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"Keine Angst vor der Digitalisierung"
59 Prozent der Unternehmen im Großherzogtum haben Schwierigkeiten bei der Einstellung von qualifizierten IT-Fachkräften.

"Keine Angst vor der Digitalisierung"

Foto: Guy Jallay
59 Prozent der Unternehmen im Großherzogtum haben Schwierigkeiten bei der Einstellung von qualifizierten IT-Fachkräften.
Wirtschaft 2 Min. 23.03.2017

"Keine Angst vor der Digitalisierung"

Der Arbeitswelt stehen Veränderungen bevor. Manche nennen es die dritte industrielle Revolution – andere Industrie 4.0. Ein Kolloquium mit Experten aus Politik und Wirtschaft wollte sich gestern einigen Herausforderungen dieses Wandels stellen.

(m.r.) - Computerprogramme und Roboter ersetzen längst nicht mehr nur Routinejobs und Fabrikarbeit. Denn mittlerweile können sie auch komplexere Arbeitsschritte übernehmen. Die fortschreitende Digitalisierung der Arbeitswelt stellt die Wirtschaft vor neue Herausforderungen.

Aus diesem Grund trafen sich gestern Experten aus Politik und Wirtschaft in der Handelskammer. Unter dem Titel „Welche Kompetenzen für welche Beschäftigung im Digitalen Zeitalter“ fand auf dem Kirchberg ein Kolloquium statt. Das Ministerium für Arbeit, Beschäftigung sowie Sozial- und Solidarwirtschaft, die Handelskammer und die Arbeitnehmerkammer organisierten die Veranstaltung, zu der verschiedene Vertreter der Wirtschaft und nationaler Verwaltungen eingeladen waren.

Arbeitsmarkt im Wandel

„Vor der Digitalisierung braucht man keine Angst zu haben“, sagte Thorben Albrecht, Staatssekretär im Deutschen Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Albrecht ist mitverantwortlich für die Anfertigung des Weißbuchs „Arbeit 4.0“.

Das Unterfangen schließt an die Diskussion über die fortschreitende Digitalisierung der Wirtschaft an und legt dabei den Schwerpunkt auf Arbeitsformen und Arbeitsverhältnisse.

Der technologische Wandel führe zwar zum Verschwinden von zahlreichen Berufen, allerdings werde ein Großteil nur einem Wandel unterworfen. Parallel dazu entstünden zudem neue Jobs, besonders für IT-Experten und Lehrkräfte.

Der digitale Wandel führt zu höheren und veränderten Qualifikationsanforderungen an die Mitarbeiter. Schon heute besteht in Luxemburg auf dieser Ebene Handlungsbedarf. „Hierzulande herrscht ein Mangel an IT-Fachkräften“, bekräftigte Jean Diederich, Präsident der „Association des Professionnels de la Société de l'Information“. 59 Prozent der Unternehmen hätten bei der Einstellung solcher Fachkräfte Schwierigkeiten, so Diederich.

Aus diesem Grund solle man kurzfristig vermehrt auf ausländische Arbeitskräfte setzen. „Langfristig muss jedoch unser Schulsystem besser auf die neuen Anforderungen der Arbeitswelt ausgerichtet werden“, betonte Diederich. Auch die ADEM müsse sich angesichts der Digitalisierung weiterentwickeln.

Vermehrt auf Bildung setzen

Dies unterstrich auch Bildungsminister Claude Meisch (DP). Das Bildungssystem passe sich an die neuen Herausforderungen an. Ab der nächsten Rentrée können Classique-Schüler ihren Abschluss in einer „I-Sektion“ machen. Die Informatik soll den Schwerpunkt der Ausbildung bilden.

Auch was die Arbeitszeitmodelle angeht, sei ein Umdenken notwendig, betonte Albrecht. Handy und Laptop ermöglichten es von überall und zu jeder Zeit zu arbeiten. Die Experten waren sich deshalb einig: die Digitalisierung erfordere flexiblere Arbeitszeiten. Der Wegfall der Präsenzpflicht im Büro könne die Arbeitnehmer allerdings ihres Schutzes berauben und in die totale Selbstausbeutung treiben. Aus diesem Grund sei ein gesetzlicher Rahmen für die Einführung eines solchen Arbeitsmodells unabdingbar, so Albrecht.



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