Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Kein Eldorado in Luxemburg : Crowdfunding, wo bleibst Du?
In den USA hat Crowdfunding einen unwahrscheinlichen Erfolg. In Luxemburg dreht man der alternativen 
Finanzierung bis jetzt mehr oder weniger den Rücken zu.

Kein Eldorado in Luxemburg : Crowdfunding, wo bleibst Du?

Shutterstock
In den USA hat Crowdfunding einen unwahrscheinlichen Erfolg. In Luxemburg dreht man der alternativen 
Finanzierung bis jetzt mehr oder weniger den Rücken zu.
Wirtschaft 4 Min. 21.04.2015

Kein Eldorado in Luxemburg : Crowdfunding, wo bleibst Du?

Internetplattformen, die Start-ups bei der Finanzierung helfen, verbuchen in Luxemburg kaum Erfolge.

Im April letzten Jahres war der Medienrummel um Nubs unbeschreiblich. Drei junge Unternehmer hatten kurz nach ihren Studien die erste luxemburgische Gemeinschaftsfinanzierungsplattform „Nubs.lu“ gegründet. Ihr Ziel: lokalen Unternehmern dabei helfen, das nötige Kapital zu sammeln, um ihre kreativen (Geschäfts)ideen umzusetzen. Dabei hatten sie sich für die Variante des „reward-based“ Crowdfundings entschieden, bei der die Geldgeber nur einen geringen finanziellen Anteil leisten und im Gegenzug kleine Entgelte in Form von CDs oder T-Shirts erhielten. Knapp vier Monate nach dem Start wurde das Projekt eingestellt, oder unterbrochen, wie seine Betreiber zu sagen pflegen. Den genauen Grund wollten sie gegenüber dem „Luxemburger Wort“ nicht nennen.

Fakt ist jedoch, dass die Schwarmfinanzierung im Gegensatz zu ihrem Namen die Massen in Luxemburg nicht bewegt. Die Größe des Luxemburger Marktes ist dabei schon eine Herausforderung an sich. Denn die Betreiber der Plattformen müssen natürlich auf ihre Kosten kommen. Für ihre Dienstleistungen erheben sie in der Regel bei den zukünftigen Firmengründern einen Beitrag um die fünf bis sieben Prozent. Auch zu unterstützende Projekte scheinen erstaunlicherweise Mangelware zu sein. Vor Nubs hatten bereits „Fansnextdoor.com“ und „Crowd-funding.lu“ das Handtuch geworfen.

Fehlende Gesetzgebung

Nach einer Analyse im „Haut comité de la place financière“, die von der Direktorin des Schatzamtes, Isabelle Goubin, geleitet wurde, hat die luxemburgische Regierung es vorgezogen, das Crowdfunding in Luxemburg zurzeit nicht zu regulieren. Als Grund wurde angeführt, dass der nationale Markt zu klein sei, um als Magnet für Crowdfunding-Plattformen zu gelten. Zudem gibt es mehrere Varianten von Crowdfunding, bei denen das „lending-based“ und das „equity-based Crowdfunding“ bereits unter aktuelle Gesetzgebungen fallen, die sich auf Finanzinstitute applizieren. Bei der ersten Variante ähnelt das Modell den Darlehenstätigkeiten der Banken: Das Geld wird von den Projektinitiatoren an die Anleger zurückgezahlt. Bei dem „equity-based-Crowdfunding“ erhalten die Anleger Anteile am Projekt, beispielsweise festgelegte Anteile an zukünftigem Gewinn.

Dass es für diese Formen, je nach Geschäftsmodell, einer Genehmigung der Bankenaufsicht CSSF bedarf, findet Marc Hemmerling von der ABBL gerechtfertigt. „Unter den Banken besteht bereits heute in diesem Geschäftsfeld ein Wettbewerbskampf. Wenn neue Firmen nun ähnliche Dienstleistungen mit vergleichbaren Risiken anbieten, dann sollten sie aus Sicht der Banken natürlich auch denselben Regeln unterliegen“, so das Mitglied vom Management Board der Bankenvereinigung. 

Für internationale Betreiber macht es wenig Sinn, sich in Luxemburg niederzulassen, wenn sie dabei ihr Geschäftsmodell nicht grenzüberschreitend ausrichten können.

Andererseits erkennt Marc Hemmerling als früheres Vorstandsmitglied der Cetrel, dass Luxemburg vielleicht dabei ist, seine Chance zu verpassen, und sich der Kampfansage anderer europäischen Länder bewusst werden muss. „Andere Länder haben Rahmenbedingungen für das Crowd-funding eingeführt, was also beweist, dass die bestehende Gesetzgebung für diese neuen Dienstleistungen nicht ausreicht. In dem Fall muss man sich fragen, ob es nicht auch empfehlenswert wäre, in Luxemburg einen ähnlichen Weg einzuschlagen, auch wenn das auf den erstem Blick nicht unbedingt im Interesse der Banken ist“, unterstreicht Hemmerling.

Die Gesetzgebung der Finanzinstitute bringt beispielsweise eine Reihe von Kosten mit sich, die neue Plattform-Betreiber sich nicht leisten können. Dennoch glaubt Isabelle Goubin nicht, dass es zum jetzigen Zeitpunkt nötig ist, eine eigene Gesetzgebung in Luxemburg einzuführen. „Für einen internationalen Betreiber macht es wenig Sinn, sich in Luxemburg niederzulassen, wenn er dabei sein Geschäftsmodell nicht grenzüberschreitend ausrichten kann“, erklärt die Direktorin des Schatzamtes. Dafür bedarf es des „europäischen Passes“, der Firmen zusteht, deren Aktivität harmonisierten EU-Regeln unterliegen. Wie genau die Crowdfunding-Regeln aussehen sollen, berät Brüssel noch zurzeit. Diese Gesetzgebung will man in Luxemburg abwarten. 


Crowdfundingplattformen helfen lokalen Unternehmern, das nötige Kapital zu sammeln, um ihre kreativen (Geschäfts)ideen umzusetzen.
Crowdfundingplattformen helfen lokalen Unternehmern, das nötige Kapital zu sammeln, um ihre kreativen (Geschäfts)ideen umzusetzen.
Shutterstock

Ein Potenzial für Luxemburg

Für den Finanzplatz Luxemburg, und insbesondere die Fonds-Industrie könnte das Crowdinvesting interessante Möglichkeiten bieten. „Über diesen Weg könnte man beispielsweise Fonds füttern, die sich aus vielen kleinen Einsätzen zusammensetzen könnten“, erklärt Marc Hemmerling von der ABBL, der sich ein solches Szenario durchaus vorstellen kann. Sollte sich die Nachfrage wie erwartet in den nächsten Jahren exponentiell entwickeln, könne dies durchaus auch für Banken interessant werden, meint er.

Auch für Isabelle Goubin birgt Crowdfunding ein Potenzial für Luxemburg, falls es das Land schafft, ein hochkarätiges Netzwerk aufzubauen. „Ein Betreiber muss beispielsweise dafür sorgen, dass seine Investoren gut und regelmäßig über den Fortschritt des unterstützen Projekts informiert werden. Beim „equity- und lending-based“ Crowdfunding müssen zudem auch Zinsen oder Dividende an die Investoren ausgezahlt werden. Dann muss die Vertretung der Investoren gegenüber den Projektträgern sicher gestellt werden“, weiß Goubin. „Durch eine überdurchschnittlich gute Betreuung und eine Spezialisierung in diesen Nebendienstleistungen könnten wir uns von anderen differenzieren.“

Betreiber geben nicht auf

Trotz der Misserfolge seiner Mitbewerber, hat sich eine weitere Plattform nach Luxemburg gewagt. „Zfate.lu“ wurde im Januar von Philippe Denoël gegründet. Der Informatiker, der gleichzeitig als Berater in der Finanz- und Fondsbranche arbeitet, will von Luxemburg aus seine weiteren Plattformen in Frankreich, Belgien und der Schweiz betreiben. Doch auch ihm scheint es an Kunden und Anlegern zu fehlen. „Ich erwarte mir nicht, dass meine luxemburgische Plattform Gewinne erzielt. Sie soll von den anderen Plattformen getragen werden”, verrät er. Er will seinem Projekt ein Jahr Zeit geben, um zu prüfen, ob sich der Aufwand lohnt.

  • In Europa verzeichnete diese Art der Finanzierung 2014 ein Wachstum von 144 %
  • Insgesamt wurden letztes Jahr fast drei Milliarden Euro in der EU gesammelt
  • Kickstarter, Indiegogo oder KissKissBankBank gelten als die beliebtesten Plattformen der Welt

Von Laurence Bervard


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Paypal & Co.: Neue Konkurrenz für Banken
Verbraucher dürfte es freuen: Sie werden künftig deutlich einfacher Zahlungsdienste und Onlinebankingangebote nutzen können – unabhängig von ihrer Bank. Für klassische Finanzinstitute bedeutet das eine große Herausforderung.
Künftig werden Zahlungen online nicht mehr unbedingt von einer Kreditkarte abhängen.
Fahrdienstvermittlung: Uber kommt nicht in die Gänge
Das „Luxemburger Wort“ berichtete vor rund drei Monaten, dass der Fahrdienstleister auf dem luxemburgischen Markt aktiv werden möchte. Seitdem gab es mehrere Treffen mit hiesigen Ministerien. Wirklich vorangekommen ist man nicht.
Uber hat sich eigenen Angaben zufolge zum Ziel gesetzt, überall auf der Welt „bezahlbare, verlässliche und sichere Fahrdienste per Knopfdruck“ anzubieten und würde auch gerne hierzulande aktiv werden.