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Jungunternehmer haben große Herausforderungen zu schultern
Wirtschaft 3 Min. 24.04.2015 Aus unserem online-Archiv
Gründerumfrage im Handwerk

Jungunternehmer haben große Herausforderungen zu schultern

Im luxemburgischen Handwerk gibt es rund 1500 Betriebschefs unter 40 Jahren.
Gründerumfrage im Handwerk

Jungunternehmer haben große Herausforderungen zu schultern

Im luxemburgischen Handwerk gibt es rund 1500 Betriebschefs unter 40 Jahren.
Foto: Shutterstock
Wirtschaft 3 Min. 24.04.2015 Aus unserem online-Archiv
Gründerumfrage im Handwerk

Jungunternehmer haben große Herausforderungen zu schultern

Im luxemburgischen Handwerk gibt es rund 1500 Betriebschefs unter 40 Jahren. Viele der Jungunternehmer haben Probleme von ihrer Bank eine Finanzierung zu bekommen oder eine geeignete Immobilie für ihre Firma zu finden.

(aa) - Mit 6600 Unternehmen und 83000 Beschäftigten gehört das Handwerk zu den größten Arbeitgebern des Großherzogtums. Rund 1500 Betriebschefs sind jünger als 40 Jahre. 1000 davon wurden von der Vereinigung „Jong Handwierk“ angeschrieben, um mittels einer Online-Umfrage deren Alltagserfahrungen einzufangen und so ein möglichst ungeschöntes Bild der beruflichen Realität widerzugeben, wie Präsident Constantin Jacques betonte. 200 Unternehmen haben sich an der Umfrage beteiligt. Die Rückmeldungsquote lag demnach bei 20 Prozent.

Bei den teilnehmenden Jungunternehmern handelte es sich in der Mehrzahl der Fälle um Luxemburger, wobei dieser Wert mit 60 Prozent höher lag als dies bei den Handwerksbetrieben hierzulande tatsächlich der Fall ist. Die Luxemburger waren bei der Umfrage also etwas überrepräsentiert. 71 Prozent der Befragten gaben an ihre Firma selbst gegründet zu haben. 29 Prozent haben einen Betrieb übernommen. In 80 Prozent der Fälle war das Unternehmen zuvor nicht in Familienbesitz. 

Die meisten Betriebe schaffen neue Arbeitsplätze

71 Prozent der befragten Jungunternehmen haben in den vergangenen fünf Jahren Arbeitsplätze geschaffen. 43 Prozent stellten 1 bis 5 Mitarbeiter ein, 29 Prozent niemanden, 14 Prozent 6 bis 10 und weitere 14 Prozent mehr als 10 Leute. Demnach wären allein bei den Umfrageteilnehmern insgesamt circa 1000 Stellen entstanden. Gleichzeitig sei die sogenannte Überlebensrate bei Jungunternehmen des Handwerks vergleichsweise hoch, fügte Christian Reuter, beigeordneter Generalsekretär der Handwerkskammer, hinzu. Sie liege nach fünf Jahren bei 69 Prozent und damit deutlich über dem Durchschnitt. 

Diesen positiven Erkenntnissen stehen laut Jong-Handwierk-Umfrage auch eher negative gegenüber: Bei einer Betriebsgründung oder Betriebsübernahme spielt die Finanzierung üblicherweise eine zentrale Rolle. 52 Prozent der Jungunternehmer bezeichneten ihre Gründungsfinanzierung als eher problematisch oder problematisch. 18 Prozent sprachen von einer problemlosen, 30 Prozent von einer eher problemlosen Finanzierung. Bemerkenswert ist, dass Unterstützungsmaßnahmen - abgesehen vom „Crédit d’équipement“ und dem „Prêt de création“ - gerade einmal der Hälfte der Jungunternehmer bekannt sind. Die Unterstützung für externe Beratung kennt sogar nur jeder Fünfte. 

Finanzierung und Niederlassung problematisch

Neben der Finanzierung stellt auch die Suche nach einer bezahlbaren Niederlassungsmöglichkeit eine große Herausforderung dar. 48 Prozent der Befragten bezeichneten dies als eher problematisch oder problematisch. Eine knappe Mehrheit von 52 Prozent schien immerhin keine oder allenfalls geringe Probleme dabei zu haben. Dabei gibt es erhebliche Unterschiede, die vom Tätigkeitsfeld abhängen. Schwierigkeiten gibt es z.B. vor allem bei Unternehmen der Baubranche, die unter Umständen eine eigene Produktion haben. Sie haben es fast doppelt so schwer wie die Mode- oder Gesundheitsbranche. 

Eine weitere Erkenntnis aus der Umfrage der Vereinigung „Jong Handwierk“ ist, dass Betriebsgründer im luxemburgischen Handwerk in der Regel Mieter sind. Wegen des hohen Preisniveaus können sich 74 Prozent der Jungunternehmer keine eigenen Immobilien leisten. Nur 26 Prozent arbeiten in den eigenen vier Wänden. Das widerum macht es laut Constantin Jacques nicht gerade einfacher, an ein Darlehen zu kommen, weil kaum Sicherheiten vorhanden sind, um beliehen zu werden. 

Forderungen an Regierung und Gemeinden

Auf die Frage, was sie sich bei der Gründung ihres Unternehmens gewünscht hätten, stand „mehr Beratung“ an erster Stelle gefolgt von „mehr finanzielle Mittel“. Die größten Hindernisse bei der Entwicklung ihres Betriebes sind für Jungunternehmer bürokratischer Aufwand und fehlendes Personal. 46 Prozent der Arbeitnehmer im luxemburgischen Handwerk sind Grenzgänger, 39 Prozent sind in Luxemburg lebende Ausländer, 15 Prozent sind Luxemburger. 

Als Schlussfolgerung aus ihrer Umfrage fordert „Jong Handwierk“ die Regierung und Gemeinden auf, neue Flächen auszuweisen und dafür zu sorgen, dass Unternehmensgründer einen fairen und bezahlbaren Zugang dazu bekommen. Wegen des Mangels an qualifizierten Mitarbeitern, gelte es die Berufsausbildung besser und attraktiver zu gestalten. Die Regierung könnte darüber nachdenken, Lehrlingen den Mindestlohn zu zahlen, damit sich frühzeitig mehr junge Menschen für eine Ausbildung im Handwerk entscheiden. Was den Wunsch nach besserer Beratung angeht, sieht sich die Handwerkskammer und auch „Jong Handwierk“ als Anlaufstelle für Gründer. 



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