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Kollektivvertrag im Bankgewerbe: Die Zeichen stehen auf Sturm
Wirtschaft 3 Min. 28.02.2018 Aus unserem online-Archiv

Kollektivvertrag im Bankgewerbe: Die Zeichen stehen auf Sturm

Seit nun mehr als 16 Monaten verhandeln die Gewerkschaften mit der ABBL die Erneuerung des Kollektivvertrags für den Zeitraum 2018 bis 2020.

Kollektivvertrag im Bankgewerbe: Die Zeichen stehen auf Sturm

Seit nun mehr als 16 Monaten verhandeln die Gewerkschaften mit der ABBL die Erneuerung des Kollektivvertrags für den Zeitraum 2018 bis 2020.
(Foto: Gerry Huberty)
Wirtschaft 3 Min. 28.02.2018 Aus unserem online-Archiv

Kollektivvertrag im Bankgewerbe: Die Zeichen stehen auf Sturm

Nadia DI PILLO
Nadia DI PILLO
Mit weit auseinanderliegenden Vorstellungen treffen sich am Donnerstag Arbeitgeber und Gewerkschaften zur nächsten Verhandlungsrunde über den Kollektivvertrag im Bankgewerbe. Beide Seiten bestehen auf ihren Forderungen. Befürchtet wird, dass es zum großen Knall kommt.

(ndp) - Bei den Tarifverhandlungen für die rund 26 000 Beschäftigten der Bankenbranche zeichnet sich eine harte Auseinandersetzung ab. Noch vor Beginn der Gesprächsrunde mit den Arbeitgebern morgen Vormittag um 9 Uhr kamen die drei Gewerkschaften Aleba, OGBL-SBA und LCGB-SESF nochmals zusammen, um ihre Forderungen zu bekräftigen. „Wir sind mehr denn je einstimmig entschlossen, unser bestehendes Entlohnungssystem zu verteidigen und einen gerechten Kollektivvertrag einzuführen“, stellt Aleba-Generalsekretär Laurent Mertz klar.


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Während die Bankenvereinigung ABBL keine großzügige Entlohnungspolitik nach dem Gießkannenprinzip möchte, wehren sich die Gewerkschaften gegen jeden Abbau finanzieller und sozialer Errungenschaften und die Abschaffung von automatischen Lohnentwicklungen oder Prämien. Sie fordern eine Lohnerhöhung von zwei Prozent im ersten Jahr, 1,5 Prozent in den folgenden zwei Jahren. Der neue Tarifvertrag im Bankensektor soll für drei Jahre gültig sein. „Zudem fordern wir einen gewissen Automatismus, der die Drei-Jahre-Garantie, die Berücksichtigung des Dienstalters und die Juniprämie gewährleistet.“

Die ABBL dagegen lehnt laut Gewerkschaft jede Form automatischer Gehaltsentwicklung ab. Die Linie sei klar: keine lineare Erhöhung durch eine Drei-Jahre-Garantie, die Juniprämie und die Zugehörigkeitsprämie sollen abgeschafft werden. All dies soll durch eine einzige „Treueprämie“ ersetzt werden, die wesentlich niedriger ausfallen soll. Außerdem soll für die Hälfte der neuen Funktionsgruppen der Gehaltsausgangswert heruntergesetzt werden. „Wir lehnen diese Punkte komplett ab. In einer Branche, die als Rückgrat der Wirtschaft gilt, ist es nicht akzeptabel, den Beschäftigten nur nichts weiter zu geben. Wenig geben wäre sehr schade, aber nicht die geringste Annäherung zu machen, ist komplett unannehmbar,“ meint der Gewerkschafter.

Erstmals in der Geschichte des Luxemburger Finanzplatzes habe die Arbeitgeberseite eine solche Strategie an den Tag gelegt. „Es hat in Luxemburg noch nie so lange gedauert, einen Kollektivvertrag zu verhandeln. Dies ist das erste Mal, dass wir auf der Arbeitgeberseite so viel schlechten Willen sehen“, bedauert Laurent Mertz.

Besonders schwierige Verhandlungen

Seit nun mehr als 16 Monaten verhandeln die Gewerkschaften mit der ABBL die Erneuerung des Kollektivvertrags für den Zeitraum 2018 bis 2020. Im Juni 2017 hatten sich die Verhandlungspartner auf eine Übergangslösung geeinigt; die Gespräche für einen definitiven Abschluss zogen sich danach über mehrere Runden hin. Dabei konnten die Gewerkschaften erste Erfolge verbuchen – unter anderem in den Arbeitsbereichen Wohlbefinden, Beschäftigung sowie Aus- und Weiterbildung. Auch zum Prinzip eines neuen Klassifizierungssystems (bestehend aus vier Gruppen) konnte Einigkeit erzielt werden. Beim Kernproblem Lohnerhöhung hingegen haben sich die Fronten verhärtet.


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„Seit 20 Jahren bin ich in der Gewerkschaft, aber an derart schwierige Verhandlungen und dogmatische Positionen erinnere ich mich nicht“, beschreibt Laurent Mertz seine Sicht. Die Arbeitgeber hätten sowohl 2016 als auch 2017 kein Papier mit ihren Zielvorstellungen vorgelegt. Dies sorgt bei den Gewerkschaften für Unmut. „Wir warten bis heute vergeblich auf ein Diskussionspapier. Das macht es uns nicht leicht.“

"Kein Kommentar"

Die ABBL will die Forderungen der Gewerkschaften bisher nicht kommentieren, aber auch mit der Veröffentlichung eigener Vorschläge ist man äußerst zurückhaltend: „Es gibt keine Kommentare vor dem 1. März,“ heißt es bei den Arbeitgebern kategorisch. Gestern sind die Mitglieder des ABBL-Verwaltungsrates erneut zusammengekommen, um ihre Positionen nochmals festzuklopfen. Positionen, die die Gewerkschaften nicht zufriedenstellen dürften. Und so erwarten Beobachter auch für die morgen beginnende Verhandlungsrunde keine konkreten Ergebnisse; zu unterschiedlich seien die Standpunkte der Gesprächspartner.


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Offensichtlich sehen das auch die Gewerkschaften so und bauen vor, denn: Angekündigt ist für Donnerstag, 14 Uhr, eine Pressekonferenz, bei der auch über mögliche Gewerkschaftsaktionen berichtet werden soll. „Wenn es am Donnerstag keine spürbaren Fortschritte gibt, werden wir den Druck verstärken, die Beschäftigten des Bankensektors wie noch nie zuvor mobilisieren. Für uns gilt jetzt oder nie!“

Der ausgelaufene Kollektivvertrag der Bankenbranche für die Jahre 2014 bis 2016 sah keine Lohnerhöhung vor. Eine weitere Nullrunde kommt für den Aleba-Generalsekretär nicht in Frage. „Die Entschlossenheit der Bankbeschäftigten, für ihre Forderungen einzutreten, war noch nie so groß wie jetzt.“


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