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Kampf dem Dauerstau
Wirtschaft 3 Min. 28.03.2018 Aus unserem online-Archiv

Kampf dem Dauerstau

Die Zahl der Grenzgänger legt jedes Jahr zu. Viele kommen aus Frankreich.

Kampf dem Dauerstau

Die Zahl der Grenzgänger legt jedes Jahr zu. Viele kommen aus Frankreich.
Foto: Lex Kleren
Wirtschaft 3 Min. 28.03.2018 Aus unserem online-Archiv

Kampf dem Dauerstau

Mara BILO
Mara BILO
Der Titel ist sperrig, aber das Ziel ist klar: Mit dem multimodalen Modell und Szenarien des Verkehrs über Territorialgrenzen, kurz: MMUST, soll künftig der einheitliche Datenaustausch über die Verkehrsflüsse zwischen Luxemburg, Frankreich und Belgien ermöglicht werden.

Verschiedene Partner aus Luxemburg, Frankreich und Belgien versuchen, durch ein gemeinsames Mobilitätsprojekt besser die aktuellen grenzüberschreitenden Verkehrsprobleme in den Griff zu bekommen. Im Visier ihrer Forschung steht besonders der Berufsverkehr, wie es am Dienstag bei der Vorstellung des Konzepts an der französischen Grenze in Longlaville klargestellt wurde. „Das Projekt MMUST wird genaue Auskunft über die Verkehrsflüsse zwischen Luxemburg, Frankreich und Belgien geben“, erklärte Stéphane Godefroy, der Leiter des Forschungsprojekts. Mit den gesammelten Daten sollen die Regierungen Luxemburgs, Frankreichs und Belgiens besser gerüstet sein, um den Berufsverkehr zu entlasten.

Innerhalb von vier Jahren werden die Partnern – unter anderem das luxemburgische Infrastrukturministerium, das Forschungsinstitut Liser, die Universität Namur und die öffentliche Einrichtung Cerema, die unter der Aufsicht des französischen Ministeriums für ökologische Angelegenheiten steht, – Mobilitätskonzepte ausarbeiten, die übergreifende Verkehrsansätze ergänzen und erweitern können.

Das Besondere daran: Zum ersten Mal wird ein solches Projekt mit Partnern aus drei Nachbarländern – Luxemburg, Frankreich und Belgien – aufgestellt. Das bisher einzige Projekt, das ähnliche grenzüberschreitende Probleme in Angriff genommen hat, bezieht sich auf die französisch-schweizerische Grenze und wird somit von Partnern aus nur zwei Ländern ausgeführt.

Grenzgänger sind berücksichtigt

Infrastrukturminister François Bausch, der bei der Vorstellung des Projektes dabei war, begrüßte die konkrete Zusammenarbeit zwischen Luxemburg und den beiden Nachbarn. Er betonte aber, dass die Luxemburger Regierung schon seit Jahren „bei der Ausarbeitung unserer Transport- und Mobilitätsstrategien die Grenzgänger berücksichtigt.“ Denn: „Wir versuchen, uns immer ein Gesamtbild der Situation zu schaffen.“

Tatsächlich wurden bei der großen Luxmobil-Umfrage vor einem Jahr 85 000 Haushalte über ihre Mobilitätsgewohnheiten abgefragt; über die Hälfte davon waren Grenzgänger, die jeden Tag die deutsche, französische oder belgische Grenze überschreiten.

Auch wurde die Planungsabteilung für Mobilität im Luxemburger Infrastrukturministerium durch die Neueinstellung von Mitarbeitern stark ausgebaut; darauf wies Bausch hin. „Eine zusätzliche Person wird auch noch bald unserer Abteilung beitreten“, sagte er. „Das Team setzt sich aus Verkehrsplanern, Ingenieuren und Geografen zusammen, die die Verkehrsstrategie für das gesamte Land anfertigen.“

Durch die EU gefördert

Die Gesamtkosten des Projektes belaufen sich auf 2,9 Millionen Euro; davon stammen 1,7 Millionen Euro vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) der Europäischen Kommission. Das ganze Projekt fällt auch unter das EU-Förderprogramm „Interreg“, das grenzüberschreitenden Projekten in Europa mit finanzieller Unterstützung beisteht.

„Jetzt gilt es zu handeln“, betonte François Bausch im Anschluss an eine Podiumsdiskussion, die er mit anderen Entscheidungsträgern bei der Vorstellung des Projektes führte. „Sonst kommt es nie zur Umsetzung von Projekten, und die Menschen verlieren den Glauben an die Handlungsfähigkeit der Politik.“


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