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JCDecaux: Neustart für das „Vel'oh!“
Über die ganze Stadt verteilt, stehen die Werbetafeln von JCDecaux am Straßenrand der Hauptachsen.

JCDecaux: Neustart für das „Vel'oh!“

Foto: Chris Karaba
Über die ganze Stadt verteilt, stehen die Werbetafeln von JCDecaux am Straßenrand der Hauptachsen.
Wirtschaft 2 Min. 12.02.2018

JCDecaux: Neustart für das „Vel'oh!“

Bisher wurde ein Teil der Kosten für den Fahrradverleih in Luxemburg-Stadt durch die Einnahmen des Betreibers JCDecaux mit Werbetafeln am Straßenrand gedeckt. Doch damit ist jetzt Schluss. Der Betreiber des Projektes muss sich auf ein anderes Finanzierungsmodell einstellen.

(M.G.) - Der städtische Schöffenrat hat entschieden, dass die 50 Werbetafeln, die derzeit entlang der Straßen von Luxemburg-Stadt verteilt sind, keine weitere Daseinsberechtigung haben. Die sogenannten MUPIs (mobilier urbain pour l'information) wurden vor zehn Jahren, zusammen mit dem „Vel'oh!“-Projekt, errichtet. Damals erhielt die französische Firma JCDecaux, die weltweit im Bereich der Außenwerbung tätig ist, den Auftrag, einen Fahrradverleih in der Hauptstadt aufzubauen und zu verwalten. Etwa ein Drittel der Kosten für dieses Projekt sollten durch die Einnahmen der 50 Werbeträger gedeckt werden.

Bisher wurden 30 Prozent der Kosten des „Vel'oh!“-Projektes durch Werbetafeln finanziert.

Als der Vertrag der Stadt mit JCDecaux im vergangenen Jahr, nach zehn Jahren auslief und das Projekt neu ausgeschrieben wurde, entschied die Stadt Luxemburg, dass das Verleihsystem zukünftig ausschließlich durch Mitgliederbeiträge und die Stadt selbst finanziert werden müsse. Zuvor wurden lediglich 70 Prozent der Kosten auf diese Weise gedeckt. Die restlichen 30 Prozent der Finanzierung stammten aus dem Verdienst mit den 50 MUPIs.

„Der Schöffenrat entschied den Betrieb des Fahrradnetzwerkes und die Schaltung von Außenwerbung zu trennen, um für mehr Transparenz zu sorgen, was die Kosten des Projektes betrifft“, erklärt Patricia Kariger, Sprecherin der Stadt. „Außerdem sollte so möglichst vielen Firmen, die am Betrieb des Fahrradverleihs interessiert sind, erlaubt werden, ihre Bewerbung einzureichen.“

  • Die Stadt Luxemburg zahlte für die Installation und den Unterhalt des „Vel'oh!“-Systems von 2008 bis 2017 insgesamt rund 5,6 Millionen Euro. Der neue Auftrag für JCDecaux sieht vor, das System im Laufe des Jahres auf elektrisch unterstützte Fahrräder umzustellen. Außerdem sollen weitere Fahrradstationen hinzukommen und der Kundenservice verbessert werden. Die Kosten für das neue System liegen in einer ersten Phase bei rund 14,6 Millionen Euro.

    Gleichzeitig steigen die Beiträge für Nutzer von 15 auf 18 Euro pro Jahr. Das bedeutet allerdings nicht, dass die 30 Prozent, die an Einnahmen durch MUPIs wegfallen, zukünftig von den Nutzern übernommen werden, versichert Patricia Kariger. Diese Preisanpassung sei ausschließlich auf die Umstellung auf Elektrofahrräder zurückzuführen.

Größerer Auftrag, aber ohne Werbung

Am Ende machte erneut JCDecaux das Rennen. Der derzeitige Betreiber des Fahrradverleihs verantwortet demnach für weitere zehn Jahre das „Vel'oh!“-System. Das Netzwerk wird komplett auf Elektrofahrräder umgestellt und weiter ausgebaut. So kommen zu den 69 bestehenden Stationen 21 weitere hinzu und die Zahl der verfügbaren Fahrräder steigt im Laufe des Jahres von derzeit 650 auf 800 an.

Gleichzeitig müssen nun die besagten MUPIs verschwinden. Damit verliert das Unternehmen 50 strategisch platzierte Werbeträger entlang der Hauptverkehrsachsen der Stadt. Beim weltweit marktführenden Dienstleister in Sachen Außenwerbung sieht man die Situation aber eher gelassen. Nicht zuletzt weil die Firma vor Kurzem einen weiteren wichtigen Auftrag an Land ziehen konnte: JCDecaux gewann die Ausschreibung für die Luxemburgischen Bahnhöfe und wird nun dort Werbeträger errichten, diese verwalten und vermarkten. „Das erlaubt uns weiterhin ein sehr umfangreiches Angebot zu haben“, erklärt Jérôme Blanchevoye, Verantwortlicher bei JCDecaux in Belgien und Luxemburg. „Demnach sind wir, was unser Werbeangebot betrifft, nicht sonderlich besorgt.“

Zudem wurde die Werbefläche der 50 Tafeln niemals einzeln vermietet. „Die besagten Werbeträger waren Teil eines Netzwerks von gleichwertigen Werbeflächen“, erklärt Jérôme Blanchevoye. Die 50 MUPIs, die nun aus diesem Netzwerk verschwinden werden, würden alsbald durch neue ersetzt, wie beispielsweise an den Bahnhöfen des Landes. „Was die Zahl an Werbeflächen im Land angeht, wird sich also nichts ändern.“

  • Der Erfolg der Firma JCDecaux fußt auf der simplen wie genialen Idee ihres Gründers Jean-Claude Decaux, Städten kostenfrei Bushäuschen zur Verfügung zu stellen, die von seiner Firma unterhalten und durch Werbung finanziert werden. Die ersten Wartehäuschen dieser Art wurden in den 1960er-Jahren in Lyon aufgestellt. Die Idee entpuppte sich als Riesenerfolg und verhalf der Firma zu enormem Wachstum. Heute ist JCDecaux in mehr als 75 Ländern vertreten und der weltweite Markführer im Bereich der Außenwerbung.

    2003 begann JCDecaux Fahrradverleihsysteme aufzubauen. Heute ist die Firma mit ihren Fahrrädern in 88 Städten weltweit vertreten. JCDecaux beschäftigt zur Zeit etwas mehr als 13 000 Mitarbeiter. Die Produkte von JCDecaux sollen täglich von mehr als 410 Millionen Menschen gesehen werden. Der Umsatz des Konzerns lag im vergangenen Jahr bei rund 3,5 Milliarden Euro und stieg damit um 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

    In Luxemburg wurden die ersten Bushäuschen von JCDecaux im Jahr 1986 errichtet. Heute unterhält die Firma insgesamt 270 dieser Wartehäuschen in Luxemburg-Stadt. Seit 2013 verwaltet das Unternehmen auf dem Gebiet der Hauptstadt zudem 40 Litfaßsäulen mit Werbung für Kulturveranstaltungen. Seit 2014 ist JCDecaux ebenfalls verantwortlich für unterschiedliche Werbeflächen am Luxemburger Flughafen. Im vergangenen Jahr bekam das Unternehmen außerdem den Auftrag,Werbeflächen in 24 Bahnhöfen des Landes einzurichten.



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