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Kehrtwende: Thyssenkrupp hält am Stahl fest
Wirtschaft 3 Min. 18.02.2021

Kehrtwende: Thyssenkrupp hält am Stahl fest

Thyssenkrupp will seine Stahlsparte nun doch nicht verkaufen.

Kehrtwende: Thyssenkrupp hält am Stahl fest

Thyssenkrupp will seine Stahlsparte nun doch nicht verkaufen.
Foto: Roland Weihrauch/dpa
Wirtschaft 3 Min. 18.02.2021

Kehrtwende: Thyssenkrupp hält am Stahl fest

Thyssenkrupp verkauft nun doch nicht sein Stahlgeschäft und erteilt Liberty Steel eine Absage. Stattdessen soll die Sanierung der Traditionssparte aus eigener Kraft vorangetrieben werden.

(dpa) - Thyssenkrupp hat den Abschied vom Stahl abgeblasen - zumindest vorerst. Nach dem Ende der Gespräche über einen Verkauf der Stahlsparte an den Konkurrenten Liberty Steel, dem auch ein Werk in Düdelingen gehört, will der Essener Industriekonzern seinen Traditionskern jetzt im Alleingang sanieren. Thyssenkrupp und Liberty waren sich nicht über den Kaufpreis für das riesige Stahlwerk in Duisburg und die anderen Standorte einig geworden. Deshalb hatten die Essener die Gespräche am Mittwochabend abgebrochen.

Die Gewerkschaft IG Metall begrüßte die Verkaufsabsage. „Es ist gut, dass in Sachen Liberty Steel Klarheit herrscht“, sagte der NRW-Bezirksleiter der Gewerkschaft, Knut Giesler, am Donnerstag. Für die noch rund 24 000 Mitarbeiter der Nummer zwei auf dem europäischen Stahlmarkt dürfte das nicht nur eine gute Nachricht sein. Denn Thyssenkrupp-Finanzvorstand Klaus Keysberg forderte in einem Informationsschreiben an die Stahlarbeiter: „Die Kosten beim Stahl müssen runter – und zwar signifikant.“

Bisher hat das Unternehmen mit den Arbeitnehmervertretern den sozialverträglichen Abbau von 3000 Stellen vereinbart. Dass es nicht dabei bleiben könne, machen die Thyssenkrupp-Manager seit Tagen deutlich. „Wir stehen vor Riesenherausforderungen, die uns allen viel abverlangen werden“, betonte Keysberg.

Enorme Herausforderungen 

Überkapazitäten auf dem Weltmarkt, Umsatzeinbrüche durch Corona - und ein immens teurer Umbau der Produktion für den Klimaschutz: Thyssenkrupp steht wie die gesamte europäische Stahlindustrie erheblich unter Druck. Deshalb verhandeln die Unternehmen seit langem und immer wieder über Fusionen und Kooperationen.


ARCHIV - 10.12.2018, Nordrhein-Westfalen, Duisburg: Ein Hochöfner nimmt am Hochofen 1 im Werk Schwelgern von Thyssenkrupp eine Probe. Der kriselnde Industriekonzern Thyssenkrupp setzt nach einem Milliardenverlust weiter den Rotstift an: So sollen zusätzlich 5000 Arbeitsplätze in den kommenden drei Jahren wegfallen, teilte das Unternehmen am Donnerstag in Essen mit. (zu dpa "«Schmerzhafte Schritte» bei Thyssenkrupp - 11 000 Stellen fallen weg") Foto: Rolf Vennenbernd/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
ThyssenKrupp in tiefroten Zahlen
Weitere 5.000 Stellen sollen beim Essener Stahl- und Industriekonzern in den nächsten Jahren abgebaut werden.

Vor zwei Jahren hatte die EU mit aus Sicht von Thyssenkrupp zu hohen Auflagen die bereits vereinbarte Fusion der Essener mit dem Konkurrenten Tata Steel gestoppt. Vor wenigen Wochen platzen die Gespräche zwischen dem schwedischen Stahlkonzern SSAB und Tata über den Verkauf des Tata-Werks in den Niederlanden. Nachdem Liberty nicht im Ruhrgebiet zum Zuge kommen soll, könnte das Gesprächskarussell im europäischen Stahl neuen Schwung aufnehmen.

Liberty Steel gibt nicht auf

Liberty Steel will sich aber noch nicht mit der Absage aus Essen abfinden. „Wir haben noch kein finales Angebot vorgelegt“, sagte ein Sprecher. Liberty habe „den einzigen langfristig tragfähigen Plan für das Stahlgeschäft von Thyssenkrupp vorgelegt“, und werde sich weiterhin bemühen, die Bewertungslücke zu gegebener Zeit zu schließen“. Thyssenkrupp zeigte sich unbeeindruckt: „Wir stehen hinter unserer Entscheidung“, ließ Personalvorstand Oliver Burghard über den Kurznachrichtendienst Twitter wissen.

Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz hat mit der Absage an Liberty nach dem Verkauf des Aufzugsgeschäfts für mehr als 17 Milliarden Euro das zweite Ausrufezeichen beim Konzernumbau gesetzt. Zur Hilfe dürfte ihr dabei die wieder anziehende Stahlkonjunktur gekommen sein. Thyssenkrupp hatte beim Start ins laufende Geschäftsjahr wieder schwarze Zahlen geschrieben. Stahlverarbeiter klagen bereits über ausbleibende Lieferungen und „Extrempreise“.

Nach der Absage an den Verkauf verfolgt Merz jetzt zwei Optionen. Entweder der Stahl bleibt Teil des Konzerns, oder er wird ausgegliedert und kommt an die Börse. Dann könnten auch Konkurrenten als Partner wieder ins Spiel kommen.

Die IG Metall hätte bisher gerne den Staat als Teilhaber dabei gehabt. Am Donnerstag tauchte diese Forderung in ihren Stellungnahmen so nicht mehr auf. Stattdessen hieß es, bei Thyssenkrupp werde es „ohne ein substanzielles Engagement des Staates im Sinne einer Brückenfinanzierung nicht gehen“. Nötig sei „ein klares Bekenntnis von Seiten des Landes NRW oder des Bundes für die Zukunft des Stahls“, sagte Jürgen Kerner, für die Gewerkschaft Aufsichtsratsvize bei Thyssenkrupp.

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