Wolfsburger Führungsspitze wird scharf kritisiert.

28. Juni: Ein Vergleich taxiert die Kosten für den Skandal in den USA auf voraussichtlich bis zu 14,7 Milliarden Dollar (aktuell 13,1 Mrd Euro). Betroffene Wagen sollen zurückgekauft oder umgerüstet werden.

7. Juli: Erste Sitzung des Abgas-U-Ausschusses des deutschen Bundestags.

8. Juli: Die Braunschweiger Staatsanwaltschaft startet ein Verfahren, um über Bußgelder unrechtmäßige Diesel-Gewinne "abzuschöpfen".

19. Juli: Trotz des ausgehandelten Milliarden-Vergleichs kündigen mehrere US-Bundesstaaten weitere Klagen gegen Volkswagen an.

28. Juli: Das Halbjahresergebnis von VW sackt unterm Strich um 38 Prozent auf 3,46 Milliarden Euro ab. Ein zentraler Grund sind zusätzliche Puffer für juristische Risiken aus dem Abgas-Skandal.

1. August: Volkswagen setzt sich das Ziel, noch 2016 die Umrüstung aller manipulierten Modelle in Europa auf den Weg zu bringen.

2. August: Bayern kündigt an, VW auf Schadenersatz für Pensionsfonds zu verklagen. Hessen und Baden-Württemberg prüfen ähnliche Schritte.

8. August: Das Landgericht Braunschweig gibt den Startschuss für ein Musterverfahren wegen der Aktionärsklagen gegen Volkswagen.

18. August: Ein Streit mit zwei Zulieferern der Prevent-Gruppe bringt VW in einigen Werken zum Stillstand. Betriebsratschef Osterloh erwägt im dpa-Interview Beteiligungen an Lieferanten, um Risiken zu senken.

25. August: Im US-Rechtsstreit um die großen 3,0-Liter-Dieselmotoren erhöht Richter Breyer den Zeitdruck. Bis zum 24. Oktober müsse VW die nötigen Unterlagen zur Klärung des Falls bei der EPA einreichen.

29. August: Wegen einbrechender Gewerbesteuern erhöhen einige VW-Städte stark kommunale Gebühren, wie eine dpa-Umfrage ergibt.

1. September: Das deutsche Verkehrsministeriums wirft auch Fiat den Einsatz unzulässiger Abschalteinrichtungen vor - Fiat dementiert.

7. September: Die Vorwürfe gegen Bosch werden konkreter. Der VW-Zulieferer habe jahrelang von den Manipulationen seines Großkunden wissen müssen, klagen geschädigte Diesel-Besitzer in den USA.

10. September: In den USA bekennt sich ein früherer VW-Mitarbeiter schuldig. Der Ingenieur gibt laut US-Justizministeriums zu, bis 2008 Teil einer fast zehn Jahre andauernden Verschwörung gewesen zu sein.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema