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Konferenz: Wird aus Luxemburg der Datentresor der EU?
Wirtschaft 3 Min. 24.02.2015

Konferenz: Wird aus Luxemburg der Datentresor der EU?

Von links nach recht, Marc Halmes , Yves Maas, Cindy Tereba , Jean Marie Spaus und Marc Glesener.

Konferenz: Wird aus Luxemburg der Datentresor der EU?

Von links nach recht, Marc Halmes , Yves Maas, Cindy Tereba , Jean Marie Spaus und Marc Glesener.
Guy Jallay
Wirtschaft 3 Min. 24.02.2015

Konferenz: Wird aus Luxemburg der Datentresor der EU?

Das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte organisierte am Dienstag eine Diskussionsrunde zum Thema ICT. Ziel war es, die Trends und Herausforderungen in diesem Bereich hervorzuheben.

Das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte organisierte am Dienstag eine Diskussionsrunde zum Thema ICT. Ziel war es, die Trends und Herausforderungen in diesem Bereich hervorzuheben. Durch das abgeschaffte Bankgeheimnis hat Luxemburg im Ausland immer noch den Ruf mit Informationen sehr vertraulich umzugehen. Auf diesen Ruf solle man aufbauen, um im Rahmen des Ausbaus des Informations- und Kommunikationssektors Luxemburg als Standort für Big Data und Datenschutz zu promoten.

In den vergangenen zehn Jahren wurde in Luxemburg viel in die IT-Infrastruktur investiert. Die im Sommer 2013 ins Leben gerufene Initiative „ICT Taskforce“ der Regierung fördert die Sektoren der Technologie, Medien und Telekommunikation. Mittlerweile verfügt Luxemburg über ein hochmodernes Glasfasernetz und zahlreiche Datenzentren. Der IT-Sektor macht insgesamt 7 Prozent des Bruttoinlandprodukts aus und bietet 15.000 Menschen einen Arbeitsplatz. Im Bereich Konnektivität und IT-Infrastruktur ist Luxemburg anderen europäischen Ländern eine Armlänge voraus. Neben dieser „Hardware“ bietet das Land für IT-Firmen auch steuerliche Anreize, um sich in Luxemburg niederzulassen. Trotzdem ist Luxemburg auf der digitalen Landkarte Europas wenig bekannt und der Sektor ausbaufähig.

Datenzentren mit Inhalten füllen

Jean-Marie Spaus, Direktor Post Telecom, würdigte die Investitionen in die Datenzentren und das Glasfasernetz der vergangenen Jahre. Diese Datenzentren müssten nun mit Inhalten gefüllt werden. Dies könne einerseits durch die Schaffung von neuen Firmen in Luxemburg und anderseits durch die Niederlassung ausländischer Unternehmen in Luxemburg realisiert werden.

Cindy Tereba, Geschäftsführerin des Business Club Luxemburg und Mitarbeiterin der Luxemburger Botschaft Berlin, sieht in der Größe Luxemburgs einen Standortvorteil. Durch die Größe sei Luxemburg relativ neutral und biete für die Daten von Unternehmen mehr Sicherheit als größere Länder. Im Bereich Datenschutz besteht, laut Marc Halmes von Deloitte Luxemburg eine Marktlücke. Man solle sich nicht auf die Mainstreambereiche der IT-Branche fokussieren, sondern auf diese Marktnische setzen. Laut Jean-Marie Spaus hat Luxemburg sogar die Chance zum Datentresor der EU zu werden und so weniger abhängig von der Finanzindustrie zu werden.

Aus Wissen wird Geld

Aus Daten werden Informationen, aus Informationen Wissen und aus Wissen Geld. Laut Yves Maas, Präsident der ABBL, könnten in Zukunft die Banken in Luxemburg ihre Datenverarbeitung an spezialisierte Unternehmen outsourcen. Solche kleine und effiziente Unternehmen fehlen derzeit noch in Luxemburg.

Cindy Tereba kennt die dynamische Berliner Startup-Szene gut. Günstige Immobilien, qualifiziertes Personal und eine solide Gründungsfinanzierung machen Berlin zu einem der Top-Gründungsstandorte. Im Gegenzug zum „jungen“ Berlin ist das weiter entwickelte Luxemburg für junge Unternehmer weniger attraktiv. Der Standort Luxemburg werde für Startups interessant, wenn sie sich in einer zweiten Phase internationalisieren wollen.

Gute Infrastruktur

Laut Cindy Tereba existiert in Luxemburg eine gute Infrastruktur, es fehle aber an einem Ansprechpartner, der eine Verbindung zwischen den Startups und Luxemburg herstellen könnte. Diese Sicht teilt Yves Maas. Er forderte, dass mehr getan werden müsse, um junge ITC-Unternehmen nach Luxemburg zu holen. Des Weiteren bräuchte es ein besseres Umfeld, das sich durch günstigere Immobilien und mehr qualifizierte Personen auszeichnet.

In der Diskussionsrunde gab es eine breite Übereinstimmung, dass es in Luxemburg an qualifizierten Schulabgängern fehlt. Die Post Telecom hat die Erfahrung gemacht, dass es in Luxemburg nicht ausreichend Kandidaten für freie Stellen gibt. Deshalb sucht man in der Großregion, bis hin nach Paris nach neuen Mitarbeitern. Die Runde wünschte sich, dass vermehrt in die Ausbildung kreativer Köpfe investiert wird und die Bildungseinrichtungen enger mit den IT-Unternehmen zusammenarbeiten. Für alle Teilnehmer hat „Digital Luxembourg“ das Potential, die Finanzbranche zu entlasten und zu einer neuen Einnahmequelle für das Land zu werden. Die Branche solle zur neuen Visitenkarte Luxemburgs werden und sei notwendig, um die Zukunft des Landes zu sichern.

Jean-Philippe Schmit


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